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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-11-30 · Heft 49 (30.11.1846) · p. Seite 721

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 49 (30.11.1846)
Date
1846-11-30
Page
Seite 721 (sequence 13)
Language
German
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721 gcns die Rivalität zwischen Lemberg und dem bildungsstolzen Brody auch ihre Rolle und die Gelegenheit war gar zu günstig darzuthun, daß cs mit den Bestrebungen der Hauptstadt doch Nichts auf sich habe. Ohne diese Beleidigung wäre schwerlich des würdigen Auspitz in einem öffentlichen Blatte ehrende Erwähnung geschehen, wie ein einseitiger und verkleinernder Nekrolog der einzige Nachruf gewesen, der dem verdienten Literaten Samson Bloch geworden. Literarische Nachrichten. Pelch, 9. November. Mein letztes Schreiben brachte die Notiz, daß die ungarische Literatur nun auch mit Eisenmeugeriana bereichert wurde, und versprach ich Ihnen bald Näheres darüber mitzulheilen. Aufrichtig gestanden, nach dem Aufhebens, das hier in jüdischen Kreisen und im „Ungar" von diesem Opus gemacht wurde, hoffte ich etwas Rechtes zu finden, und sah mich beim Turchlesen des Büchleins in dieser Erwartung arg getäuscht. Hoffte sagte ich, denn die Judenfrage ist in Ungarn noch so wenig bekannt, so wenig beleuchtet und besprochen, die Gründe für und wider noch so wenig erwogen worden, daß uns jede Schrift, die sich eine ausführlichere Besprechung dieser Lebensfrage zum Ziele setzt, nur angenehm sein kann; und sei dies auch in feindlichem Sinne, iffs nur mit ehrlichen Waffen, so scheuen wir den Kampf nicht, ja nehmen ihn freudig auf, weil einerseits dadurch das Interesse für den Gegenstand rege gemacht und die Indifferenz — diese Todfeindm alles Guten, Wahren und Zeitgemäßen — gebannt, andrerseits uns dadurch Gelegenheit geboten, ja zur heiligen Pflicht wird, den Gegenstand auch unsrerseits aufzunehmen und zu beleuchten, wobei es natürlich nicht fehlen kann, daß mit der Zeit doch die Wahrheit und Gerechtigkeit unsrer und der Menschheit Sache erkannt, daß nach wiederholten Angriffen der Borurtheilsfelsen erklimmt und die mittelalterlichgrausenhafte Burg des Judenhasses erstürmt und die alten Gespenster von den lichtausströmenden Strahlen des Zeitgeistes verscheucht werden.... Hörten wir nun noch, daß die Broschüre nicht von einem Winkelskriblcr, von einem Jndentaghineinschmierer, sondern von einem Fachgelehrten, von einem Professor, von einem Mitgliede mehrerer gelehrten und ungelehrten Gesellschaften rc. ausgeht, so glaubten wir jedenfalls wenn auch nicht auf Liberales und Zeitgemäßes (denn leider stecken die hiesigen Herren Professoren noch fast allesammt im mittelalterlichen Judenhaß, den sie ihren jüdischen Schülern oft genug fühlen lassen, und wird ein Jude nie erster Eminent, so wie auch Keiner derselben — und wäre er der talentbegabteste und wissenreichste Schüler — bei Austheilung der verschiedenartigen Stipendien bedacht wird!!), doch etwas Gründlichdummes, recht gelehrten Unsinn erwarten zu dürfen, und fanden nur Unsinn und Gemeinheit a 1a „Eckensteher" und „Kar renzieber". Das Opus betitelt sich: Rudnö es lelkesze. Meg meg yalami, löbbi közt: a’ mai magyar zsido. Közrebocsata Aränyi Lajos. (Rudno und sein Pfarrer. Und noch Etwas, unter Andern:: Oer heutige ungarische Jude. Mitgetheilt von Ludwig Aranyi. 1846.) Der Titel schon wird Ihnen zeigen, daß wir es mit einem Manne zu thun haben, der a lout prix „in Literatur machen" und die Welt mit einem Buche beglücken will. Herr Aranyi huldigt aber keineswegs der heutigen Autorenunsitte, wo man, um nur ein Buch zu füllen, von Dingen schwatzt, die mau gar nicht oder nur vom Hörensagen kennt — ei bei Leibe, wer wird so was von einem Professor und noch dazu von einem Professor der pathologischen Anatomie vermuthen, „nit e'mal denken" rufen wir in Herrn A's edler Sprache aus!... Herr A. hat seinem Gegenstände — dem ungarischen Juden — ein 15, sage fünfzehnjähriges Studium gewidmet, und zwar ein Studium voll der größten Beschwerlichkeiten und unsäglicher Aufopferungen. Wir wundern uns oft über die heutigen Mysterienschreiber, wie diese um ihren Stoff zu sammeln sich in die elendesten Spelunken, in die schaudererregendsten Schlupfwinkel der Verworfenheit und des Verbrechens wagen, aber was sind diese Wagnisse im Vergleich zu den Opfern, zu der Selbstverleugnung des Herrn A., bloß um der Menschheit seine nagelneuen Entdeckungen mittheilen zu können!!... Er war 15 Jahre hindurch Schmarotzer im weitesten Sinne des Wortes, 15 Jahre hindurch bewegte er sich stets in jüdischen Kreisen, ließ sich jederzeit zu gutbesetzten jüdischen Tafeln laden oder lud sich im Unterlassungsfälle selbst ein, natürlich im Interesse der Menschheit! pflegte mit reichen jüdischen Studierenden den vertrauteflen Umgang, borgle von Juden Geld, unterhielt sich mit jüdischen Mädchen rc. rc., natürlich im Interesse der Menschheit! Und er hatte sich durch dieses 15jährige Studium so mit den Juden identtfizirt, ihre Gewohnheiten, Sprache und Sitten so unverkennbar angenommen, daß seine Kollegen ihn Advocalus Judaeorum nannten, die Juden ihm aber nicht glauben wollten, daß er Christ sei, weil ein Christ unmöglich so jüdisch

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