Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 45 (2.11.1846)
- Date
- 1846-11-02
- Page
- Seite 657 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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657 fast kein Einziges, das nicht die ihm von den Prü- , fungsgästm vorgelegten schwierigen Fragen aus der Graniinatik der deutschen und polnischen Sprache, aus dem Sitten- und Religionsbuche, aus der Geographie, verwickelte Probleme der Elementar-Arithmetik u. dgl. mit bewunderungswürdiger Genauigkeit und mit klarster Auffassung gelöst hätte, dabei ergötzten die Probeschristen, wahrhaft kalligraphische Produktionen, die kunstvollen Handarbeiten der Mädchen, so wie dir mit der schönsten deklamatorischen Diktion vorgetragenen Gedichte aus beiden Landessprachen Aug und Ohr der Anwesenden. Wir können daher nicht umhin, dem würdigen Lehrpersonale, namentlich den Herren Frühling, Reitmann und Plohn, unsere hohe Achtung und aufrichtige Würdigung ihrer unschätzbaren Verdienste zu erkennen zu geben. Der hebräische Unterricht, der einer Reorganisation entgegensieht, würde unter Leitung des wackern Segale nichts zu wünschen übrig lassen, wenn die vielen dem.Talmudstudium bestimmten Lehrstunden ganz der Bibel und der hebräischen Grammatik zugewendet würden, da der Talmud wvl in ein Rabbinerseminar, keineswegs aber in die Elementarschule hineinpaßt. Dagegen müssen wir mit besondrer Auszeichnung der großen Fortschritte erwähnen, welche die hiefür begabten Kinder in der Gesanglehre unter Anleitung unsres vortrefflichen Kantors Herrn I. L. Ausspitzer gemacht und wir können uns nur Glück wünschen zur Akquisition dieses braven jungen Mannes, der mit einem streng sittlichen und religiösen Lebenswandel, mit bedeutender humanistischer Bildung, große musikalische Wissenschaftlichkeit, einen herrlichen Vortrag verbindet und einer Barytonstimme des volltönendsten Timbers sich erfreuet. Seinem Fleiße, seiner Beharrlichkeit und Ausdauer ist es zuzuschreiben, daß unser schöner Knabenchor mit dem der besten Institute dieser Art wetteifern kann, daß der Gottesdienst in unsrer Synagoge ein wahrhaft andächtiger und erhebender geworden und cs würde das Herz des erhabenen Sängers der ■'“Pia *ivs hoch erfreuen, wenn er Zeuge sein könnte von der Schönheit und Präzision, mit welcher seine Meisterwerke in einem der entlegensten Winkel der Monarchie exekutirt werden. Könnte man sich noch bei uns entschließen, die große Masse der Gebete, besonders der für die fc'w bestimmten, von denen so viele dem Geschmacke der Neuzeit abhorresziren, zu sichten und zu purifiziren! Leider aber muß dieses bei einem gemischten Publikum, wo noch Mancher über die Auslassung eines ziLi 'fr oder eines verschnörkelten sinnlosen ui's Zetter schreien würde, lange noch frommer Wunsch bleiben. z. Personal - und Lokalnachrichten. Nord Haufen, im Oktober. (Privatmilth.) Einem achtbaren Mitglied! unsrer hiesigen israelitischen Gemeinde ist folgende ehrenvolle Auszeichnung zu Theil geworden. Der bereits vor mehreren Jahren von des Königs Majestät zum Sanitätsrathe ernannte praktische Arzt -vr. M. A. Wessely (Großneffe nnsers berühmten Hartwig Wessely) hat von des regierenden Herzogs von Nassau Hoheit, in Anerkennung seiner vorzüglichen Leistungen auf dem Gebiete der praktischen Heilkunde den Titel eines „gcheiiuen Hofrathes" erhalten und ist ihm von Sr. Majestät dem Könige huldreichst gestattet worden, diesen Titel auch innerhalb des preußischen Staates zu führen. Iaftrow, im Oktober. (Privatmitth.) Einen ercrfreulichen Beweis vorurtheilsfreien und humanen Würgersinnes lieferte vor Kurzem das Wahlergebniß der hiesigen löblichen Stadtverordnetenversammlung, indem zum ersten Mal ein Israelit, der Kaufmann Herr K. E. Apolant, zum Rathmanu erwählt wurde, Es verdient dieses Faktum um so mehr öffentlich mitgetheilt zu werden, da unter den Wählern selbst keiner israelitischen Glaubens war. Am Sabbat 'b fand in hiesiger Synagoge unter Leitung des hiesigen israelitischen Lehrers I. Wedcll die zweite Konfirmation (mit zwei Knaben) statt. Korrespondenz. Aus Galizien, im September. Ans einem Schreiben des Verfassers der „Wanderungen durch Krakan, Galizien 20" in den Jahrgängen 1843, 1844, 1845 dieser Ztg. Es wird Ihnen nicht entgangen sei», daß ich in der Wanderung besonders in dem wichtigsten Theil, der von 45*