Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 50 (7.12.1846)
- Date
- 1846-12-07
- Page
- Seite 731 (sequence 7)
- Language
- German
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731 kräftig sich aufringenden Geist der Gegenwart in die enge Zwangsjacke des Mittelalters stecken möchten, daß er sich nicht rege und bewege, sollten freiwillig die Hand zum Reformiren hingeben? — Es schien uns dies ein Räthsel, und wir hofften schon, ein besserer Geist sei über diese Herren gekommen, sie seien zu der Ueberzeugung gelangt, daß der Genius der Geschichte, der unaufhaltsam in der ihm von der Vorsehung bezeichneten Bahn sortschreitet, sich schrecklich an dem rächt, der sich's anmaßte ihm in seinem Laus hemmend entgegenzutreten. Aber unsre Hoffnung ist vereitelt, das Räthsel findet seine Lösung. Als diese Herren Dr. Frankel gegen die Rübbinerversammlung austreten sahen, glaubten sie i,hn als einen der Ihrigen; sie wußten Nichts von seinen reformistischen Gesinnungen, und waren natürlichganz zufrieden mit ihm in einer Versammlung zu sitzen, in der, wie sie meinten, nur das eine nochmalige Bestätigung finden solle, was zwar keine sonstige Begründung in der eigentlichen, dem jüdischen Religionsbegriff zu Grunde liegenden, Lehre findet, das aber doch die Zeit, die Gewohnheit zum festen Gesetze erhoben haben; sie glaubten, die Thcologenversammlung werde im Gegensatz zur Rabbinerversammlung zu ihrer Basis den ganzen großen Schatz von Dinim, Minhagim, Sejagim u. s. w. machen, ja daß sie ihn noch um ein Bedeutendes bereichern und daß die Sophistik da, wie weiland in früherer Zeit ihre Triumphefeiern werde. Diese Herren haben nun ihren Jrrthum — ich weiß nicht wieso? — erkannt, und die Rabbiner Tiktin, die beiden Deutsch haben ihr Versprechen, bei der Theologenversammlung zu erscheinen, zurückgenommen. Oesterreich. Papa, im November. (Privatmitth.) Auch die ganze sinstre Garde der zelotischen Rabbinen Ungarns ist es, welche sich gegen das Streben der hiesigen Gutgesinnten erhebt und zu den erbärmlichsten Anschwärzungen allerhöchsten Ortes hilfreiche Hand bietet. Sie können es dem Oberrabbiner Löw nicht verzeihen, daß er die philosophischen Studien schulenmäßig absolvirte, daß er in der ihnen unbekannten (einem größern Theile der jüdischen Einwohner Ungarns bereits liebgewordenen und geläufigen) ungarischen und der von ihnen sehr gehaßten rein deutschen Sprache moralische Vortrage hält; daß er bei seinem eminenten rabbinischen Wissen ihnen auch hierin die Spitze bietet — und endlich, daß er ein Rabbinat einnimmt, auf welchem sich Einer der Männer, die in keiner lebenden Sprache weder gehörig schreiben noch lesen können, gern in der bisher gewohnten unthätigen Manier gütlich gethan hätte. Uebrigens läßt unser Rabbiner, trotz der mannigfachen Insinuationen, die man gegen ihn schmiedet, in seinem Wirken sich nicht irre machen. Er hat bereits hier acht Deraschot, drei deutsche und eine ungarische Predigt abgehallen; kommenden Samstag wird er durch Predigt und Gebet die Wiedergenesung Sr. k. Hoheit des Erzherzogs Palatin feiern. Er hat für die hiesigen Gymnasialschüler eine Religionsschule eröffnet, wo er für die ersten Klassen in deutscher und für die höheren Klassen in ungarischer Sprache selbst die Religion vorträgt. Er hält i-ma-', wo er täglich einen dreistündigen 8-im w© hat; er hat ein sehr zweckmäßiges Rabbinatsprotokoll eingerichtet nnd bereitet für die Presse das in nächsten Wochen zu erscheinende erste Heft seiner Biertcljahrsschrift: ,,A’ magyar Ziuagoga" vor, welches nebst der hiesigen Einweihungspredigt, auch sonstige tüchtige Aufsätze bringen wird. — Möge Herr Rabbiner Löw auch ferner, trotz den äußeren Anfeindungen, sein Herz für seine irrenden Glaubensbrüder offen haben; wie bisher auch ferner der muthige Kämpfer für Ehre und Recht des ungarischen Israels sein — und durch keine Erbitterung das Zutrauen zum Gelingen des Guten in unserm Vaterlande verlieren! x. y. z. Palota, 20. November. (Privatmitth.) Am II. d. starb unser hochverehrter Rabbiner Wolf C Hajes in einem Alter von 78 Jahren, nachdem er das hiesige Rabbinat 38 Jahre bekleidete. Trotz seiner eminenten talmudischen Gelehrsamkeit und musterhaften Religiosität, vermied er es, die schmählichen Umtriebe Vieler seiner finsteren Kollegen zu billigen — und sah mit Ruhe und Gleichmuth den Wehen und Geburten der Zeit zu. — Friede seiner Asche! F. Aus Mähren, 18. November. (Privatmitth.) Die langjährige Vakanz des Landrabbinats neigt sich ihrem längst ersehnten Ende zu. Mit einem Worte, die Wahl des Landrabbiners ist nun mittelst Hofzirkular auf den 30. Dezember anberaumt worden. —