Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 47 (16.11.1846)
- Date
- 1846-11-16
- Page
- Seite 687 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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687 ben, fänden wir nur die Kräfte und die pekuniären Hülssmittel des bezeichneten Vereines hinreichend und gesichert genug, um auch für die Zukunft den Anforderungen der verschiedenen Meister — wodurch es leider bis jetzt nur möglich war, einen jüdischen Knaben als Lehrling unterzubringen — Genüge leisten zu können. Es drängt sich aber dem wahren Menschenfreunde der schmerzliche Gedanke auf, daß theils die unzureichenden Geldmittel des Vereins, mehrerentheils aber der in letzterer Zeit wieder austauchende Glaubenshaß und der allgemein vorherrschende Egoismus sehr leicht alle Bestrebungen des Vereins zu Nichte machen können. Schon der Umstand allein, daß ein hiesiges deutsches Blatt mit Herausbeschwörung der verschiedenartigen in dem Grabe der vorigen Jahrhunderte schlummernden und unserem Zeitgeiste ganz fremd gewordenen Zerrbilde die bösen Leidenschaften aufzustacheln sich bestrebt, kann vielleicht eine baldige Krisis herbeiführen, die jede schöne Hoffnung scheitern macht. Mag auch der gebildete Leser die Absurditäten, die Folgewidrigkeiten des besagten Blattes in ihrem wahren Werthe zu würdigen wissen, indem es einerseits die Namen der Verbrecher nur wenn sie jüdischer Abkunft sind, zur Schau stellt (obschon jede auf Humanitätssinn Anspruch machende Redaktion — wenn auch jeder Nichtswürdige der Oeffentlichkeit preisgegeben werden sollte — aus Schonung gegen die Würde der Menschheit, selbst bei Erwähnung des dem Hochgerichte Verfallenen bloß den ersten Buchstaben seines Namens anführt), um dämmst sagen zu wollen: nur die Juden geben sich den schändlichsten Handthierungen hin; andrerseits die öffentliche Meinung mit Sophismen irre leitet, und die Zünfte (die gewiß viele Männer von Einsicht und Rechtsgesühl unter sich zählen), wenn sie schon dem unsrer Jetztzeit eigenthümlichen Geiste der Verschmelzung und Vereinbarung sich nähern, durch unaufhörliche Aufreizungen in ihrer alten Meinung zu bestärken sucht, den Juden keine Rechte einräumen zu lassen, und somit von vornherein dem Israeliten gleich den Weg abschneidet, ein anständiges Gewerb ergreifen zu können, so können doch derlei Giftpflanzen, wenn noch die eines großen Funktionärs der pefther hohen Schule (welcher in der neuern Zeit sich herabließ ein jüdischer Anagrammatist zu werden) hinzukommen, bei dem ungebildeten und rohen Menschen leicht Wurzel faffen. Wollen die Koryphäen der Judenverfolgung den Spruch der alten Kirchenväter: „Nicht der Sünder sondern die Sünde selbst möge vertilgt werden," unbeachtet lassen; so sollten sie doch wenigstens das: Oessnnte causa cessat ellectus beherzigen. Man erweitere den Raum dem Beschränkten und er wird frei den geraden Weg gehen. Um diesem Nebel nun im Voraus zu begegnen, wäre cs vielleicht wünschenswcrth, daß der verehrliche Vorstand des bezeichneten Vereins vor Allem die hohe Protektion von einem der ersten Reichsbarone des Landes sich erbäte; dann mehrere hochgestellte Männer Ungarns christlicher Konfession als wirkliche und korrespondirende Mitglieder (die zum Theil auch als Repräsentanten gewählt werden können) in ihren Verein ausnähmen. Hieraus würde sich Folgendes ergeben: ») Es würde bei manchen auf der niedrigen Stufe der Kultur noch stehenden Israeliten das Vorurtheil gehoben werden als gäbe es nicht genug hochherziger Männer christlicher Konfession, welche aus innerm Antriebe die prekäre Lage des Israeliten verbessern und ihren sittlichen Zustand heben wollen. b) Würden jene hochgestellten Männer selbst ihre eigenen Konfessionsverwandten eines Bessern zu überführen suchen, ihnen über die wahre Sachlage die nöthige Aufklärung geben, sie sogar zu Beförderern der guten Sache (wenn auch nur durch ihre moralische Unterstützung) umgestalten; an Aufmunterung bei den Israeliten selbst es nicht fehlen lassen; daß sie in ihren Bestrebungen nicht lässig sein und keine materiellen Mittel scheuen mögen, ein Entsprechendes rücksichtlich der Veredlung ihrer Genossen an den Tag zu fördern. c) Außerdem würde durch den gegenseitigen Ideenaustausch und freiere Verhandlung die öffentliche Meinung eine andre und bessre Richtung bekommen, und so wird mit Hülfe des Allvaters selbst in den Herzen der Gegner der Juden der lang inwohnende Haß der Menschenliebe weichen; und Sic, verehrtestcr Vorstand! werden nebst dem Danke ihrer unglücklichen Kommittenten Gottes Segen sich erwerben. Eine Stimme aus Ungarn. Frankreich. Paris, im Oktober. Dem Univ. Israel, wird aus Bordeaux geschrieben: Am Sonntag, dem 5.