Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 47 (16.11.1846)
- Date
- 1846-11-16
- Page
- Seite 686 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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686 daß mit der Emanzipation unseren Dieben und Mördern freies Spiel gegeben, daß den Sittenlosen und Entarteten Freiheiten und Privilegien ertheilt werden? Verlangen wir etwa, daß den Schlechten unter uns ein Freipaß gegeben und wir mit der Befreiung vom Drucke der Gesetzlosigkeit auch von der Macht des Gesetzes befreiet werden? Bestraft die jüdischen Verbrecher nach der ganzen Schärfe des Gesetzes, wir werden uns dessen nur freuen; entzieht ihnen die Bürgerrechte, wenn sie sich deren unwürdig gemacht,aber haltet sie Niemanden vor; der Geist unsrer Zeit, der Geist des Fortschrittes, der Aufklärung und Rechtlichkeit fordert gebieterisch, daß an den Juden das tausendjährige Unrecht gut gemacht und ihnen die Rechte des Menschen, d. h. Gleichheit des Rechts mit ihren christlichen Mitbürgern, eingeräumt werden; ... was so gebieterisch verlangt wird, darf nicht bloß als Gnade und Auszeichnung dem Einen und Andern, sondern uns Allen ohne Unterschied ertheilt und nur denen, die sich dessen unwürdig gemacht, zur Strafe entzogen werden, so wie der christliche Dieb wieder in seine vollen Bürger- und Menschenrechte eintritt, nachdem er seine Strafe überstanden.... Der Fehler liegt darin, daß in Ungarn die Emanzipation noch immer als eine den Juden zu ertheilende Gnade betrachtet ist, weil der Rechts Punkt noch von keinem unserer Vertheidiger eingesehen ober doch nicht geltend gemacht wurde*). Doch hiervon späterhin!!.. Einen Bericht über die letzthin in den israelitischen Mädchenerziehungsinstituten stattgehabten Prüfungen schließen die Eletköpek (das liebevollste ungarische Wochenblatt!!) nach reichlich gespendetem Lob über die Magyarisütivn der Schulen mit folgenden Worten: „Wünschen würden wir jedoch, daß auch das R e ch n e n in ungarischer Sprache vorgenommen würde, denn da auch den jüdischen Damen das Rechnen in's *) Auch Baron EotvöS, unser begeistertster Fürsprecher, sucht in seiner vortrefflichen Arbeit ,,a’ zsidök’ emancipäliöja" iabgctrnckt im Biulapesli szemle. 1540. B. 2. S. 110—157) nur die Einwürfe zu enikraftigen, die gewöhnlich von der Verderbtheit der Juden, vom jüdsichen oder christlichen Glauben, vom ffnanziellen Standpunkte rc. gegen die Emanzipation hergeholt werden und zu beweisen, daß die Emanzipation der Juden den Christen nicht schädlich, vielleicht sogar nützlich wäre, besteht aber keineswegs auf das naturbegründete Recht, vordem alle solche Bedenklichkeiten schwinden müssenli... —nb—. Blut gewachsen ist, so können sie nur dann echte Ungarinnen werden, wenn sie auch ungarisch rechnen. So lange der Jude deutsch rechnet, wird er auch deutsch denken und fühlen.... Was sagen Sie zu diesem Liberalism, zu dieser Humanität und Judenfreundlichkeit??... Und um solches Lob geizt man, um dieserwillen wird in den Schulen alles Andere zurückgesetzt oder gar aufgeopfert!!... Wäre es nicht einmal Zeit, schon von dem journalloberzeugten Rausch zu erwachen und einzusehen, daß es Verrath an unseren heiligsten Pflichten, wenn wir um ephemeren Beifall einiger Hyperpatrioten bulend, das geistige Heil der heranblühenden Jugend verscherzen; Verralh am Vaterlande, wenn wir ihm statt tüchtig gebildeter Männern bloß ungarische Zungendrescher heran bilden; Verrath an uns selbst, wenn wir unsre geistige Bildung dem äußern Schein opfern??... Eine letzthin entsandte Kommission zur Konskribirung der inkolatversehenen Israeliten — um die inkolatlosen zu entfernen — ergab folgendes Resultat: Pesth hat gegenwärtig 2346 jüdische Familienväter und 2448 -Mütter und diese haben Knaben 4707, Mädchen 3893, also zusammen --- 13,394. J. Elm. Pesth, 2. November. (Privatmitth.) Offenes Sendschreiben an einen verehrlichen Ausschuß des pesther Vereins zur Verbreitung der Handwerke und des Ackerbaues unter den Israeliten. Wenn die neueren Bestrebungen der gebildeteren israelitischen Gemeinden Ungarns, durch Aufbieten von geistigen und materiellen Mitteln ihre Glaubensgenossen einem anständigen Gewerbe, als Ackerbau, Handwerk und Kunst rc., wie sie in jedem geordneten Staate Vorkommen, allmälig zuzuführen, schon an und für sich die humansten Gesinnungen — woraus solche Bestrebniffe nur fließen können — beurkunden, so kann man um so mehr den Leistungen des seit mehreren Jahren hier bestehenden Vereins zur Beförderung von Ackerbau und Handwerk unter den Israeliten, der seiner höhern Aufgabe vollkommen zu entsprechen weiß, die volle Anerkennung nicht versagen. Somit wäre die Lichtseite dieses Instituts, die uns so freundlich anzieht, mit wenigen Worten berührt, und wir würden gern aus Diskretion gegen die zahlreichere Klaffe des achtbaren Handwerkstandes, die Schattenseite ganz ignorirt ha-