Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 48 (23.11.1846)
- Date
- 1846-11-23
- Page
- Seite 700 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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700 beträgt wol so viele Tausende, wie diese Beisteuer Hunderte — sondern um des Prinzipes willen, daß der Staat die Kultus- und Schulinstitute der jüdische» Staatsmitglieder verhältnißmäßig zu unterstützen verpflichtet sei. Redakt.) Meisenheim (Landgraf. Homburg), 11. November. Durch Verordnung der landgräflichcn Regierung ist auf eine einfache Petition der Juden, nachdem von den betreffenden Gerichten die günstigsten Zeugnisse eingelaufen, das Napoleonische Dekret vom Jahre 1808, die Schuldforderungen der Juden betreffend, vom 9. Oktober d. I. an für Inländer außer Wirksamkeit gesetzt worden. Preußen. Aus Westphalen, 15. November. Die Barmer Zeitung schreibt aus Münster: „Die gelehrtesten Juden der Provinz, Geistliche und Laien, sind gegenwärtig hier versammelt, um unter dem Staatsminister Flottwell über eine zeitgemäße Reform des jüdischen Kultus zu berathen. Alle sind erstaunt über die Kenntnisse, welche dieser hohe Staatsmann hinsichtlich des jüdischen Ritus besitzt. Wie man hört, sind in allen Provinzen dergleichen Konferenzen ausgeschrieben, so daß mit der Reform des jüdischen Gottesdienstes endlich Ernst gemacht zu werden scheint." — (Daß dies nichts Anders als die in allen Provinzen startgefundenen Konferenzen der Herren Oberpräsidenten mit den bedeutenderen Juden über den gedruckten Entwurf eines neuen jüdischen Gemeinde-, Kulms- und Schulgesetzes, ist klar, daß aber diese Konferenz in Westphalen jetzt erst stattfindet, beweist die Richtigkeit der Privatmittheilung aus Berlin in vor. No., daß wir auf Emission des Gesetzes noch eine längere Zeit zu warten haben. Redakt.) Königsberg, 9. November. Die hiesige, bekanntlich sehr kirchliche „Zeitung für Preußen" schreibt Folgendes: Ein polnischer Judenknabe, bei einem hiesigen Bürger in der Lehre, erklärte dieser Tage, sich taufen lassen zu wollen. Mittlerweile traf aber seine Mutter ein und reklamirte ihr Kind. Man hat ihr die Auslieferung verweigert und sie mußte sich an die Behörden wenden. Die Entscheidung tst noch nicht erfolgt. „Diese traurigen Richtungen im Ehristenthum haben ihre Wurzeln in England; die Gesellschaft zur Bekehrung der'Juden zum Christenthum hat auch hier ihre Agenten, welche durch reichliche Spenden Diesen und Jenen verlocken, sich taufen zu lassen. Davon kann dem Christenthüm kein Heil erwachsen, und die Behörden würden sich gerechten Dank erwerben, wenn sie auf das Treiben dieser Judenbekehrer, unter denen sich mehre alte Jungfern als wahre Fanatiker zeigen, ein fortdauernd wachsames Auge richteten." — (Wie weit muß es gekommen sein, wenn die kirchliche Z. f. Pr. schon so schreibt! Wie.offenbar, wie schrecklich müssen die Falle sein, die zu solchen Bemerkungen veranlassen! Wann wird dieser Seelenhandel im Intelligenz- und Rechtsstaate Preußen aufhören! Wir verweisen auf den Art. aus „Bordeaux" in vor. No. Warum ahmen die christlichen- Pfarrer das Beispiel des jüdischen Rabbi nicht nach, der acht Monate der ängstlichsten Prüfung aller Motive vorübergehen ließ, bevor er dem Proselyten die Ausnahme in die jüdische Religion gestattete! Redakt.) Breslau, 8. November. (Privatmitth.) Die glücklichen Erfolge, die die von Geiger hier in's Leben gerufene, und durch ihn vorzüglich unterstützte Religionsschule bisher erlangt, ihre segensreiche Einwirkung, die sich von den Kindern auch auf die Eltern überlenkte; das theilnehmende Gefühl, das sie in manchem für unfern Glauben schon ganz abgegestorbnen Herzen auf's Neue wieder belebte, haben dm aus ihrer Sicherheit durch Nichts zu erschütternden frommen Stillstandsmännern dennoch die Ueberzeugung abgedrungen, daß ein solches Institut, wenn es durch liebende Sorgfalt gepflegt, die Pflanzstätte für echte, wahre Religiosität werden kann, daß es allein die mit Muth und Ausvauer gerüsteten Kampfer für die heiligsten Interessen unsres Glaubens zu erziehen im Stande ist. Bon dieser Ueberzeugung geleitet, unternahm es Herr Gedalje Tiktin in der hiesigen orthodoxen Gemeinde am rh und rsmiün mia auf die Nothwendigkeit eines solchen Instituts einzugehen, und nachdem derselbe mit unwiderlegbaren Gründen dargethan zu haben glaubte, daß die Religion in ihrer jetzigen Gestalt nicht mehr so ganz mit dem Bewußtsein der Gegenwart übereinstimme, rief er in Begeisterung aus, jetzt sei es an der Zeit, auch für den Geist in uns zu wirken, und darum müsse man