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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-11-30 · Heft 49 (30.11.1846) · p. Seite 723

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 49 (30.11.1846)
Date
1846-11-30
Page
Seite 723 (sequence 15)
Language
German
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723 Vernünftige und Eharaktcrhafte sich schämen muß mit einem solchen Gegner Ln Reihe und Glied zu stehen, so können wir zuversichtlich hoffen, daß sein Opus Viele unserer Feinde uns — in Freunde verwandeln wird. Geb's Gott!! ... J. Elin. Groß-Kanischa, 12. November, r. Skreinka's analytischer Elementarunterricht ans der rabbinischmosaischen Religion, der biblischen Geschichte und der Sittenlehre. Als zweite verbesserte Auflage seiner „Vorübungen für die mindcrreife Jugend." Arad, Druck und Verlag von Jos. Schmidt. 1840. In einem Lande, wo der israelitische Schulunterricht keinerlei gesetzlicher Beachtung von Seiten der Behörden sich erfreut, wo die Wichtigkeit des geregelten Jugendnnterrichrs von unseren Glaubensgenossen noch nicht im vollen Maaße gewürdigt wird, geschieht es nicht selten, daß ein großer Theil des Lehrstandcs auch mit dem besten Willen mit einer gewissen sich selbst bewußten und an sich selbst verspürten Halbheit das mühevolle und wichtige Geschäft des Jugendunterrichts handhabt. Einem solchen Uebelstande kann theilweise dadurch begegnet werden, daß ein wolhlgeordnctes, den beabsichtigten Lehrgcgenstand in seiner Tiefe und in seinem Umfange erfassendes und umfassendes Buch den Lehrenden in die Hand gegeben wird, das denselben den Weg zeigt und anregend auf sie wirkt. Als ein solches Buch kann das in der Ueberschrist angezeigte gelten, das auf eine anerkenncnswcrthe Weise seine Aufgabe löst. Abgesehen, daß durchschnittlich ziemlich der rechte Takt an Inhalt und Form gefunden ist, kann namentlich unseres Erachtens das Kapitel mir der Ueberschrift: „Herkunft Abrahams, dessen Würde und Bedeutsamkeit. Entwicklung der wichtigsten Tugenden aus seinem Leben", als sehr gelungen bezeichnet werden. In einer einfachen, präzisen und klaren Weise werden die wichtigsten humanen und sozialen Tugenden definirr und in Abrahams Leben nachgewiesen, und so wird diese erhabne Persönlichkeit in der ganzen Fülle ihrer Gottesfurcht und sittlichen Würde uns vorgeführt und dargestettt, was in anderen Büchern der Art mit einigen Worten oder in flüchtigen Umrissen zu geschehen pflegt. Auch das siebente Kapitel mit der Ueberschrist: „Bürgerliche und religiöse Gesellschaft. — Materielle Lehre der rabbinisch-mosaischen Religion" bietet des Schönen und des Neuen gar Manches dar. Ueberhaupt ist im ganzen Buche das Positiv- Religiöse hinlänglich berücksichtigt, klar aufgefaßt und dargestellt. Wir können jedoch nicht umhin folgende Stelle aus dem siebenten Kapitel (S. 158) wörtlich hierherzusetzen. „Dadurch, daß die befugten Religionsvorstände an den Anordnungen der Lehre Mosis nach Einsicht, Gewissen und gemeinsamer Uebereinstimmung Mancherlei erweitert haben, und jederzeit solche Einrichtungen treffen können, daß die Befolgung der heiligen Lehre mit den Anforderungen ihrer Zeit übereinstimmen könne, wird die Lehre Mosis zu jeder Zeit nur dann treulich befolgt, wenn man sich nach dem Ausspruch des übereinstimmenden Rcligionsvorstandes richtet." Dieses verglichen mit dem Seite 21 über diesen Gegenstand Gesagten scheint an jenen Satz der neuen Theologie anzustrcifen, nach welchem der Begriff Tradition auch dahin siektirt wird, daß in ihm das Um- und Fortbildungsprinzip involvirt sei. — Auch ist es uns angenehm ausgefallen, daß viele hebräische Ausdrücke, wie ,nvn mV^ ,t:^n 8?^^ no\N nmsn 1:2*73 ma nach der gegebenen bündigen Erklärung ausgenommen sind. Da das jetzt lebende Geschlecht sich in den profanen Lcbenssphären noch recht häufig hebräischer Ausdrücke bedient, so ist kein Grund vorhanden, warum religiöse und sittliche Begriffe mit dem bündigen und prägnanten hebräischen Ausdruck nicht gelehrt und einstudirt werden sollten. Auch mit lehrreichen, für den wissenschaftlich Gebildeten nicht werthlosen Noten ist das Buch hie und da versehen. Wenn wir nun Vieles in dem benannten Buche zu loben sittden, so wollen wir auch nicht verhehlen, daß wir zuweilen auf Leichtfertigkeit und Ungenauigkeit im Ausdrucke gestoßen sind. Seite 10 heißt es: „sehen kann ein gesunder Mensch mit den Augen," das kann aber auch ein kranker; es sollte heißen: sehen kann ein Mensch mit gesunden Augen. Seite 10 heißt es: „Wer nicht daran denkt, ob Gott zufrieden ist mit dem, was er thut oder nicht thut, der ist ein gottloser Mensch, er hat keine Religion und Gott wird ihn strafen." Aber wie viele Menschen denken nicht an Gott aus Zerstreutheit, aus jugendlichem Leichtsinn oder thun das Gute einzig und allein des Guten willen, sind diese alle gottlose Menschen? Der passende Ausdruck wäre: wem nichts daran liegt, wem es gleichgültig ist, ob Gott k. — Seite 05 heißt es bei der Reise Abrahams um seinen Sohn zu opfern, „und er mußte noch zu diesem Zwecke eine sehr beschwerliche Reise vornehmen, wo ihm verschiedenerlei Hindernisse begegnet sind." Herr Skreinka hat wahrscheinlich an die im Midrasch erzählten Jntriguen des Satans gedacht; allein derartige Ergänzungen aus Talmud und Midrasch sind im Unterrichte nur daun rathsam und zulässig, wenn

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