Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 44 (26.10.1846)
- Date
- 1846-10-26
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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x. Jahrgang. Allgemeine No. 44. Zeitung des Zudcnthumö. bin unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redakteur Verlag von Dr. Ludwig Philippson, Baumgärtners Buchhandlung 8^aL bin er zu Magdeburg. zu Leipzig. (Mit königl. sächsischer allergnadigster Konzession.) Leipzig, den 26. Oktober 1846. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 96 Vogen in Quart inkl. des Titels, Registers u. s. w. umfassen. In Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Tblr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — 22^ Ngr. (18 gGr.) für das Vierteljahr angesetzr worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die königl. sächs. wohllöbl. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitender Artikel: Die Hallenser und marburger Lichtfreunde. Zeitungsnachrichten: Die Schweiz: aus Bern. Rußland und Polen: Warschau, aus Kurland. Frankreich: Paris. Großbritanien: London, London. Preußen: Berlin, Berlin, Köln, Lissa, Magdeburg, Koblenz, Gnesen, Magdeburg. Deutschland: Frankfurt am Main, Hamburg. Oesterreich: von der schlesischen "Grenze, Posega, Pesth. Literarische Nachrichten: Magdeburg, Leipzig. Leitender Artikel. Magdeburg, 18. Oktober. Die Hallenser und marburger Lichtfreunde. Unsere Leser finden uns in der Regel auf dem Gebiete des Judenthums in seinen bestimmten Grenzen, wie es der Zweck dieser Zeitung erheischt. Ist es aber sicher, daß die Bekenner des Judenthums jetzt mehr, als in irgend einer frühern Zeit, in die Bewegungen der gesammten Menschheit sich versenkt, an ihnen betheiligt haben, von ihnen daher berührt, oft auch hingerissen werden: so stehen sie auch in Wechselwirkung mit allen Erscheinungen der Gegenwart, und da, wo diese auf, dem Judenthume sehr benachbartem Gebiete auftreten, können sie nicht übersehen werden. Versäumen wir es daher nicht, sie, wo es drängt, in Betrachtung zu ziehen, und vom Standpunkte des Judeuthnms aus zu beurtheilen. Früher oder später erwachsen sie sonst aus unsrer eignen Flur, vhn' daß wir dann wüßten, von wannen sie gekommen. Wir meinen die Erklärungen der Hallenser und der marburger „Lichtfreunde", welche jetzt die Runde durch die öffentlichen Blätter machen, und die der Welt einmal wieder zeigen, was die Vereinigung derer, welche sich außerhalb positiver Religion stellen, zu produziren vermag. So lange dem Judenthume die Dogmen der christlichen Kirche in ihrer strengen Fassung gegenüberstehen, hat es von diesen nichts zu fürchten. Die ganze jüdische Anschauung ist so der Gegensatz der christlichen Dogmen, der jüdische Verstand mit seiner Schärfe wirkt so zersetzend auf dieselben, daß von jeher die Zahl der Juden, welche aus Ueberzeugung zum Christenthume übergingen, anerkannter Maßen nur gering war. Ein Andres aber, wenn sich außerhalb des Christenthnms eine dasselbe auflösende Partei aufstellt; wenn mit den Lockworten der Freiheit, des allgemeinen Priesterthums, der Mcnschenverbrüderung rc. die Auflösung der christlichen Kirche von einer Anzahl Männer erstrebt wird. Diese Zersetzungssncht, diese Selbstständigkeit, welche sich selbst zum Gotte macht, diese taumelnde Freiheitsliebe, welche aller Forschung und allem Erwerbniß der früheren Geschlechter den Lossagebrief schreibt, hat auch für eine Menge Juden einen bedeutenden Reiz; hier sind es nicht unfaßbare Dogmen, unbegreifliche Mysterien, welche sie abschrecken, hier ist Beschäftigung des Verstandes, ja des nüchternsten Verstandes nüchternste Gedanken werden zur Grundlage gemacht; und in demVer-