Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 50 (7.12.1846)
- Date
- 1846-12-07
- Page
- Seite 730 (sequence 6)
- Language
- German
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Arbeiten an den Festtagen das ganze Unternehmen nicht gelingen werde. Wie aber, wenn die Erfahrung in jenen Ländern, wo die Juden bereits in größerer Anzahl Ackerbau treiben, das Gegentheil beweist, muß da nickt alle erträumte Theorie schweigen? Bekanntlich sind schon seit einer Reihe von Jahren in Württemberg und Baiern viele Juden Oekonomen, die selbstthätig ihre Felder bestellen, und dabei in strenger Orthodoxie an Sabbat- und Festtagen von der Arbeit ruhen. Und diese jüdischen Oekonomen stehen sich im Verhältniß zum Geschäftsmanne recht gut. Schreiber dieses hat selbst zwei Brüder, und kennt noch viele Juden in Baiern, die sich mit dem Ackerbau beschäftigen; aber daß Jemand von ihnen an Feiertagen Feldarbeit verrichten sollte, dürfte kaum zu finden sein; und dennoch hört man nirgends weder von Juden noch Christen über das schlechte Bestellen oder den schlechtcrn Ertrag der Felder, die den Juden gehören, klagen. Und dabei ist in Baiern an christlichen Sonn- und Festtagen weder Juden noch Christen die geringste öffentliche Arbeit (außer in höchst dringenden Fällen) gestattet. Worauf dürfte also die „feste Ueberzeugung des Mißlingens" bei jenem Komitemitgliede gestützt sein? Möchte man doch nicht durch dergleichen unzeitige und auf Nichts gegründete Bedenken von vorneherein den Eifer für ein so'ch gutes Werk erkalten machen! Möchte vielmehr dasselbe recht bald in die Wirklichkeit übergehen und auch in anderen Provinzen unsres Vaterlandes Nachahmung finden! Ich kann mich nicht enthalten, zum Schluffe auf einen Midrasch hinzuweisen, der den Ackerbau schon in früher Zeit zu würdigen verstand: rpr: ira« ammia wiaa im 'S (:^b “jb 's> üipb') am 1811 iir; oisai a'in: ama "sbitu mr isb '8ibn im ansnEn B'miBi v'bai« iiL biu nabiob smia -,1'a mm yma 'pbn iaii'3 rsina iaia-:a v'pvis bin 'ra mii yiNa 'pbn «irr 'uibn im um n»«a nmai :nNTii yiNM rs zrn “]ynb iiapn Vn nNtit Aehnliches Lob des Landlebens findet sich noch häufig im Midrasch rabba (Wajikra rabba Kap. 22 Anfang; (Fol. 189 c); Kap. 25 (Fol. 193 st) u. a. m. i)r. Klein. K!eve, 18. November. Der hiesige Gemeinderaty bat einen Akt der Toleranz geübt, indem er dem israelitischen Lehrer eine Gehaltszulage aus der Kommunalkasse bewilligt hat. Kamen (Westphalen), 22. November. (Privatmitth.) Die hiesige Gemeinde hat den Beschluß gefaßt', den Anordnungen der Rabbinerversammlung sich anzuschließen. Aus Kberschlessen, 27. November. (Privatmitth.) Als Herr Dr. Frankel mit so vielem Geräusch aus der zweiten Rabbinerversammlung ausschied, da fragten und sagten sich Viele, die von eben dieser Versammlung das historisch-positive Prinzip als die Grundlage aller Reformen im Judenthum geltend gemacht sahen, cjuid est argumentum? Probabiie inveutum ad faciendam fidern. Diese Vermuthung fand wenigstens bei vielen Gemeinden ihre objektive Wirklichkeit. Adressen, Becher, Loblieder und tausend andere solcher Spielereien, geschaffen das schwache menschliche Herz zu betäuben, regneten von hüben und drüben, und auch die Frommen und Gläubigen in unserm Oberschlesien sandten an Herrn Frankel eine Adresse, in welcher sie dessen glorreichen Austritt als einen ihren religiösen Anschauungen konformen Akt bezeichneten. Schon damals konnten wir es uns nicht erklären, wie eine Wahlverwandtschaft zwischen Menschen stattsinden könne, die aus den heterogensten Ansichten ihr religiöses Bewußtsein bildeten; wir schrieben es auch der damals stark grassirenden Sucht zu, durch Demonstrationen in die Ocffentlichkeit zu treten. Als aber der Aufruf zur Theologenversammlung in das Lager des gläubigen Juda drang, und es wieder dieselben Oberschlcsier, dieselben Hauptstädter — versteht sich die Rabbi's immer an der Spitze — waren, die „gedrängt vom heiligen Eifer für den Glauben" das Freudengeschrei erhoben, und die Theologcnversammlung als die letzte gerichtliche Instanz in religiösen Skrupeln begrüßten, als diese Rabbiner sogar ihren Beitritt erklärten, da fragten wir uns, wie, sollten denn diejenigen, welche bis jetzt das starre, unbeugsame Zeremonialvolumen als den alleinigen Träger des jüdischen Glaubens hielten, an einer Versammlung sich betheiligen, in welcher ja gerade die flüssigmachende Idee, der lebenschaffende Gedanke ein ernstes und strenges Gericht über die Verlassenschaft der rabbinischen Zeit halten soll? Sie, die doch so gern den jugendlichen,