Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 49 (30.11.1846)
- Date
- 1846-11-30
- Page
- Seite 717 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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717 Absichten gegen dieses das Wohl vieler Juden begründende Unternehmen verrathen und unter der Maske der Freisinnigkeit der guten Sache Schwierigkeiten angedichtet, die nur dazu geneigt sind die Theilnahme aller strenggläubigen Israeliten dieser neuen Lebensthätigkeit abzuwenden. In diesem unedeln Streben hat derselbe gleichzeitig, wie gewöhnlich ein Unrecht das andere nothwendig nach sich zieht, sich der unverzeihlichsten Lüge, die Verkleinerung der Absichten und Erfolge des Kolonisationsvereins bezweckend, erlaubt, und es dürste in diesem pielgclesenen Blatte der geeignete Ort sein, jenen grundlosen Phrasen mit Offenheit und aufrichtiger Wahrheit zu begegnen. Um nicht erst die Worte des beregten Artikels nochmals anführen zu muffen, bitten wir die geehrten Leser, denselben mit unsrer kurzgcfaßten Berichtigung zu vergleichen, um das wahre Sachverhältniß ermessen zu können. 1) Es sist dieses Projekt durchaus im Interesse der armen Israeliten unternommen, wie der allgemein verbreitete „Aufruf" ausdrücklich sagt und wie es im ersten §. der Statuten mit den Worten „den gering begüterten oder unbemittelten Juden Gelegenheit zu geben aus den mit dem Trödel und Kleinhandel verbundenen Nahrungssorgen herauszutreten" klar und deutlich ausgesprochen ist. 2) Die Zahl der Angemeldeten ist von dem Korrespondenten übertrieben hoch angegeben und auch nicht Einer ist mit einem Vermögen von 1500 Thlrn. eingetragen, was den schlagendsten Beweis liefert, daß alle Behauptungen desselben rein aus der Lust gegriffen sind. 3) Die Regierung hat über die Zeit des Haltens christlicher Dienstboten gar Nichts zu bemerken gehabt; das Verwaltungskomitv hatte noch vor Einreichung der Statuten die Bestimmung getroffen, in gewissen Fällen das Halten christlicher Gesinder aus längere Zeit zu gestatten. 4) Den §., welcher die Beschränkung der einstigen Veräußerung der Güter an Christen bespricht, hat die Regierung nicht verworfen, sondern den Verwaltungsrath ersucht, in Erwägung zu ziehen, ob es nicht dem Interesse des Vereins entsprechen dürfte, diese Bestimmung abzuändern, da durch die Beschränkung des weitern Verkehrs der Thätigkeit der Kolonisten ein wirksamer Hebel entzogen wird. 5) Die treffenden Fragen in Bezug auf Sabbate und Festtage haben gewiß nur ihren Ursprung in dem Kopse des aufgeklärt sein wollenden Korrespondenten; cs konnten solche bei der Generalversammlung gar nicht Vorkommen, da der Oberrabbiner Herr Eger, der Urheber dieses großartigen Unternehmens, beim Beginne desselben schon an Se. Maj. den König die Bitte stellte, den ackerbautreibenden Israeliten das Arbeiten auf dem Felde an nichtjüdischen Feiertagen zu gestatten, was den Mitgliedern der Versammlung schon mehrere Mal gesagt worden war. Es wären auch unter dem Vorsitze des Herrn Oberrabbiners, dessen Denkweise allgemein als eine strenggläubige bekannt ist, solche Fragen ohne gründliche Lösung und allseitige Erörterung nicht vorübergegangen, auch ist es nicht denkbar, daß ein Mitglied des Komito, er befinde sich für seine Person auf welchem Standpunkte er wolle, im Namen einer Gemeinde eine so kühne, absprechende Sprache gegen die wichtigsten religiösen Institute, wie Sabbate und Festtage führen würde, da der Standpunkt der Gemeinden, wie bekannt, ein ganz anderer ist. 6) Der Nachtheil, welcher sich bei einer Landwirthschast in pekuniärer Hinsicht durch den biab ->rv8 herausstellt, gehört unter die Kategorie anderer, die durch das jüdische Leben überhaupt entstehen und größere Ausgaben verursachen (wie z. B. Fleisch ii. dgl.), welche aber, da der Herr Oberrabbiner, eben dieser Beschränkungen halber, für die jüdischen Kolonisten mehr Acker und sonstige Vortheile beanspruchte, genügenden Ersatz finden. Möge dieses die Hebung eines großen Theilcs israelitischer Glaubensgenossen bezweckende Unternehmen recht viele Beförderer finden und seiner Rcalisirung schnell entgegengehen! A. A. Posen, 13. November. (Nach der D. A. Z.) Auf gestern Nachmittag war der Termin zur Abhaltung der subsidiarischen Lan d tag sdcp utirl en wa hl angesetzt, und dieselbe hat auch, wie das nicht anders zu erwarten stand, in der That statkgehabt. Aus der öffentlichen Zeitung erfahren wir heule, daß von den 24 Stadtverordneten sich 20, mit Einschluß eines jüdischen, die übrigen waren ausgeblieben, wirklich eingefunden hatten, und daß von einer Ablehnung der Wahl überhaupt nicht die Rede gewesen ist. Einer gründlichen Erörterung wurde die zweite Vorfrage: 49*