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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-11-23 · Heft 48 (23.11.1846) · p. Seite 698

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 48 (23.11.1846)
Date
1846-11-23
Page
Seite 698 (sequence 6)
Language
German
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698 Würde umgeben gesehen; ich habe noch an keinem andern Orte mit mehr Gluth und Andacht beten sehen; endlich bei Ihnen ist die Schranke gefallen, welche anderswo noch das alte und neue Geschlecht trennt. Alle eilen voll Glückes in das Gotteshaus, das aus seiner alten Erniedrigung sich erhoben hat. Eine überzeugende und intelligente Predigt, ein ernster und feierlicher Gesang, mit seltnem Talent ausgeführt, die magischen Akkorde eines Instruments, das allen Religionen angehört (der Orgel), zeigen unfern alten Glauben unter einem ehrwürdigern Gesichtspunkt, ohne ihm seine Einfachheit zu nehmen, und entwickeln in den Herzen vorher ungekannte Bewegungen." „Die erleuchtete Verwaltung, der Sie mit so vielem Eifer Vorsitzen, muß stolz sein, solche Resultate erlangt zu haben, und ich ersuche Sie, ihr meine aufrichtigen Glückwünsche darzubringen. Ich bitte Sie auch, Ihrem ehrw. Großrabbinen die lebhafte Sympathie auszudrückcn, welche er in mir erzeugt und die er seit langer Zeit beim Zentralkonsistorium gefunden hat. Fahren Sie fort, meine Herren, auf dem Wege zu gehen, wo Sie schon so viele Erfolge erlangt haben. Der Geist, der Sie belebt, ist der des Zentralkonsistoriums; die Fortschritte, welche Sie zum Theil verwirklicht haben, sind die, welche es wünscht, welche es mit all seiner Macht hervorruft, und welche zu verfolgen Nichts in der Welt es verhindern wird. Empfangen Sie k. rc." —. Die Inkonsequenz ist oft auch auf Seiten der konsequent sein wollenden Orthodoxen. Herr Dr. Adler hat eine reiche Erbin aus der Burtonstreetgemeinde selbst getraut, während er eine arme Anhängerin dieser Gemeinde zur Abschwörung zwang. Herr Großrabbine Ennery zu Paris hat sich vor zwei Jahren mit aller Kraft der Einführung der Orgel bei der Konfirmation widersctzt, aber bei der in diesen Tagen staltgefundenen Trauung seiner Tochter hat er die Orgel spielen lassen, wie bieArch. israel. berichten. —. Die französische Regierung hat einen Israeliten, Herrn G. Nunös, auf Saint Thomas zum französischen Konsul ernannt, und die dänische ihm das Erequalur ertheilt. Deutschland. Schwerin, 12. November. Nach einer soeben erschienenen großherzoglichen Verordnung wird von Johannis 1847 an, die jährliche Schuhgeldzahlung, welche die Juden im Großherzogthum bisher zu zahlen hatten, aufgehoben. In einem andern Erlasse des Großherzogs an den Vorstand der hiesigen israelitischen Gemeinde wird zu erkennen gegeben, daß unser Landesherr auch fernerhin auf die Verbesserung der jüdischen Glaubensgenossen bedacht sein werde, und zu diesem Ende die Mitwirkung der Landstände in Anspruch nehmen werde. Aus Buden, 10. November. Wie kleinlich in Deutschland Alles gefaßt wird! In Baden triumphiren die Deutsch-Katholiken, daß sie unter dem Namen „Dissidenten" in den Formularen der Volkszählung zum ersten Male, und zwar-vor den Juden genannt sind. Aus Schleswig-Holstein, 11. November. (Privatmitth.) Die neuesten Ereignisse haben die Blicke von ganz Europa auf unser Ländchen gezogen: es ist der Boden geworden für viele staatsrechtliche Fragen — aber auch für die Frage: was das Bewußtsein eines Volkes neben vergilbten Pergamenten für Werth und Recht habe? Sehr leicht wird hier die Aufmerksamkeit des Juden, der in unsrer Zeit dem allgemeinen Leben sicherlich nicht fern steht, auf die Verhältnisse der Juden in diesem Lande gewandt. Man srägt sich, wie hat dieses Volk seine jetzt vbschwebende Frage in seinem eignen Schooße beantwortet? Wie hat es dem Bewußtsein des Juden neben den vergilbten Pergamenten mittelalterlicher Beschränkung und Ausschließung einen Werth und ein Recht beigelegt? — Schade, Jammerschade, daß wir hier nicht ausrufen können: Du hast dir, schleswig-stolsteinisches Volk, ein Recht mehr erworben, durch das Recht, welches du unterdrückten Menschen in deiner Mitte angedeihen ließest! Schade, Jammerschade, daß wir hier zu der, immer betrübenden Bemerkung veranlaßt sind: heute Den, morgen Jenen! Wer den traurigen, ja den unendlich traurigen Zustand der Juden in Holstein zu beobachten Gelegenheit hat, wer da weiß, daß die Stände dieses Landes jeden Versuch der dänischen Regierung,

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