Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 50 (7.12.1846)
- Date
- 1846-12-07
- Page
- Seite 726 (sequence 2)
- Language
- German
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726 Wer zuwider gehandelt, er fahr' Ln die Grube der Leuen, Daß des Krevlers Gebein zermalme der RachEn des UnthierS. Also erprobest Du schnell, ob Gehorsam die Herzen beherrsche, Der das schwerste Gebot mit Freuden erfüllet, ob nicht so. Ties gebiete nun, Herr, mit unverletzlichem Worte!" That's, der König Darius, und überall ward es verkündet. Aber zum traulichen Haus, in den Söller mit offenen Fenstern, Tie nach Zion gewandt, hinlenket die Schritte Danijel. lieber die Fürsten des Reichs hatt' ihn Darius erhöhet, Seiner Weisheit sich freuend, und seiner Treue vertrauend, Mit dem Purpur bekleidet den Sohn der Gefangnen, den Juden, Daß den Fürsten des Reichs der Neid im Busen stch häufte. Wie sie auf jeglichen Schritt dem gerade Schreitenden lauern, Wie sie Fehl au ihm suchen, den plötzlichen Sturz zu bereiten, Aber nimmer ihn finden: da hatten sie klüglich ersonnen, Seiner frommen Gesinnung die listige Falle zu stellen, Taß des Königes Macht ihn zu schützen selbst nicht vermöge. Jetzt an's Gesimse sich lehnt der Arm des frommen Tanijel; Durch das offene Fenster, zum fernen Zion gewendet, Schweift sein prophetischer Blick; auf schaut er zur wandelnden Sonne, Die nach Westen die Bahn, die leuchtende, schreitet am Himmel. Wolken jagen am Himmel, verhüllend des Tages Gestirn, doch Mächtig bricht es hindurch, die trüben Schleier zerreißend. „Sprich," beginnt er, „wie lange bleibt Zion's Sonne verhüllet Von des Mißgeschicks Schleiern, und nimmer weichen die Wolken? Wann erhebt sich der Tag, der beglückende Tag der Verheißung, Wo die Trümmer ersteh'n, aus den staubigen Gräbern ersteigen? Wo zerrissen der Bann und die klirrenden Fesseln des Volkes? Wo dem Tempel des Herrn aufstrebet die goldene Zinne, Weihrauch wallt in der Halle, der Rauch des dampfenden Opfers, Und der Gläubigen Meng' im Staube lieget anbetend"- Sieh, da stürzt, übermannt von trüber Gefühle Bewegung, Selbst in den Staub, auf die Knie, die Gestalt des erhabenen Mannes: „Dein, Herr, ist das Gericht, doch unser ist die Beschämung — Ha, wir empöreten uns, wir hatten gefehlt und gesündigt Gegen die Majestät des geoffenbareten Gottes, Gegen Mose's Gesetz und die Stimme seiner Propheten. Darum ward es erfüllt, das Wort des düsteren Fluches, Das einst Mose verkündet — denn nimmer wanden im Staude stch Unsere sündigen Herzen und kehrten von ihrer Verschuldung. Darum ward es erfüllt, das Wort des gerechten Gerichtes, Ueber Zion der Stab, das widerspenst'ge, gebrochen, Und zu Staube verkehrt des Hochmuths stolze Gesinnung. Aber ewig, o Herr, ist Deine Barmherzigkeit, ewig Jeglichen Morgen erneut, und erbarmt sich des Reuigen immer! Was der Richter geschrieben, das löscht die Hand des Erbarmers, Was der Strafer gebeugt, das richtet empor der Erlöser. Höre, Herr, auf das Wort des tiefgebeugeten Beters; Laß auf Dein Heiligthum, das zerstörte, erstrahlen Dein Antlitz; Laß Dein geöffnetes Aug' auf die Stadt, die verwüstete, schauen; Sieh unfern Sturz, unsre Schmach, den Hohn der spottenden Völker: „„Ha, wie bist du so tief, du stolze Gekrönte, gefallen, Deine Thore so offen, und deine Märkte verödet, Deine Palläste zertrümmert, und deine Fluren welch' Wüste!"". .. Herr, o höre, verzeih, werk' auf, vollbring' es, verzeuch nicht, Nicht um uns, um den Namen, den heil'gen, nach dem wir genannt sind, Deine Stadt und Dein Volk, um die ewige Gnade, die Dein ist... Eben sinket die Sonne, von Purpur glühend, im Westen, Als mit dem letzten der Strahlen der dunkele Söller sich füllet: Eine lichte Erscheinung, voll himmlischen Glanzes, zu Haupte»