Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 48 (23.11.1846)
- Date
- 1846-11-23
- Page
- Seite 697 (sequence 5)
- Language
- German
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697 Charakter unsrer Zeit, und namentlich der Zukunft scharf Ln's Auge. Ihr ist und wird immermehr nur das heilig, was aus innerster Ueberzeugung quillt, und was ihr eine Ueberzeugung enthält. Jedes vorgeschriebene Formenwesen, Ln welchem sie nur Form erblickt, weiset sie von sich. Man wird fragen, ja, wohin soll das führen, und kann dies nicht führend Getrost; allerdings führt dieser Charakter auch seine Verirrung mit sich. Aber aus den Extremen entwickelt sich ja immer zuletzt das allein Wahre. Es sind uns durch die Offenbarung Grundlinien auch der religiösen Form gegeben, die nicht überschritten werden dürfen, weil sie das religiöse Wesen enthalten. Zu diesen wird die Zeit immer wieder zurückkehren, das Andere allerdings antiquirend. Zu diesen Grundlinien gehört: „du sollst den Ruhetag heiligen, und au ihm keine Arbeit verrichten". Weiter sagt sie nichts, und das ist genügend. Zeitungsnachrichten. Asien. Smyrna, 18. September. (I'lmpilrt. de8m)'rne.) Die jüdische Bevölkerung unsrer Stadt ist von Neuem in große Aufregung gebracht; die alten Streitigkeiten zwischen den Reichen und Armen wegen einer Ungeheuern Auflage auf das Fleisch, die den Armen den Ankauf desselben fast unmöglich macht, haben sich erneuert. Die Armen haben sich daher einen neuen Rabbinen gewählt, welchen der alte Titulärrabbi mit allen seinen Anhängern in den Bann gethan hat. Die Gemeinde hat ihrerseits zwei Personen von der Volkspartei in's Gefangniß werfen lassen, nachdem sie eine ziemliche Bastonnade erhalten, und ließ sie nicht eher los, als bis sie sich schriftlich verpflichtet hatten, sich nicht mehr in diese Angelegenheit zu mischen. Dieser Zustand hat die Aufmerksamkeit der Regierung auf sich gezogen. Die Armen unter den Juden nähren sich mit den ungesundesten Nahrungsmitteln, und es ist betrübend zu sehen, wie ihre Oberhäupter so verfahren, um sie durch ein Uebermaß der Steuer dessen zu berauben, was eines der ersten Bedürfnisse des Lebens ist. —. Die „Pforten des Ostens" (No. 13.) enthalten einen energischen Aufruf an die levantischen Juden, ihre Aufmerksamkeit auf die Verbesserung der Erziehung ihrer Jugend zu wenden. Ernstlich wird es den Juden zu Gemüthe geführt, wie wohlwollende Aussichten der Sultan den Rajah's seines Reiches eröffnet hat, und sie werden aufgefordert, das kommende Geschlecht befähigt zu machen, eine würdigere Stellung im Reiche cinzunehmcn, als ihre Vater eingenommen. — Möge dieser würdige Aufruf eine wohlthätige Wirkung haben. Was könnten die Juden unter den asiatischen Stämmen sein, und was sind sic! — In derselben Nummer wird gemeldet, daß die Regierung zu Malta die Landung von jüdischen Reisenden, welche von Mitteln gänzlich entblößt sind, verboten hat. Frankreich. Paris, im November. Die inneren Verhältnisse des Judenthums in Frankreich sind wenig gekannt, weil sie sich eben noch nicht in bestimmten Umrissen herausgestcllt haben. Man begegnet Allem, und nichts Bestimmtem, Charakteristischem. Hie und da thut sich ein Wille kund, hie und da eine That, aber der Widerspruch liegt dicht daneben, und aud auch dieser hat keine sichere Färbung. Die Hauptwichtigkeit muß daher das Zentralkonsistorium haben, nachdem es einmal aus dem bisherigen Gange der schläfrigsten Apathie herausgcschritten. Seine Ansicht hat es durch das in diesen Blättern mitgetheilte reformistische Programm ausgesprochen. Freilich erlitt es eine Niederlage im Elsaß, freilich konnte bis jetzt noch Nichts zur That werden, weil erst durch die Jnstallirung des neuen Großrabbinen das Zentralkonsistvrium vollständig wird. Um so mehr wird ein Schreiben interessiren, welches der Prof. Ritter Frank, Vizepräsident des Zentralkonsistoriums, im Namen des Letztcrn, an das Konsistorium zu Nancy richtete. Es lautet nach den.4wcli. isntel. de Fr. folgendermaßen: „Mein Herr Präsident! Ich fürchte, während der wenigen Zeit, die ich bei Ihnen zubrachte, nicht genug gesagt zu haben, wie sehr ich von der Organisation des Gottesdienstes entzückt war, der jüngst in Ihrem Tempel eingerichtet worden; und ich fühle das Bedürfniß, Ihnen durch Dieses noch einmal meine lebhafte und tiefe Befriedigung, ja meine Dankbarkeit, zu bezeugen. Ich habe noch nirgends den israelitischen Kultus mit mehr