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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-12-07 · Heft 50 (7.12.1846) · p. Seite 727

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 50 (7.12.1846)
Date
1846-12-07
Page
Seite 727 (sequence 3)
Language
German
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Steht sie dem betenden Mann, in den Staub gestrecket, und rührt ihn — Blitzendes Schwert in der Rechten, der Linken die Lilie des Friedens, Daß die Strahl und der Duft den dunkelen Söller erfüllet — „Siebenzig Siebende sind der Stadt und dem Volke bestimmet, Eis der Frevel vollbracht und das Maß der Sünder gefüllt ist, Eis gesühnet die Schuld: dann bricht das ewige Heil an, Dann ist das Urthel gelöst, und der Bann, der Propheten Gesichte, Zion ersteht, die Völker erkennen, gesalbt wird der Tempel, Gnade! tönt's durch die Welt, und Gnade! hallet es wieder, Und das Licht der Erkenntniß umflrömt den befriedeten Erdkreis!" Also tönt es im Söller: im Staube lieget d§r Beter, Der Verzückungen voll — da brauset es draußen und rauschet, Aufdröhnt plötzlich die Pfort', und hereinschwellt lärmend der Haufe, Unter den Fürsten des Reichs, den Satrapen und Rathen und Pascha's, Widerstrebend der König — sie zeigen ihm höhnend den Beier, Ter dem Gebote zu Trotz^das Gebet gerichtet zu Gott auf, Und den Tod hat verwirkt in der Grube der gräulichen Leuen. „Schau, dies ist sein Gehorsam, dies ist die gelodete Treue; Was, wenn der Fürst nicht gehorcht dem unverletzlichen Worte, Was soll der Pöbel erst thun, der bewegliches Schleppt ihn von hinnen, Daß den Betenden rette sein Gott aus der Grube der Leuen!" Trauernd schaut es Darius, doch kann er den Treuen nicht schützen, Folget zögernd ihm nach, bis in die Grube der Leuen Sie den Beter geworfen: „O mag Dein Gott Dich erretten!" Und sie wälzen den Stein vor die Oeffuung der Grube der Leuen, Und besiegeln ihn fest mit des Königs geheiligtem Siegel. Sprich, DariuS, was trauerst Du? und was kasteist Du den Leib Dir? Was entfliehst Du dem Fest und dem Kosen des trauten Gemahles In das einsame Zimmer, und seufzest dem Tode des Edlen? Ach, du kennst nicht den Gott, der über den Wolken das Szepter Führet auf Leben und Tod des kleinlichen Erdengeschlechtes; Der dem Tode nur giebt, wer des Todes voll ist im Busen, Aber dem Leben erhält, wer das Leben nähret im Herzen; Der die Unschuld entzieht dem Rachen der gräulichen Leuen, Aber die bösliche Schuld auf weichlichem Pfühle zum Tod trifft! Horch! Du wandelst am Morgen voll Trauer an der Grube der Leuen, Denkst voll Schmerzen des Dieners, den nun die Leuen zerrissen, Der gefunden sein Grab in den Leibern des gräulichen Unthiers..., Horch! was hörst Du? vernimmst Du? ... Den Psalm des geretteten Frommen, Den er, von Leuen umlagert, beim Strahle des Morgens erhebet: „Wen der Vater beschützet, dem krümmet der Leue das Haar nicht, Dem legt friedlich die Tatz' in den Schooß das beruhigte Raubthier; Wen der Vater beschützet, ersteht aus der Grube zum Leben!" Leitender Artikel. Magdeburg, 30. November. Deutsche Zustände. Ueberblickt man die Verhältnisse der Juden in den zivilistrten Ländern, so sieht man, daß die Emanzipation unserer Glaubensgenossen eine dreifache ist: die Staats-, aristokratische und Bolksemanzipation. Erst wenn unsre Gleichstellung alle drei Instanzen durchgemacht hat, ist sie zum Ziele gelangt. Eine dieser allein ist einseitig, ungenügend. Erst wenn sie alle diese drei Instanzen zugleich umfaßt, kann sie als fest begründet, als unerschütterlich, als für die Zukunft ungefährdet angesehen werden. Man kann auch oft beobachten, daß von diesen drei

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