Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 45 (2.11.1846)
- Date
- 1846-11-02
- Page
- Seite 653 (sequence 5)
- Language
- German
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653 bereits verheiratet ist. Und nun jene ängstlichen Bestimmungen über den Schuh, jener Katechismus von Fragen und Antworten, wie lächerlich sind sie uns geworden! Schon unser erstarktes und klarer gewordenes religiöses Bewußtsein sträubt sich gegen eine solche Zeremonie, es stößt eine solche bedeutungslose, ja widerwärtige Formel ab, eS will die Religion nicht durch mumienhafte Sitten verunstaltet wissen, welche Ln ganz anderen Rechtßgewohnheitea wurzeln. Bedenkt man ferner, daß das Ganze eine Rechtsinstitution, die zwar Lm alten Judenthuine, das Rechtswesen und Religion innig verschmolz, auch religiöses Ansehen genoß, aber bei uns als der Religion gar nicht mehr angehörig, als ein Eingriff der Religion in die gültigen allgemeinen Rechtsinstitutionen betrachtet werden muß, so weist die Religion, die ihr engeres Gebiet sich erhalten, aber durch diese Beschränkung auch um so fruchtbarer machen will, diesen alten Brauch um so entschiedener zurück. Dazu kommt aber auch noch, daß die Verbindlichkeit, welche man der Wittwe noch immer auf. erlegt, diese oft in die größten Rachtheile versetzt. Wenn der Bruder gehässig oder geldgierig ist, dann mag sie auf ein ferneres eheliches Leben verzichten, und sie mag froh sein, wenn es ihr dennoch gelingt, durch große Opfer, falls sie solche zu bringen vermag, sich die Möglichkeit zu erwerben, ihrem weiblichen Berufe treu zu leben. Wenn über das Leben des BruderS Zweifel obwalten, nun, dann mag sie ganz hoffnungslos verkümmern; wenn die Entfernung zwischen ihr und ihm — wahrlich ein schönes v'N« muH 'S (wenn Brüder zusammen wohnen) — eine sehr weite ist, dann mag sie hinziehen, ihn aufsuchen, um eine leere Form zu vollziehen und sich ihre Freiheit zu erkaufen. Schon das eine Moment, daß ein ehemaliges Zusammenwohnen der Brüder die Sitte bedingte, während bei uns das Auseinandergehen der Familie nach verschiedenen Orten gewöhnlich ist, berechtigte unS ebenso das ganze Institut aufzuheben, wie der Talmud durch das Vim D'n« inw' 'D die Ausnahme des tvrt «biü N« begründet. Befreien wir daher die Frau und das Judenthum von jenen unnützen Banden, nehmen wir die Schmach von dem Bruder und dem Glauben, und sprechen wir es aus, daß Leviratsehe und Chaliza in ganz anderen Anschauungen über die Stellung der Frauen, über das Familienrecht, über die Fortdauer des Individuums, in ganz anderen sozialen Verhältnissen seinen Grund und seine Berechtigung hatte, daß sie aber bei unseren ganz umgewandelten Anschauungen und Verhältnissen unstatthaft und nicht bloß unberechtigt, sondern eine Beleidigung gegen die freie Persönlichkeit der Frauerr, eine Beleidigung gegen die Religion, gefährliche Bande sind, welche gelöst werden müssen. Die Kommission stellt daher den Antrag: Die Vers, wolle erklären, daß zur Wiederverheirathung einer Frau, welche der Mann kinderlos hinterläßt, keine anderen Bedingungen nöthig seien, als zu sonstigen israelitischen Heirathen. Zeitungsnachrichten. Preußen. Magdeburg, 2. Okt. (Privatmitth. Schluß.) Dreijähriger Zyklus der Tora- und Haphtorot-Verlesungen. Drittes Jahr. Namen der Sabbate nach dem gewöhnt. Kalender. 5 § d s 6 vo Ä <3 n 5fi bi s Haphtora. n'izjann 4 2 1 2 34 Psalm 5. N2 — 3 1 3 43 - 8. — 3 44 4 20 - 15.16. «‘TH — 4 21 4 49 - 19. NTv "N — 5 1 5 31 - 23.24. mbin — 6 1 6 27 - 25. »m — 7 1 7 89 - 27. nbun — 8 1 8 26 Secharja 2, 14—4, 7. nun — 9 1 10 10 Psalm 31. yp?3 — 1V 11 10 36 - 32. — 11 1 11 35 - 33. 'NH — 12 1 14 10 Ioschua 2,1-24. — 14 11 14 45 Psalm 34. «H«1; — 15 1 15 41 - 37. «n — 16 1 16 35 2Schem.ll,14-12,22. — 17 1 17 28 Psalm 41. iHn' — 18 1 18 32 - 42. Ü'UOwN — 19 1 20 13 - 51. N?21NN — 20 14 21 9 . 62. msn — 21 10 22 1 - 78. «iön 'D — 22 2 22 38 Micha 5,6-6, 8. bnpn — 22 39 23 30 Psalm 84. '‘Tips — 24 1 25 9 - 90. snp'i — 25 10; 26 65 Jirm. 1,1-2, 3. 12 — 27 1 27 23 Psalm 91. — 28 1 30 1 - 103. 5'HTn — 30 2 31 54 - 104. 2N1272 — 32 1;32 41 - 139.