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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-11-02 · Heft 45 (2.11.1846) · p. Seite 656

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 45 (2.11.1846)
Date
1846-11-02
Page
Seite 656 (sequence 8)
Language
German
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656 Leben, um nicht auch die religiösen Fragen mit der Elle des wirklichen Lebens zu messen. Dieses wirkliche Leben ist aber nur das der Gegenwart; es hat aber noch ein wirkliches Leben gegeben, das der Vergangenheit; und es wird noch ein wirkliches Leben geben, das der Zukunft. Bei der Beantwortung religiöser Fragen sind aber Vergangenheit und Zukunft zu befragen, ebenso gut wie die Gegenwart. Denn religiöse Fragen sind solche, die über die Gegenwart hinausragen, die es mit dem Ewigwahren zu thun haben. Die Reform hat es immer mit der Vergangenheit zu thun, denn sie will ja die Formen dieser umgestalten, und immer mit der Zukunft, denn für diese will sie sie umgestalten. Wer also kein Bewußtsein, kein lebendiges Bewußtsein für die Vergangenheit hat, und wer keinen Blick für die Zukunft hat, wer bloß von dem beweglichen Leben der Gegenwart sich lenken läßt: der wird zwar mit seiner Antwort schnell fertig sein, aber sie wird sehr einseitig ausfallen, und für einen Bestand keinen Inhalt haben. Die Anwendung dieser Betrachtungen liegt auf der Hand, aber man erwäge sie in ihrer Allgemeinheit, nicht von Individuen aus. Deutschland. Alzey, 6. Oktober. (Fr. I.) Die hiesige israelitische Religionsgemeinde, in welcher Sabbat und Festtage noch ihr ungeschmälertes Ansehen genießen und einen allseitigen Stillstand der Geschäfte mit sich führen, hat einen erfreulichen Beweis des faktischen, vollsten Vertrauens zu der Rabbinerversammlung an den Tag gelegt, indem sie deren jüngste Beschlüsse, bezüglich der bisherigen zweiten Feiertage, that- ^fächlich anerkannt und ausgeführt. Heute, als am zweiten Tage des Hüttenscstes, waren zum ersten Male die Geschäftslokale der Israeliten geöffnet, und haben deren mitunter streng konservativ gesinnte nnd nach altem Herkommen religiös lebende Inhaber sich ganz der gewerblichen Beschäftigung überlassen. Oesterreich. Brünn, im September. (Privatmitth.) Es ist eine bekannte und auch nothwendige Sache, daß die Lehranstalten der Hauptstadt von der wißbegierigen herangewachsenen Jugend des Landes zur fernern Ausbildung benutzt werden. Tausend Dank allen denen, welche diesen Jünglingen und Töchtern bei ihrem Aufenthalte hilfreich an die Hand gehen, und so zu dem segensreichen Werke beitragen, das mitunter auch durch sie, ohne die Lehranstalten zu erwägen, noch für künftige Generationen heilbringend ist. Desto schmerzlicher und trauriger ist es aber, wenn sich in Hauptstädten Menschen finden, welche den hoffnungsvollen strebsamen Jünger der Wissenschaft, anstatt ihnen mit offenen Armen entgegen zu kommen, und sie durch Wort oder durch Thal zu unterstützen, alles Mögliche anwenden, um ihnen den Aufenthalt in der Hauptstadt zu verleiden, oder sie gar aus derselben zu entfernen. Ein ähnlicher Fall hat sich vor nicht gar zu langer Zeit her zugetragen, wo der Kern der hiesigen Israeliten durch einen Freund geleitet zur Entfernung eines wißbegierigen jungen Menschen aus hiesiger Hauptstadt beigetragen. Möge dieser einzelne Fall nicht dazu beitragen, daß andere Jünglinge dadurch abgeschreckt die wissenschaftlichen Anstalten unserer Hauptstadt aus Furcht vor ähnlichen Begegnungen meiden würden; im Gegentheile sollten dieselben um so mehr empfohlen werden, als man hier billiger als in einer andern Hauptstadt der Monarchie lebt und die hiesigen Lehranstalten durch die neu zu errichtende, von den mährischen Herren Ständen gegründete polytechnische Lehranstalt eine wahre Bereicherung erhält. Tarnopol, 1. Oktober. (Privatmitth.) Inden eben stattgehabten Jahresprüfungen an unsrer deuschisraelitischen Hauptschule hatten wir die Freude zu sehen, wie nach dreißigjährigem Bestehen, diese herrliche Anstalt immer segensreicher und gedeihlicher fortwirkt, wie die wackeren Lehrer an derselben nicht allein nicht im Laufe langer Jahre in dem Eifer für ihren heiligen Beruf erkalten, sondern immer mehr für den großen Gedanken der Humanisirung unsrer Jugend sich begeistern. — Da giebt es keine mechanische Einlernerei, keine den Schülern eingebläueten parademachenden Prüsungsfragen, sondern ein lebendiges Eingehen in Form und Geist, ein organisches Jnsichaufnehmen sämmtlicherGegenflände des Unterrichts! Bon den zweihundert froh und munter aussehenden Kindern beiderlei Geschlechts, unter denen die Wenigsten das zwölfte Lebensjahr überschritten, gab es

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