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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-11-30 · Heft 49 (30.11.1846) · p. Seite 722

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 49 (30.11.1846)
Date
1846-11-30
Page
Seite 722 (sequence 14)
Language
German
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722 sprechen kenne, und sie ihn stets „Ehochom (?^n) Losianrer Leben" (der Herr Professor hat sich erst seit Kurzem magyarisirt und den Namen Aränyi auf den frühem „Lostanier" eingeschachert — sehen Sie, er bat was von den Juden zugelerut!!) nannten.... Sie sehen, unser AränyüLostanicr hat seinem Gegenstände ein vieljähriges Studium und bedeutende Opfer gebracht, und wenn ein solcher Mann sich herabläßt und das tief unter ihm siebende Publikum würdigt mit den Resultaten seiner Forschungen bekannt zu machen, dann — Welt höre und staune!! Humboldts, Okens, Arago's, Ritters und anderer Heroen Entdeckungen in den verschiedenen Gebieten der Wissenschaft sind kaum Sonnenstäubchen gegen das was der schmarctzirende Advocalus Judaeorum, Herr Lostanier-Aränyi bringt Er hat z. B. entdeckt: „Begegnet dir ein karrikirtcs Gesicht, so kannst du heilig schwören, daß es ein jüdisches; der Engländer und Italiener haben zwar auch markirte Zuge, aber nur markirt, nicht fvurifi'rt." Ei, ei Herr Advocalus Judaeorum, und doch wissen wir, daß Sie wie so mancher Advocalus Chrislianorum gerne in gewisse blaue Augen tief hinrinschanen und mit gewissen orientalischen wol auch karrifirteu Geüchtszügen gerne in nähere Berührung kommen! Freilich jcd., Regel leidet eine Ausnahme und Herr Professor beehren gewiß nur die nichtkarrikirten Lea's mit Ihrer Huldigung— qui bene distinguil, bene docel, sagen Sie mit Recht!... Der Anatomie-Professor hat > B. ferner entdeckt, daß der Jude in seine deutsche Sprache viele hebräische Wörter und aus anderen Sprachen gemischt, daß er manche Selbst- und manche Mitlaute nicht rein ausspricht, daß er oft gegen die Grammatik verstößt, daß er in Gesellschaft immer beweglich ist und lieber auf die Sessellehne gestützt steht, als sich auf denselben setzt, daß er sich gern der Bekanntschaft mit Vornehmen rühmt, daß er nicht mehr gerne „Reb Schmuel", sondern lieber „Herr Spitzer" heißt und eine Unzahl ähnlicher, das Wohl der Menschheit befördernder geistsprudelnder Entdeckungen!! Herr Adv. Jud.! dazu hätten Sie keine fünfzehnjährigen Schmarotzereien gebraucht, das hätten Sie von Jedermann erfahren können, daß die untere Klasse der Juden zu dem Volke gehört und mit diesem die Eigenheiten und Fehler desselben theilt; daß das Volk in Ungarn noch im Allgemeinen auf einer niedrigern Stufe der Bildung steht und so wie der Jude das Deutsche nicht rein spricht, viele Verstöße gegen die Grammatik macht, sich in ordentlicher Gesellschaft nicht gut zu benehmen weiß rc. rc., und die gebildeteren Juden, Doktoren, Rabbinen, gebildeten Großhändler rc. nehmen Sie doch immer selbst aus! Mit diesen neuen Entdeckungen hätten Sie wol zu Hause bleiben können!!... Herr Lostanier-Aränyi kann es auch nicht begreifen, wie die Juden darüber Klage führen können, wenn man ihnen die Menschenrechte versagt — hat sie doch Niemand herbeigerufen und sieht ihnen ja stets, wenn es ihnen nicht gefällt, der Weg zum Abzug offen.... Wo haben Sie, Herr Adv. Jud. doch nur diese Logik hergenommen? Wir verlangen ja keine Guadengabe, daß von Wollen oder Nichtwollen, von Gefallen und Nichtgefallen die Rede sein könnte, wir verlangen Recht, Menschenrechte, und das muß uns überall ertheilt werden, wo und wann wir es wollen!!... Mit Ihrer Logik könnten Sie den Bettler, der hnngervcrgehend sich Ihrer Thüre um einen Bissen Brod nähert, tüchtig durchprügeln, weil er doch, wenn's ihm nicht gefällt, Weggehen könnte, und mit dieser Logik könnte man auch sagen: Wenn's Herrn Lostanier-Aränyi bei uns nicht gefallt, so möge er sich empfehlen, da ihn doch Niemand von Wien hierher gerufen und ihn Niemand zurückhalten wird.... Herr A.-L. meint es aber im Grund doch — vielleicht in süßer Rückerinnernng auf die genossenen jüdischen Braten und Leckerbissen — gut mit dem Juden und giebt uns zum Schluß seinen wolgemeinten Rath, indem er den Gebildeteren zuruft: „Werdet Proselytenmacher, mit eueren Rabbinatskandidateu Marsch auf die Universitäten, mir der Gemara Marsch in's Feuer, mit eueren Verwandten Marsch zum Ackerbau rc. rc." ... Herr Adv. Jud. ist von seinem edeln Eifer für Menschenwohl so unwiderstehlich hingerissen, daß er seinem edeln Feuer nicht gebieten kann und bei ihm Alles in einem „Marsch" fortgeht!... Es geht halt Nichts über eine edle Sprache!!... Die Wissenschaft, die gesummte Menschheit muß sich gewiß Herrn L.-A. für seine gründlichen Forschungen und interessanten Entdeckungen tiefst verpstrchtet fühlen und einem oii dit zufolge liegen bereits in allen Kneipen Budapests wie in den Büreaux der „Pesther Zeitung" und des „Budapesli Hiradö" Subskriptionsbogen zur Errichtung eines Monuments für den großen Entdecker. Im Namen der Judenheit Ungarns aber sagen wir dem außerordentlichen Anatomie-Professor, dem Adv. Jud., Herrn „Chochom-Lostanier- Aränyi-Leben" unfern innigsten Dank, nicht dafür, daß er 15 Jahre lang um uns schmarotzirt, auch nicht dafür, daß er die allgemeine Kenntniß unserer Zustände befördert, sondern dafür, daß — wie er's verkündet — eine niegeahnte Sinnesänderung mit ihm vorgegangen und er aus unserm Advokaten unser Gegner geworden; denn da jeder

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