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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-11-16 · Heft 47 (16.11.1846) · p. Seite 682

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 47 (16.11.1846)
Date
1846-11-16
Page
Seite 682 (sequence 10)
Language
German
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684 sich von selbst. Da aber die Mehrzahl der jüdischen Kinder die christlichen Schulen 'besucht, so sieht es mit diesen vielfach sehr arg aus. Viele behelfen sich mit mangelhaftem Privatunterricht, Wiele erhalten gar keinen. Die Aeltesten versuchten daher, ob sie diesen Religionsunterricht nicht in die Schulen selbst verlegen könnten, indem sie beim Ministerium anfrugen, ob nicht in den Schulen selbst von jüdischen Religionslehrern den jüdischen Kindern der Religionsunterricht ertheilt werden könnte. Die Hauptsache hierbei ist natürlich, daß der Unterricht zur Zeit der Religionsstunden den jüdischen Kindern separat in ihrer Religion gegeben wird, so daß auf dieselbe Weise wie bei den christlichen der Religionsunterricht für die jüdischen Kinder organisch zum Schulplan gehört. Allein das Ministerium, welches doch auf den Religionsunterricht der christlichen Kinder so viel Gewicbt legt, hat abschläglich beschieden, indem es zwar, wie natürlich, nichts gegen den jüdischen Religionsunterricht hat, aber in den Schullokalen selbst ihn nicht gestatten will, wodurch die ganze Sache vereitelt ist. Denn man sicht leicht ein, daß es sich dabei nicht um den Raum handelt, sondern darum, daß die Kinder einmal in dieses Lokal kommen, und daselbst versammelt sind, so daß der Besuch eines andern Lokals keine Störung ^verursacht. Man sieht hieraus, daß an eine Pflege des jüdischen Religionsunterrichts von Seiten der Behörden noch nicht zu denken ist. — Was könnte nun statt dessen geschehen? Erstens, daß man mit der städtischen Schulbehörde hinsichtlich der städtischen Schulen, und mit den Privatschulanstalten, welche am Meisten von jüdischen Kindern besucht werden, privatim verhandelt, wo man sicherlich bei den Meisten, wenn auch nicht bei Allen, auf guten Willen treffen würde. Zweitens, daß man sich nicht mit der Errichtung einer Religionsschule begnüge, sondern mehre in verschiedenen Stadtvierteln anlegt. Denn daß in einer Stadt wie Berlin das Entlegensein ein großes Hinderniß im Besuch einer Religionsschule, die so wenig Zeit in Anspruch nehmen darf, ist, läßt sich leicht denken. Jedenfalls ist es Pflicht der Aeltesten, die Sache nicht sofort fallen zu lassen. An die Emission des neuen Gesetzes über Gemeindekultus- und Schulwesen der Juden, über welches im Frühjahr von hervorstechenden Männern der Provinzen Gutachten eingefordert worden, und das man schon im Sommer erwartete, ist noch nicht zu denken, und wird wol erst 1847 herankommen müssen, um das lang Ersehnte und Erwartete an's Licht der Welt treten zu sehen. Oesterreich. Aus Mähren, 20. Oktober. (Privatmitth.) Sie haben in der A. Z. d. Jud. vor Kurzem die für jedes seine Nation und seinen Glauben liebende jüdische Herz gewiß sehr erfreulichen Nachrichten aus Böhmen und Ungarn gebracht, von der für die dortige Judenschaft eingetretenen günstigern Stimmung der allerhöchsten Regierung und von demGnadcnakte derselben, die jüdischen Einwohner in jenen Provinzen in materieller Beziehung ihren christlichen Mitbürgern allmälig gleichzustellen, wodurch endlich in der österreichischen Politik, stillschweigend gleichsam, der Grundsatz den Sieg davon trug, daß die Juden nicht mehr als ein nur geduldeter Staat im Staate, welcher diese seine Duldung sich erst durch schwere Summen erkaufen muß, sondern als rechtmäßige, dem Boden, welchen sie und ihre Voreltern schon seit Jahrhunderten bewohnen, wirklich Angehörige, und dem Staate, in dessen Verbände sie seit der Entstehung und Bestehung desselben leben, mit Blut und Fleisch ergebene Unterthanen angesehen werden, welche sonach als Glieder einer und derselben Staatsfamilie auch nur die entsprechenden Lasten, die auf sie als solche fallen, zu tragen haben. Leider kann ich Ihnen aus Mähren noch nichts so Erfreuliches mittheilen, denn noch sind wir einer solchen hohen Wohlthat nicht theilhaftig worden, und müssen wir uns nur mit der Aussicht auf eine bessere Zukunft vertrösten; doch hegen wir im Vertrauen auf unsre gerechte und humane Regierung, die doch gewiß allen ihren jüdischen Unterthanen in den verschiedenen ihrem glorreichen Zepter unterworfenen Provinzen gleiche väterliche Liebe zukommen lassen wird, die gegründete Hoffnung, und leben wir der frohen Ueberzeugung, daß diese bcssre Zukunft nicht mehr in weiter Ferne liege, sondern daß auch für uns in Bälde die erwärmende Sonne der Gnade aufgehen und der so lang ersehnte Zeitpunkt eintreffen werde, wo auch wir mit freudigem und dankbarem Gemüthe die endliche Anerkennung unserer Menschenrechte in die Blätter der Geschichte aufzeichnen werden können.

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