Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 48 (23.11.1846)
- Date
- 1846-11-23
- Page
- Seite 705 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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705 gischen Figuren die Rede ist. Niemals kann aber dieser Gebrauch von 'n gemacht werden — weil eben das Wort 'n in seinem Begriffe schon aller heidnischen Anschauung widerspricht, das deutsche Wort Gott aber so weit in seiner Bezeichnung ist, daß es neben einer heidnischen Idee stehen kann. Wir haben dasselbe Vcrhältniß in der hebräischen Sprache mit dem Worte bee und welches auch von Götzen gebraucht wird, z. B. 2. Mos. 12, 12, was aber niemals mit 'n der Fall ist. Wir haben hiermit dem Worte 'n sein Recht vindiziren wollen; daß dies aber auf den Eid nicht influiren könne, da wir mit dem Worte Gott doch den rechten Begriff verbinden müssen, haben wir selbst gesagt. Redakt.) Aus Wefiphalcn, 6. November. (Eingesandt.) In No. 45 Ihrer geschätzten Zeitung lese ich soeben die Addreffe, welche die Mannheimer an den Präsidenten der dritten Rabbinerversammlung in Betreff der Abschaffung der zweiten Feiertage gerichtet haben. Weit entfernt, die Verdienste der erwähnten Synode schmälern zu wollen, können wir uns doch die Bemerkung nicht versagen, daß das, weshalb der Rabbinerversammlung jetzt Dank gesagt wird, in unserm Westphalen schon vor vierzehn Jahren durch unfern allverehrten, greisen Landrabbiner Friedländer in Brilon, in Gemeinschaft mit unserm rühmlichst bekannten, jeden Fortschritt großmüthig fördernden, Herrn Obervorsteher Hellwitz, in Soest weit konsequenter in's Leben geführt worden ist. Wir beziehen uns hierbei auf das Schriftchen des Herrn Landrabbinen „Schoresch Joseph" (hebr. und deutsch, 1837) und auf die in demselben enthaltene öffentliche Erklärung. Bekannt ist auch, daß überhaupt unser Landrabbiner der zeitgemäßen Reform eifrig zugethan, und so z. B. schon im Jahre 1835 mit mehreren namhaften Amtsbrüdern für Abschaffung der Trauergebräuche gestimmt hat. Warum die Rabbinerversammlung diese Bestrebungen unsers Nestors der neueren Rabbinen so gänzlich ignorirt, wissen wir uns nicht zu erklären. Sollte es aus Renküne gegen Herrn Hellwitz geschehen sein? Von Ihrer Unparteilichkeit, Herr Redakteur, darf ich wol den Abdruck dieser gerechten Rüge erwarten, wie Sie mir auch wol die Frage erlauben, warum die im vorigen Jahre bei Andreä in Frankfurt a. M. erschienene Broschüre „Herr Obervorsteher Hellwitz und die Rabbinerversammlung" in Ihrem Blatte noch keine Besprechung gefunden? Zu dem Ende füge ich Ihnen ein Exemplar bei. *) Berlin, 15. November. (Privatmitth.) Vor einigen Tagen gab die hiesige Vossische Zeitung den Juden ein schönes Zeugniß. Sie sprach von dem Neubau einiger hiesigen Kirchen, und beklagte den geringen Erfolg, den desfallsige Kollekten haben. Die mühsame Sammlung habe kaum 5000 Thlr. eingebracht, wohingegen in wenigen Tagen bei den Juden zum Neubau einer Synagoge 70,000 Thlr. zusammengekommen seien. Es ist dies nicht etwa ein einzeln stehendes Beispiel, sondern bewährt sich in den kleinsten Gemeinden, die, oft aus wenigen und wenig bemittelten Familien bestehend, sich die nettesten und räumlichsten Gotteshäuser erbauen, trotzdem sie die sämmtlichen Kosten ihrer Gemeindeinstitute allein zu tragen, und in der Regel von den Vorvordern nur — Schulden geerbt haben. Möge dieser rege Sinn, dieses volle Herz, diese offne Hand in Israel nie schwinden: denn wie sollte sonst auch die Gemeinde bestehen können?! Die gewöhnliche Antwort der Christen bei dergleichen Faktis ist: Ja, die Judengemeinde ist aber auch reich! Welche Unrichtigkeit! Die Judengemeinden sind in der Regel arm! Es giebt wol einzelne Reiche, sehr Reiche unter den Juden, aber die große Masse ist arm, und um so ärmer, als dem Juden ein Trieb, wohlhabender zu scheinen, als er *) Sicherlich versagt die Rabbinerversammlung dem Herrn LR. Friedländer ihre vollste Achtung und Anerkennung nicht, und muß sich freue», wenn ihre Ansichten mit den Seinigen zusaniwentreffen. Daß es aber „ignorircn" heiße, wenn in einer Diskussion einNamenicht genannt wird, in einer Diskussion, wo Jedweder nur seine Ansicht ausspricht, wüßten wir wahrlich nicht. Fernere wir könne» nicht alle Schriften in diesen Blättern besprechen; die gedachte Schrift ist, bei aller Anerkennung der Verdienste Hellwitzens, doch zu sehr Panegyrikus, und schadet durch zu vielen Weihrauch. An sehr großen Widersprüchen fehlt cs auch nicht, denn es wird immerfort gegen Hierarchie gesprochen, und doch steht S. 15 als ein Vorschlag: „4) die Gemeinden müssen ihrem Vorgesetzten Rabbiner in religiöse» Angelegenheiten unbedingt unterworfen sein" — ein Vorschlag, den kein erleuchteter Rabbiner billigen wird. Wir lassen uns nicht gern in Persönlichkeiten ein. Redakt.