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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-11-30 · Heft 49 (30.11.1846) · p. Seite 711

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 49 (30.11.1846)
Date
1846-11-30
Page
Seite 711 (sequence 3)
Language
German
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711 reu, der edle Berthold Auerbach. Gewiß, wenige Leser dieser lieblichen und einfach großen brutschen VolkSbildec werden es auch nur für denkbar gehalten haben, daß diese Dorfgeschichten von einem Juden geschrieben seien. Und doch ist Berthold Auerbach ein Jude und zwar ein aus einer armen Dorfjudenfamilie stammender Jude. Geist, Scharfsinn und Witz hat man den Juden immer zugestehen müssen; hier habt ihr nun einen Juden, der als Repräsentant derjenigen Eigenschaft gelten kann, die man sonst für ein Urprivilegiuw der urdeutschen Ralur hält; hier habt ihr einen tief gemüthlichen Juden. Hier habt ihr einen Juden, der unser eigentliches deutsches Urvolk in feinem innersten Wesen belauscht und er, kannt hat, und dessen Herz das wärmste Mitgefühl für alle Freuden und Leiden dieses deutschen Volkes witempfindet. Und nun sage Jemand, daß dieser liebe Berthold Auerbach nicht deutsch sei!" „Wer selber echt deutsch ist, der muß die deutschen Juden als deutsche Mitbürger anerkennen, wer die Freiheit überhaupt will, der muß auch für die Freiheit der Juden wirken. Und ihre Befreiung hängt recht eigentlich von uns ab. Nicht nur die deutschen Kammern können für sie wirken, sondern jeder deutsche Mann, wenn er damit anfängt, sein angebornes Vorurtheil und seine persönliche Antipathie gegen die Juden abzulegen. Die deutschen Städte, in deren Weichbild kein Jude wohnen, oder sogar nur schlafen kann, die deutschen Zünfte, die keinen Juden aufuehmen, die deutschen Stadrekollegien, die den jüdischen Mitbürgern Sitz und Stimme verweigern, die deutschen gelehrten und geselligen Vereine, die durch Ausschließung der Juden beweisen, wir ungebildet und ungesellig sie sind, sie Alle und jeder einzelne Deutsche erweise den Juden Gerechtigkeit, und die Regierungen werden um so lieber Nachfolgen, je nothwendiger sie die Juden brauchen." Ueber die Reform vom prophetischen Standpunkt. Was in der Entwickelung der jüdisch-religiösen Zustände den Vorzug der jüngsten Gegenwart ausmacht, ist, daß sie sich nicht mehr begnügt, die Reform als ein Bedürfniß der Zeit, als eine Forderung der entwickelten Ku1turverhältnijse allein anzusehen: sondern daß sie sich bestrebt, die Berechtigung der Reform auch in und aus der Vergangenheit, in und aus der Geschichte de- Judenthums nachzuwetsen. Wir meinen hier allerdings nicht jenes, öfter prnnkhafte als wahre Versuchen, auS irgend einer abgerissenen Stelle des Talmud irgend eine einzelne Reform als berechtigt darzusteüen, die doch dem Geiste und Systeme der Talmudisten schnurstracks zuwiderläuft. Es kann dies bisweilen politisch sein, um die Gewissensunruhe Einzelner zu beschwichtigen, und einen Schritt in der Reform von einer Gemeinde zu erlangen, welche sich damit beschönigen will — aber wahr, im Geiste, nicht bloß im Buchstaben wahr, ist es selten. Wir meinen vielmehr jenes, viel tiefer liegende, und wahrhaft fördernde Bestreben, den ganzen Entwickelungsverlauf der Tradition zu erforschen und bioßzulegen, so daß sie klar in ihrem flüssigen Wesen erscheint, Lu ihrem Werden und Verlaufen, um das in seinem Ausgang starr Gewordene zu seinem flüssigen Zustande zurückzuführen, zu zeigen, hier, an dieser Stelle hat der Putsschlag des Lebens aufgehört, hier hat derselbe von Neuem zu beginnen, um in einem neuen organischen Prozeß eine lebendige Gestattung hervorzubringen. Judeß ist es heute nicht unsre Absicht, näher hierauf einzugehen, sondern nur zu der allgemeinen Aufgabe einen ergenthümlichen Beitrag zu geben. Wir gedenken nämlich noch in eine tiefere Zeit hirilurterzusteigen, als die Tradition, ich meine die schon zu fiixirter, selbstständiger Gestaltung gelangte Tradilion. Denn obwot die Tradition als lebendige Bearbeitung des schriftlichen Gesetzes allerdings mit diesem selbst entstanden ist, so sehen wir sie zu einem selbstständigen fixirten Element doch erst in der zweiten Hälfte des zweiten Tempelbestandes herangewachsen. Die Berechtigung der Reform findet aber ihren Anhaltspunkt schon in der prophetischen Zeit, bei den Propheten. Doch auch hier ist es nicht unsre heutige Absicht, das Allgemeine dieser Behauptung zu erweisen, sondern einen ganz speziellen und bestimmten Gegenstand herauszugreifen, wir meinen die letzten neun Kapitel des Zecheskel. Jedermann weiß, daß diese eine Vision über die Gestalt des zukünftigen Tempels, den Kultus in diesem und die Verfassung des ganzen Landes in der Zukunft, nach der Wiederherstellung Israels, enthalten. Es ist in neuerer Zeit öfter die Frage über die Echtheit dieses Stückes aufgeworfen worden. Wir haben eine sorgfältige Untersuchung hierüber angestellt, welche in der 33sten Lieferung des zweiten Bandes unsres BibelwerkeS dem Publikum übergeben wird. Wir verweisen hierauf. Das Resultat ist allerdings der Erweis der Echtheit,

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