Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 47 (16.11.1846)
- Date
- 1846-11-16
- Page
- Seite 680 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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680 wünscht, und sich dabei wohl und behaglich fühlt, erkennt man aus den vielen Begrüßungen der Freude und des Dankes, die Herrn Bernays an diesem Tage dargebracht wurden. Uebrigens muß auch gesagt werden, daß B. die große Zahl der Freunde, die treu zu ihm hält, wohl verdient hat, und daß er als Mensch und als Gelehrter ein sehr achtungswerther Charakter ist, selbst die viel besprochenen und genugsam bekannten Feindseligkeiten gegen den Tempel können ihm nicht zur Last gelegt werden, denn von seinem Standpunkte aus und in seiner Stellung konnte und durfte er nicht anders handeln. Jeder, der Bernays näher kennt, muß zugestehen, daß Liebe zum Frieden eine seiner schönsten Tugenden ist, und daß er sich eben durch sein weiches Gemüth Jedermann zum Freunde machen muß. So auch nur sind die vielfachen Beweise der Aufmerksamkeit, die ihm an diesem Tage zu Theil wurde, zu erklären. Eine Chewra, aus jungen Leuten bestehend, die größtcntheils seine Schüler waren, haben zu seinem Ehrentage eine Sepher Tora schreiben lassen und sie so glänzend ausstatten lassen, daß das Ganze 3000 Mark gekostet hat. Einige Tage vorher war dieselbe bei einem Mitgliede der Gesellschaft ausgestellt; daß Gedränge dahin war so stark, daß selbst zwei (jüdiscM Polizeivfsizianten nicht hinreichten, die nöthige Ordnung zu erhalten. Am Sonnabend Abend wurde diese Sepher Tora dem Jubilar überreicht. Die Straße, durch welche der Zug sich bewegte, war illuminirt, und auch Christen hatten sich davon nicht ausgeschlossen, ohne besonders dazu aufgefordert zu sein. — Der folgende Sonntag Morgen ward von allen Gesellschaften und Familien benutzt, dem Jubilar die Glückwünsche darzubringen, und das Gedränge der Wagen und Fußgänger dorthin war so groß, daß man unwillkürlich an die Zeit zurückdachte, in der Bernays vor 25 Jahren unter Jubel und Jauchzen seinen Einzug in Hamburg hielt. Eine Deputation (die Fleischer) überreichte ihm eine goldne, mit Juwelen besetzte Dose, eine zweite, aus Mitgliedern der Gemeinde bestehend, eine goldne und silberne Medaille, welche zur Feier des Tages geprägt worden war u. s. w. Eine besondere Feierlichkeit war nicht veranstaltet, es machte sich Alles von selbst, Jeder kam, wie sein Herz es ihm eingab und Jeder gab, wie er es gerade für gut hielt. Der Borstand überreichte dem Jubilar eine Mappe, worin für 10,000 Mk. Feuerkassenscheine waren, von einer andern Seite kam ein großer Kuchen u. s. w. u. s. w. Zu bedauern ist, daß nicht mehr Zusammenwirken in der Feier dieses Tages stattfand, daß Niemand da war, der sie zu leiten wußte; so fand nicht einmal ein Festessen statt, und das wäre doch auch eine herrliche Sache gewesen. — Eine Neuigkeit, die ich diesem kurzen Berichte noch hinzufügen will, ist die, daß der Gemeindevorstand beabsichtigt, das Amt des jüdischen Polizeiherrn niederzulegen und das dem christlichen Polizeiherrn zu übergeben, und wenn das nicht angenommen wird, will man eine bessere Einrichtung treffen und zuvörderst das „jüdische Paßbüreau" fegen und weiß anstreichen lassen, damit es ein besseres Ansehen gewinne. Fürth, 1. November. (Privatmitth.) Sie erhalten sehr selten Berichte über die Zustände der hiesigen Gemeinde, wahrscheinlich weil man bei uns noch nicht gewohnt ist, Alles sogleich vor das öffentliche Forum zu bringen, besonders aber weil unsere Verhältnisse seit den letzten Ministerialreskriptcn einen ziemlich stabilen Charakter angenommen haben. Wenn auch die Gereiztheit zwischen den beiden sich gegenüberstehenden Parteien nicht mehr in lichte Flammen auflodert, so gahrt und glüht es doch beständig in den Herzen, und leider ist an keine aufrichtige Einigung zu denken, so lange es im Interesse oder im Hange einzelner Parteiführer liegt, die Spannung zu unterhalten. Wenn aber dadurch auch die Entwickelung manches Schönen und Zeitgemäßen gehemmt wird, so ist es doch erfreulich wahrzunehmen, daß die allgemeinen Angelegenheiten darunter weniger leiden. Die Gemeindeverwaltung kann wol eine musterhafte genannt werden, und es ist dem hiesigen Vorstande gelungen, nicht nur die größte Ordnung hierin einzuführen, sondern auch — trotz der großen Belastung der Gemeinde — eine bedeutende Summe an früheren Schulden zurückzuzahlen. Besonders aber muß es den Menschenfreund freuen, wenn er den stets so regen und lebendigen Wohlthätigkeitssinn in der hiesigen Gemeinde beobachtet. Dazu gab ihm unter Anderm heute die Eröffnung einer Anstalt Gelegenheit, die davon das schönste und dauerndste Zeugniß ablegt. Es wurde nämlich das neue jüdische Hospital eingeweiht, das mit großen Opfern, großentheils durch Privatspenden, gegründet, nur durch die unglaubliche Hingebung und Menschenliebe der sich dafür interes-