Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 50 (7.12.1846)
- Date
- 1846-12-07
- Page
- Seite 734 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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734 lich verfertigter Gegenstände. Der Glaube an Unsterblichkeit unsres geistigen Wesens, die fortdauernde Abhängigkeit unsrer Seele von der unsterblichen Quelle aller Geister artet a«6 in den Glauben an einen fortdauernden Schlummer unserS Körpers (Konservativ» der Leichname bei den alten Aegyptern), in den Glauben sinnlicher Genüsse oder körperlicher Peinigung nach dem Tode, welcher Glaube in verschiedenen Nuancen in dem homerischen Tartarus, dem mahomedanischen Himmel und dem Fegefeuer und der Hölle verkömmt; ferner in den Glauben an Transition und Metamorphose in ein höheres oder niedrigeres Geschöpf. DaS moralische Gefühl für Tugend endlich, das in Liebe im ausgedehntesten Sinne des Wortes besteht, und in Bekämpfung der Leidenschaft, artet aus in Intoleranz, Fanatismus mit seinen verschiedenartigen Folgen und Anhängen. Die beste Religion muß daher diejenige sein, welche die genannten drei Ideen in ihrer erhabensten Reinheit lehrt, und frei ist von den genannten Entartungen; diejenige, die ein einziges, in allen Beziehungen unendliches Wesen zu verehren lehrt, die keine Bersinnlichung dieses geistigen Wesens, von welcher Art sie auch sei, zugiebt; diejenige Religion, welche dieses Wesen einzig verehrt und kein zweites und drittes ihm zur Seite stellt; diejenige, welche die Verkünder und Verbreiter der göttlichen Lehre, die gottbegeisterten Männer wol hochachtet und verehrt, aber nicht vergöttert, weder sie selbst noch ihre Verwandten; diejenige, welche ein zukünftiges Bestehen, und eine Unterscheidung des Guten vom Lasterhaften annimmt, aber keine sinnliche Zergliederung dieser Zustände giebt; diezeziige Religion endlich, welche die höchste und reinste Moral lehrt, die den Grundsatz aufstellt: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst." II. Vor dem fünfzehnten Jahrhunderte waren die Bewohner Java's der heidnischen, und zwar der buddhistischen Lehre zugethan. Wann und durch wen diese Lehre von der festen Küste Asiens auf Java übergepflanzt wurde, ob die ersten Bewohner der Insel schon diesen Glauben kannten und selbst von Bekenuern dieser Religion abflammen, oder ob diese mit dem Brahminendienst sehr verwandten Religion auf Java eben so alt ist, als zwischen dem Indus und Ganges, von diesem Allen giebt uns die Geschichte wenig Aufschluß. Aber mehrere köstliche Tempel und Statuen, zum Theil Meisterstücke der Bildhauerkunst darstellend, deren Inhalt die buddhistische Mythologie zum Grunde liegt, geben unwidersprechliche Beweise von der frühern allgemeinen Verbreitung der genannten Lehre auf Java. Wer die herrlichen und noch sehr gut erhaltenen Ruinen von Borvbedor im Distrikte Magelan, den schönen Tempel von Medod und noch mehrere andere Ueberbleibsel des heidnischen Alterthums auf Java gesehen, erstaunt über die Riesenwerke und die in diesen eigenthümlichen Gebäuden entwickelte Kunst, die das gegenwärtige Geschlecht der Javanen nicht mehr zu produziren im Stande wäre. Auch scheint wirklich nur die Begeisterung für die Gottheit ein Volk zu Künstlern umschaffen zu können, das sonst kein Freund von mühsamen Kunstwerken ist, und dessen höchste Beamten in einfachen Bambushäusern wohnen, die kaum von einer niedrigen steinernen Mauern umgeben sind. Am Ende des vierzehnten Jahrhunderts, so erzählt die javanische Geschichte, kamen drei arabische Prinzen aus dem Stamme Mohamed nach Java, und verbreiteten daselbst die Lehre des Propheten, die nicht durch Zwang, durch Feuer und Schwert, sondern, wie die Sage geht, durch die überzeugende Kraft der Lehre und ihrer begeisterten Verkünder so glücklichen Forgang machte, daß bald ganz Java mit wenigen Ausnahmen das Heidenthum verließ, und Anhänger der monotheistischen Religion wurde. Die Namen dieser drei Prinzen waren: Sech Ibrahim Asmoro, Sech Maolana Esca, und Sech Sotamris. Alle drei Männer zeichneten sich durch Frömmigkeit, Gelehrsamkeit und medizinische Kenntnisse aus. Noch wird das Grab des Sech Maolana in Distrikte Cheribon gezeigt. Einige Priester bewachen diese Statte, die häufig von Javanen besucht wird. Mit Ausnahme weniger Dörfer im Distrikte Bantaa, die noch dem buddhistischen Dienste anhängen, ist der Jslamismus gegenwärtig die herrschende Religion Java's, und obwol die Javanen keine so eifrigen Anhänger des Propheten sind, als ihre Lehrer, die Araber, so hat doch dieser Glaube unstreitig viel zu ihrer moralischen Bildung beigetrageu. Die holländische Regierung läßt sie nicht nur ihre Religion ungestört ausüben, sondern hält auch ihre Gräber und heiligen Plätze in Ehrbiet, da eine Verletzung derselben als eine tiefe Kränkung betrachtet wird, und die Gemüther zur Rache auspornt, wie dies die Erfahrung lehrt. Auch legt die holländische Regierung kein so großes Gewicht auf die sogenannten Bekehrungen der Mohamedaner, das ist, den Uebergang derselben zum Christenthum, wohl wissend, daß der moralische Werth dieser Menschen durchaus Nichts gewinnt, ob sie diesen oder jenen gottbegeisterten Mann als ihren geistigen Wohlthäter, als den Verkünder der Lehre von der Einheit des Schöpfers verehren. Es wögen die Engländer sich ein Verdienst daraus machen, überall ihre sogenannten „Traktate" oder Abhandlungen auszu-