Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 49 (30.11.1846)
- Date
- 1846-11-30
- Page
- Seite 720 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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720 gierung zur Verbesserung der gesetzlichen Verhältnisse derselben gethan. Und wenn auch das bald nach seinem Amtantritte hohen Orts vorgelegte wohlbegründete und empfohlene Bittgesuch um Aushebung der Zündlichtsteuer (das Gegenvorstellungen von der Stillstandspartei hervorrief!) unberücksichtigt geblieben; so ist doch die beste Hoffnung vorhanden, daß die im versioffenen Frühling aus Anlaß der von den Juden bewiesenen besondern Treue und Anhänglichkeit und der bevorstehenden neuen Organisation der Landesverhältnisse Sr. Maj. allerunterthänigst überreichten Vorstellungen über die Lage der Juden Galiziens und Bitten um Erweiterung ihrer Rechtssphäre nicht fruchtlos bleiben werden. Das wäre anderswo längst ausposaunt und mit den verschiedensten Amplifikationen und Ausschmückungen zur Erbauung des großen Publikums in die Welt gesandt worden. Hierzulande ist man hübsch stille geblieben, was wir auch ganz in der Ordnung finden. Wer in solcher Weise Gutes thut, soll durch die That, durch sein eigenes Streben sich gehoben fühlen und der Beifall tönenden Glocke nicht bedürfen. Der Tadel hingegen ist heilsam, und soll auf den rechten Weg bringen. Desto nvthigcr ist es aber dann, daß man mit dem Tadel behutsam sei und genau erwäge, wo und wenn man ihn zu erthcilen habe. — Wenn aber ein Fehler — denn es soll keineswegs geläugnet werden, daß ein solcher, und zwar ein unverzeihlicher, bei der Beerdigung deS sel. Markus Auspitz gemacht worden — mit Schadenfreude ausgegriffen und ohne weitere Untersuchung denjenigen zur Last gelegt wird, die sich bisher vorthcilhaft ausgezeichnet und von denen das gerade Gegentheil zu vermuthen wäre, so ist dies mehr als Leichtsinn, so ist dies die Gemeinheit, die alles Hervorragende zu sich herabziehen und besudeln muß. Das Sachverhältniß ist genau folgendes. — Markus Auspitz, ein ausgezeichneter Sprachenkenner, Stylist und Komtorist, dabei ein warmer Freund und eifriger Vertheidiger seiner Glaubensgenossen, für die er oft (doch anonym) in die Schranken getreten war, in Brody, wo er von Jugend auf ein treuer und nicht ohne Grund hochgeschätzter Diener des Nierenstein'schen Hauses gewesen war, ein Träger und Förderer der Bildung und als solcher allgemein geachtet und geliebt. Hier hingegen, wo er nur die letzten Jahre vor seinem Tode in stiller Zurückgezogenheit lebte, war er nur Wenigen bekannt, und sein Hinscheiden daher keineswegs ein öffentliches Ereigniß. Wir können versichern, daß Herr Kohn nie mit ihm zusammengckommen und von seinen trefflichen Eigenschaften und Verdiensten erst nach seiner Beerdigung gehört hat, und in einer Gemeinde, wo jährlich nahe an 900 Sterbefälle Vorkommen, kann ein so vielbeschäftigter Mann, wie Herr Kohn, wol nicht eine gewöhnliche Leiche begleiten. Einige Vorsteher waren abwesend und die hier waren, wußten entweder Nichts von diesem Sterbefalle, oder doch nicht was auf dem Gottesacker vorging, wie ihr nachheriges Benehmen hinlänglich beweist. — Die Bestattung der Leichen steht aber hier unter der Spitalverwaltung, die auch davon einen Theil ihres Einkommens bezieht. Beim Todesfall jedes nur einigermaßen Begüterten wird für das Spital reichlich gespendet, besonders wird von Fremden für einen Ehrenplatz auf dem Orte ivtdr sin aus bnn ■ptsp ein Namhaftes gefordert. So herrscht hierzulande auch in anderen Gebieten der Grundsatz: rrpnun b» zsiQ freilich ns ims -,diq 'in IIL1Q “iqn'U! und dann heißt es eine freiwillige Gabe! Der Spitalverwaltcr, ein simpler orthodoxer und redlicher Mann, der uneigennützig seine Zeit der Anstalt widmet, forderte von Herrn Nierenstein für dieselbe eine Gabe; aber dieser wollte sich zu Nichts verstehen. Um dieses Benehmen ganz zu würdigen, muß man aber wissen, daß der sel. Auspitz im Niercnstcinschen Hause keinen Lohn außer seinem Bedarf genommen, und daß dieses Haus ihm zum Theil seinen Flor verdankte. Statt sich zu einer Spende zu verstehen, behauptete man, der Verstorbene habe gesagt, jeder Platz sei ihm gleich, man möge ihn auf den Schindanger begraben. (Dies hat der Verwalter zu Protokoll gegeben.) Darüber entrüstet ließ er ihm einen Platz, der freilich nach seinen Begriffen ein Schandplatz sein sollte. Dies erregte Entsetzen unter den Gebildeten hier wie anderswo und der Vorstand ließ dem Spitalverwalter darüber einen scharfen Verweis zustellen. Als der durch seinen Eifer im Sammeln für die wohlthätigen Anstalten rühmlich bekannte Polizeiaufseher H. Zipper von der Badereise zurückkam und dies erfuhr, rief er aus, man müsse ihn neben Auspitz begraben, er wolle sich dort einen Platz kaufen. Endlich hat Herr Kohn am Versöhnungstage im Tempel bei nDiiüi rvnQ'üi seiner ehrenvoll gedacht und für ihn —und sonst für Niemanden — ein öffentliches Gebet verrichtet. — Bei den öffentlichen Sudeleien spielte übri-