Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 49 (30.11.1846)
- Date
- 1846-11-30
- Page
- Seite 715 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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715 einen gediegenen Religionsunterricht empfangen würde. — Zn dem benachbarten Mühlhausen, einer wirklich gebildeten Gemeinde, ist vor wenigen Zähren eine neue Synagoge gebaut, und sind schon vielfältige Verbesserungen dort eingeführt worden. Ueberhaupt zeigt man sich dort für alles Gute recht empfänglich. Der Herr Dr. Cohn wirkt als Prediger wie als Schulmann in Verbindung mit dem kcnntnißreichen Vorsänger, Herrn Freystadt, recht wacker, und die Liebe seiner Gemeinde erleichtert ihm seinen schweren Beruf. — Die kleine Gemeinde Heiligenstadt ist wegen ihrer Mildthätigkeit und ihres religiösen Sinnes bekannt; doch hört man in der dortigen Synagoge noch kein lebendiges Wort der Belehrung. Es würde ihrem Religionslehrer, Herrn Levi, wol nicht schwer fallen, diesem Uebel nach Kräften zu steuern. — In Bleicherode, wo schon vor Zähren Herr Schwarzauer viel zur Hebung und Veredelung des religiösen Sinnes beigetragen und sich besonders um die Bildung junger Leute überaus verdient gemacht hat, — der Rabbiner Heidenheim ist sein Schüler,— geschieht in dieser Beziehung des Guten schon mehr; der dasige Geistliche, Herr Pincus, spricht gediegen und herzlich. Auch ist dort zu unsrer Freude der gestörte Friede wieder hergestellt. — Das benachbarte Ellrich, eine der ältesten und frömmsten Gemeinden unsrer Gegend, wo ehemals eine rabbinische Zelebrität, R. Hirsch, lebte, entbehrt leider ebenfalls noch des geistlichen Redners. Auch das weibliche Geschlecht und die Jugend müssen bedacht werden. Man könnte sich ja leicht an das nur zwei Stunden entfernte Nord hausen anschließen, wo schon seit einem Jahrzehend der biedre Prediger Cohn edeln Samen ausstreut, wovon die guten Früchte nicht ausgeblieben. Die ziemlich zahlreiche Gemeinde hat vor einem Jahre einen herrlichen Tempel erbaut, wo schon manche zeitgemäße Reform Eingang gefunden. Wie wir hören bereitet sich Herr Cohn zu einem Rabbinerexamen vor; wir wünschen dem strebsamen Manne dazu den besten Erfolg. — Sondershausen ist gewissermaßen den umliegenden Gemeinden mit gutem Beispiele vorangegangen. Seit länger als einem Fünftel-Jahrhundert wird dort das Wort Gottes in deutscher Sprache gelehrt; es sah schon mehrmals seinen hochherzigen Fürsten und die höchsten Beamten in seinem Tempel. Der gegenwärtige Rabbiner Heidenheim hatte bereits einen tüchtigen Vorgänger in der Person des Herrn Predigers Wolssohn, Sohn des seligen Wolf in Dessau, des ersten jüdischen Redners in deutscher Sprache. Der Rabbiner Heidenheim fährt fort, kräftig unterstützt durch die dortigen Behörden, deren Humanität bekannt. Um einen kleinen Beweis zu geben, wie sehr er sich daselbst einer ungetheilten Anerkennung erfreut, erwähnen wir folgenden Umstand. Neulich sollten die gesammten Lehrer der dasigen Realschule gemeinschaftlich ein Gutachten bei der höchsten Schulbehörde in einer sehr wichtigen Angelegenheit abgeben, und die christlichen Lehrer wählten einstimmig ihren jüdischen Kollegen — er wirkt bekanntlich auch als erster Kollaborator an dieser Anstalt — als Abfasser desselben! — Die dortige Religionsschule ist noch durch eine Klasse erweitert worden und dazu der pflichtgetreue und tüchtige Lehrer und Vorsänger, Herr Goldschmidt, der auch den Gottesdienst durch fein herrliches Organ ungemein gehoben, mit angcstellt worden. Die Pensionsanstalt des Rabb. Heidenheim erfreut sich des besten Fortgangs und genießt das volle Vertrauen selbst fernwohnender Eltern. Man hatte daselbst an den verflossenen Feiertagen einen doppelten Genuß; denn nicht allein, daß der dortige Rabbiner seine Gemeinde vielfach und mit warmem Herzen erbaute, auch der Rabbinatskandidat Herr 2. Lazarus aus Filchne, z. Z. in Berlin, früher Schüler des svndershäuser Gymnasiums, wo er bereits allgemeine Hochachtung sich erworben, und der sowol in seinen talmudischen Kenntnissen, als auch in den übrigen Wissenschaften ganz ausgezeichnet ist, beglückte dieselbe durch zwei Kanzelvorträge, die ein glänzendes Zeugniß von der Gediegenheit dieses Mannes ablegten. Wir wünschen der Gemeinde im Voraus herzlich Glück, die ihn zum Seelenhirten sich erwählen wird. — Der Rabbiner Heidenheim ist nun auch vom Fürsten zu Rudolstadt für das dortige Fürstenthum anerkannt und von seinem Fürsten bestätigt worden. Es ist ihm auch bereits gelungen, von Ersterem für den wackern Lehrer Flersheim in Immenrode eine namhafte Unterstützung aus Staatsmitteln zu erlangen, was um so mehr einer Erwähnung verdient, als die Sellung der Israeliten im Fürstenthum Rudolstadt noch eine sehr gedrückte ist, und somit ist auch dort die Bahn zu einer erfreulichern Zukunft eröffnet. (Fortsetzung folgt.)