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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-11-30 · Heft 49 (30.11.1846) · p. Seite 714

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 49 (30.11.1846)
Date
1846-11-30
Page
Seite 714 (sequence 6)
Language
German
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714 Wir sehen, daß der Prophet theils eine größere, theilS eine kleinere Zahl Opferthiere, immer aber ein größeres Maß der SpeiSopfer verordnet, er aber hierdurch die fest geschlossene Kette des mosaisch-symbolischen Kultus durchbricht. Bei den Festen Mt es uns auf, daß er lediglich des Peßach- und Sukkotfestes, also nur der 7tägigen Feste erwähnt, hingegen das Schebuot, Jom Terua und Jom Kippur mit Stillschweigen übergeht. Bevor er aber das Peßach- und Sukkotfest bespricht 45, 21. sagt er Folgendes V. 18. ff.: „Also spricht der Herr, der Ewige: am ersten des ersten Mondes nimm einen jungen Stier ohne Fehl, und entsündige das Heiligthum. Und der Priester nehme vom Blute des Sündopfers, und thue an die Pfoste des Hauses und an die vier Ecken des Absatzes vom Altar, und die Thorpfoste des.inner« Hofes. Und also thue am siebenten des Mondes wegen derer, die aus Jrrthum oder durch Verlockung gesündigt, und sühnet das Haus. Am vierzehnten Tage des ersten Mondes soll euch das Peßach sein re." Die Frage ist hier nun, was ist dies für ein Fest, das am ersten und siebenten Tage des ersten Monats stattsinden soll (des Nissan, wie man aus V. 21. ersieht)? Alte und neue Erklärer antworten, das (einmalige) Einweihungsfest, welches 43, 15. ff. beschrieben worden. Hiergegen erheben sich aber vollberechtigte Zweifel. 1) Es ist hier nirgends gesagt, daß dieses Fest V. 18—20. nur einmal, nicht alljährlich, gefeiert werden soll, sondern vielmehr geht der Prophet V. 21. unmittelbar zu den jährlichen Festen über, ohne eine Bemerkung. 2) Das 43, 15. ff. beschriebene Einweihefest soll nicht am ersten und siebenten, sondern gleichmäßig an vollen sieben Tagen gefeiert werden. 3) Jenes soll nicht am ersten des ersten Monats, sondern irrn^n cvn am Tage, wo der Altar vollendet worden, ohne Zeitbestimmung gegiert werden. 4) Es ist dort nur vom Altar, hier von der Sühnung des Hauses die Rede, wie hier sogar an die Thürpfosten des inner» Hofes Blut gethan wird. 5) Es sind dort andere Opfer als hier verordnet. Durch diese Gründe werden wir zu der Ueberzeugung gedrängt, daß das hier vorgeschriebene Fest ein ganz andres, als das Einweihungsfest, und zwar ein jährliches, zur Sühne des Heiligt hum s siattfindendes, ist. Dies wird evident durch die Worte: crnsDi iira 2^8/2 rraiTT tn (V. 20 ), welche nimmermehr auf ein eben vollendetes Heiligthum und dessen Einweihung, sondern allein auf das während des vollendeten Jahres durch die Irrungen der Israeliten befleckte Heiligthum passen. Was folgt hieraus? daß der Prophet hiermit am ersten und siebenten des ersten Monats Feste zurSühnuug des Heiligthums statt der (nicht erwähnten) Jom Terua und Jom Kippur im mosaischen Gesetze instituirt. Warum der Prophet hierin vom mosaischen Gesetze abgewichen? Weil er das tltofafo sehe Neujahr feiern wollte. Nach Mvsche ist der erste Nissan Neujahr. Dieses ist bei Mosche durch keine Feier hervorgehoben. Der Wechsel des Jahres hatte keine Bedeutung in einer Zeit, wo wenig gezählt ward. JecheSkel fand wahrscheinlich die Feier des Neujahrs bei den babylonischen Völkern vor, und versetzte daher im Geiste der Zeit das Jom Terua- und Jom Kippurfest auf den Anfang des mosaischen Jahres. Die Folgerichtigkeit des Propheten erweiset das spätere Judenthum, welches, um nicht ein mosaisch nicht bestimmtes Fest zu feiern, den Anfang des Jahres wider das ausdrückliche mosaische Gesetz in den siebenten Monat verlegte! — (Schluß folg t.) Zeitungsnachrichten. Deutschland. Aus Thüringen, im November. (Privatmitth.) Falls es Ihnen erwünscht sein sollte, werde ich Ihnen von Zeit zu Zeit einige übersichtliche Berichte aus hiesiger Gegend zukommen lassen und mache damit heute den Anfang. Werfen wir zunächst unfern Blick aus die Hauptstadt Thüringens, Erfurt, den Sitz einer Regierung, wo der berühmte und verdienstvolle Dr. Unger lebt und wirkt, so müssen wir es um so schmerzlicher beklagen, daß gerade dort das Gotteshaus, das Sie einst mit begeisterten.und begeisternden Worten geweiht haben, noch immer verwaist dasteht und des geistlichen Redners gänzlich entbehrt, was selbst nicht ohne nachtheilige Einwirkung auf die Ansicht der hohen Behörden bleiben kann. Die dasige Gemeinde könnte diesem Mangel bei ihren Mitteln doch leicht abhelfen, — einige Opfer dürfen natürlich nicht gescheut werden, — sich wenigstens vorläufig an eine benachbarte Gemeinde anschließen, wo dies Bedürfniß langst befriedigt, wie dies ja auch bei den Deutsch-Katholiken häufig der Fall ist. Es wäre indeß höchst erwünscht, wenn dort künftig ein Rabbinat begründet und auch die Jugend

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