Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 49 (30.11.1846)
- Date
- 1846-11-30
- Page
- Seite 718 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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718 „ob die jüdischen Stadtverordneten in dem vorliegenden Falle stimmberechtigt seiend obgleich bereits in der Sitzung am 26. Oktober zu Gunsten derselben entschieden — nochmals unterworfen, weil höhern Orts, wie auch bereits berichtet, dieselbe mit Bezugnahme auf das Gesetz vom 27. Marz 1824 §.5 und 12 verneint worden war. Obgleich von einem Mitglied des Kollegiums die Versammlung davon in Kenntniß gesetzt wurde, daß in einem andern konkreten Falle bereits eine höhere Entscheidung zum Nachtheile der jüdischen Stadtverordneten erfolgt sei, so glaubte dieselbe doch auf ihrer Ansicht, daß nämlich die jüdischen Stadtverordneten im vorliegenden Falle stimmberechtigt seien, beharren zu müssen, weil in dem Gesetz vom 1. Juni 1833 das Judenwesen betreffend — tz. 20 a, b, c, d — den jüdischen Bürgern gleiche Rechte mit den christlichen zugestanden, und alle früheren gegentheiligen Beschränkungen derselben ausdrücklich aufgehoben werden, also auch die im Gesetz vom 27. Marz 1824 §. 5 und 12 bezeichnten; überdies in der Häuften hierher bezüglichen V rordnung vom 22. Juni 1842, durch welche die Rechte der jüdischen Bürger neuerdings beschrankt werden, von einer Entziehung des Stimmrechts bei den Deputirtenwaylen nirgend die Rede ist. So har also die Kommunalbehörde den Juden faktisch die Rechte der christlichen Bürger eingeräumt, und es steht nur zu erwarten, ob höhern Orts die vorgenommene Wahl bestätigt werden oder die Ausschließung der Juden von der Wahl festgehalten und demnach eine dritte Wahl verlangt werden wird. Oesterreich. Lemberg, 0. November. (Prioatmitth.) (Den folg. Artikel haben wir mit Vergnügen ausgenommen. Der im Anfang und gegen Ende den jüdischen Blattern gemachte Vorwurf kann die X Z. d. Jud. nicht treffen, indem diese sowol von Zeit zu Zeit das Gute anerkennende Berichte aus Galizien gegeben, als auch in dem unangenehmen Vorfall mit der Beerdigung des sel. Herrn Auspitz gänzlich geschwiegen, da wir zwar Schmähartlkel in dieser Angelegenheit genugsam erhielten, sie aber, weil wir die Sachlage nicht genügend zu beurtheilen vermochten, die Sache selbst aber doch nur von sekundärem Belang erschien, bei Seite legten. Man sehe die Redaktionsbemerkung in No. 38. Herrn Di*. M. B's Zusendung aus Lg. betreffend. Redakt.^j Von den zahlreichen Juden Galiziens verliert sich so selten ein Wort in die öffentlichen Blätter und ist dies der Fall, so kommt sicherlich — eine Schmähung, ein Skandal zum Vorschein. Jüngstens bot die unehrenhafte Bestattung des wackern Auspitz dazu die erwünschte Gelegenheit. Das ist wol der schlagendste Beweis für den tiefen Standpunkt, den wir— oder besser unsere deutschen und hebräischen Federhelden einnehmen. Sollte es denn gar nichts Gutes von uns zu berichten geben? Sollte man namentlich hier, wo doch bedeutende Schritte geschehen sind, um der überall vorausgeeilten Zeit nachzukommen, mit einem Male stehen geblieben sein oder gar plötzlich Rückschritte gemacht haben? Das dürfte wol nicht anzunehmen sein; es will mich vielmehr bedünken, daß in den letzten zwei Jahren, seitdem die Fama von Lemberg schweigt, so Manches geschehen, das der belobenden Erwähnung werth gewesen wäre. Aber da rührt sich kein Mund und keine Hand, es gilt ja Gutes bei Anderen anzuerkennen. Anfangs 1845 wurde die deutsch-israelitische Hauptschule eröffnet, die Lehrer waren noch nicht von der h. Landesstelle bestätigt und die Wenigsten hier anwesend. Dennoch wurde mit dem Unterrichte begonnen. Es waren aber so viele Kinder für die unterste Klaffe gemeldet worden, daß unmöglich Alle untergebracht werden konnten. Herr Koh n behielt also bloß diejenigen, die das achte Jahr zurückgelegt hatten (an 200) und die mußten in drei Monaten so weit gebracht werden, daß sie vorrücken und den jüngeren Platz machen konnten. Am Meisten arbeitete dabei der Lehrer Herr S. Schlesinger, früher im Waisenhause angestellt. Im Sommer darauf wurden schon an 500 Kinder beiderlei Geschlechts in 6 Abtheilungen unterrichtet, während der Schulplan ursprünglich nur auf 4 berechnet war. Die erste öffentliche Prüfung zu Ende September erregte allgemeines Aufsehn und Staunen. Ich nächsten Schuljahre 1845/e wurden schon nahe an 600 Schüler und Schülerinnen in 7 Abtheilungen unterrichtet, und jetzt beim Beginn des Schuljahres 1846/< zahlt die Anstalt über 750 Zöglinge in 8 Abtheilungen, 4 Knaben-und 4 Mädchenklaffen, und noch mußten wegen Ueberfüllung der unteren Klassen Viele zurückgewiesen werden. Einen erhebenden Anblick gewährte es, als sie am 21. v. M. mit ihren Lehrern von der Schule in den neuen