Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 47 (16.11.1846)
- Date
- 1846-11-16
- Page
- Seite 685 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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685 Und wir glauben uns auch um so mehr berechtigt, uns dieses glückliche Prognostikon zu stellen, als es auch aus dem betreffenden Zirkulare für Böhmen zu ersehen ist, daß jene Verordnung zwar „vorläufig" nur für Böhmen in's Leben treten werde, daß es aber im Plane liege, dieselbe auch auf die übrigen von Juden bewohnten Provinzen des österreichischen Kaiserstaates auszudehnen, und daß somit auch^ür Mähren wir uns einer Verbesserung unserer materiellen Verhältnisse sowol, als auch mittelbar hiedurch der Hebung unserer moralischen Zustände in Kurzem zu erfreuen haben werden. In letzterer Hinsicht, wie es nämlich der Regierung am Herzen liegt, die moralische Veredlung der Juden zu befördern und sie auch von den Ketten der mittelalterlichen Vorurtheile zu befreien, ist uns soeben ein schlagender Beweis geliefert worden. Bekanntlich bestand bisher in Oesterreich noch immer der alte, schauerregende, den Schwörenden mit Flüchen überhäufende Judeneid, für dessen Abschaffung sich bereits mehre ansehnliche Gemeinden und Rabbiner verwendet haben. Nun ist derselbe zwar nicht de jure aber doch einigermaßen de facto bei folgender Gelegenheit abgeschafft worden. Im Laufe dieses Jahres erfolgte nämlich in Mähren und Schlesien von der hohen Landesbehörde eine Verordnung, wodurch den Rabbinern, welche in Folge dieses ihres Amtes auch Matrikenführer sind, eine strengere Handhabung dieses wichtigen Geschäftes zur Pflicht gemacht wird, und zu dessen pünktlicher und genauer Erfüllung sie auch in Kurzem, wahrscheinlich vor Beginn des kommenden Jahres, von den betreffenden Kreisämtern beeidet werden werden. Den dem Zirkulare beigedruckten, auf die humanste und dem ehrbaren Stande der denselben zu leistenden Rabbiner würdigste und angemessenste Weise abgesaßten Eid glaube ich den Lesern Ihres weitverbreiteten Blattes nicht vorenthalten zu dürfen, und theile ihn daher Ihnen ganz unverändert und wie er im Originale lautet mit: Eidesformel für die jüdischen Matrikenführer. Sie werden einen Eid zu Gott dem Allmächtigen schwören und bei Ihrer Ehre und Treue geloben, dem allerdurchlauchtigsten und großmächtigsten Fürsten und Herrn Herrn Ferdinand dem Ersten, von Gottes Gnaden Kaiser von Oesterreich rc. rc. rc., als Ihrem rechtmäßigen Erblandesfürsten und Herrn und nach demselben dem aus dem Geblüte und Geschlechte desselben nachkommenden Erben treu gehorsam und gewärtig zu sein, daß Ihnen anvertraute Amt eines jüdischen Matrikensührers genau nach dem mit Gub. Zirkulare vom 28. Mai 1846" Z. 14585 kundgemachten Unterrichte zu führen, alle Ihnen bekannt werdenden Geburts-, Trauungs- und Todesfälle in die Ihnen anvertrauten Matriken nach der Ihnen zugekommenen Instruktion einzutragen, die vorgeschriebenen Auszüge auf das Getreueste verfassen, in der bestimmten Zeit überreichen und die Matriken nebst allen dazu kommenden Dokumenten wohl verwahren zu wollen. Ferner werden Sie schwören, daß Sie weder mit einer inländischen noch mit einer ausländischen Gesellschaft oder Verbrüderung verflochten sind und nie in eine solche Gesellschaft und Verbrüderung eintreten werden. (Worte die der Schwörende dem Eidabnehmenden nachzusprechen hat.) Was mir itzt vorgehalten worden und ich in Allem und Jedem wohl und deutlich verstanden habe, demselben soll und will ich getreu Nachkommen. So wahr mir Gott helfe. 8. P. Pesth, 20. Oktober. (Privatmitth.) Wie wenig man sich in Ungarn noch mit der Emanzipationsidee vertraut gemacht und welche Böcke da noch oft geschossen werden, wenn in den Journalen die Rede darauf kömmt, davon liefert die heutige No. (83) des Jclenkor (die Gegenwart) abermals einen handgreiflichen Beweis. Ein hier befindlicher Art. klmancixatio meint: die Emanzipation wird den Juden gewöhnlich vorenthalten unter dem Vorwände, daß sie unsittlich, ungebildet und unwissend; mögen auch 9/io unter ihnen diesen Vorwurf verdienen, so ist es doch höchst ungerecht auch das unschuldige letzte Zehntel dafür büßen zu lassen und er räth daher: jenen Juden, die sich durch Bildung, Rechtlichkeit und Sittlichkeit auszeichnen, die Rechte ihrer christlichen Mitbürger einzuräumen und sie den Uebrigen zu versagen..... Wir brauchen wol kaum anzadeuten, wie unpraktisch und unrealisirbar diese theilweise Emanzipation ist; dieser Vorschlag gehört in die Reihe politischer Träume, an denen die ungarische Journalistik so fruchtbar ist.... Verlangen wir denn etwa, 47*