Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 47 (16.11.1846)
- Date
- 1846-11-16
- Page
- Seite 681 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3225443-3225491--08152-3238954- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
681 sirenden Männer, insbesondere des ersten, rechtskundigen Herrn Bürgermeisters zu Stande gebracht werden konnte. Das neu aufgcführte und äußerst zweckmäßig eingerichtete Gebäude ist theils zur Aufnahme von Kranken, theils aber und besonders zur Versorgung verarmter Gemeindeglieder,sogenannte Pfründner bestimmt. Rührend war der heute erfolgte Umzug dieser Letzteren aus ihrem bisherigen engen und morschen Wohnsitze in die neuen, freundlichen Räume, die von nun an ihrem beständigen Aufenthalte gewidmet sind; erhebend und allen Anwesenden unvergeßlich war der Akt der Einweihung in dem prächtigen darin befindlichen Betsaale; stolz und mit frohem Selbstbewußtsein konnte jeder Betheiligte auf das nun vollendete Werk schauen. Wir aber können nicht umhin, desselben rühmend in diesem vielgelesenen Blatte zu erwähnen und dabei an den Ausspruch des weisen Königs zu erinnern: ibmai bi pin 'n nib» 15 „Wer gegen den Armen wohlthätig ist, der leihet dem Ewigen; Er wird die Wohlthat ihm vergelten." (Sprw. IS, 17.) 8. Detmold, 1. November. Ein Schreiben aus Detmold vom 25. Oktober in der Hannoverschen Zeitung berichtet Folgendes: „Die vor einigen Tagen im hiesigen landjudenschaftlichen Haus abgehaltene Jahresversammlung des Vereins zur Beförderung der Handwerke unter den Juden wies nicht so erfreuliche Resultate nach wie in den vorhergehenden Jahren. Die Theilnahme am Vereine hat sich bedeutend gemindert. Ein Hauptvorwurf, den man dagegen erhebt, ist der, daß die Israeliten, sobald sie auf Kosten des Vereins ein Handwerk erlernt hätten, über kurz oder lang doch wieder in den verderblichen Schacherhandel zurückfallen würden. Leider hat die Erfahrung der neuesten Zeit diese Befürchtung begründet. Um diesem Uebelstand abzuhelfen ist in den Statuten des Vereins bestimmt, daß in solchem Falle die Vorschüsse auf das Lehrgeld in terminlichen Raten zur Kaffe des Vereins wieder zurückgezahlt werden müssen. Bei der Bewilligung des Lehrgeldes wird darüber ein amtliches Protokoll ausgenommen und darin von den Eltern und Vormündern diese Bedingung sichergestellt. Auch sollen in Zukunft solche Handwerke, welche nicht so leicht zum Schacherhandel Veranlassung geben, bei Bewilligung des Lehrgeldes vorzugsweise berücksichtigt werden. Die beiweitem größere Zahl der Juden wählte bis jetzt die Lohgerberci zum Handwerk, womit leicht ein Schacherhandel mit Fellen und Häuten verbunden werden konnte. Jetzt sollen die jungen Israeliten, welche eine Bewilligung des Lehrgeldes beim Vereine nachsuchen, zu den schwereren Handwerken der Schmiede, Schloss ser, Zimmerleute, Tischler, Schuster, Schneider, wovon sie bis jetzt sich fern gehalten haben, hingcleitet werden. Preußen. Breslau, 1. November. (Privatmitth.) sEine Privatmitth. aus Posen in vor. Nro. hat zwar den Gegenstand des folgenden Art. berichtet. Allein die Erklärung der posener Stadtverordneten ist zu wichtig, als daß nicht nähere Details sehr angenehm wären. Redakt.j Es hat eine Zeit gegeben, und die liegt von der unsrigen nicht gar zu ferne, daß man von christlicher Seite die Unzulässigkeit der Juden zur Mitgenießung der bürgerlichen Rechte und Freiheiten als eine ihrem geistigen und sittlichen Zustande ganz entsprechende Voraussetzung betrachtete, vielweniger daß man ihnen die ebenbürtige Befähigung zur Erlangung von Bürgerwürden zugcstehen sollte; von jüdischer Seite wieder bemühte man sich auch nicht sonderlich, diesem Vorurtheile entgegenzuarbeiten; man konnte und mochte noch nicht ein freies politisches Bewußtsein in sich ausbilden, man krankte noch immer an den sieberischen Träumereien eines einst aus der Asche sich zu verjüngenden thcvkratischen Staates. Freuen wir uns, daß es jetzt besser geworden. Das politische Leben, das nun im deutschen Vaterlande in gedeihlichen Kraftäußerungen sich entfaltet, hat die Gedanken zu ertüchtigen, und jene Unebenheiten, die sich im Verlauf der Zeiten in die verschiedenen Stufenfolgen der gesellschaftlichen Zustande eingeschlichen, einigermaßen auszuglcichen gewußt. Als ein erfreuliches Zeichen dieser auch in den Juden sich äußernden politischen Rührigkeit möge die in No. 253 der Bresl. Zeitung enthaltne Korrespondenz aus Posen in diesen Blättern eine Aufnahme finden. Folgendes ist ein Auszug derselben. „Bei der Wahl eines Landtagsdeputirten war dem Magistrat ausdrücklich, unter Berufung auf §8. 5 und 12 des Gesetzes vom 27. März 1824, aufgegeben