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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-10-26 · Heft 44 (26.10.1846) · p. Seite 645

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 44 (26.10.1846)
Date
1846-10-26
Page
Seite 645 (sequence 2)
Language
German
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645 verpönten polnischen Singsang, und das in gleichem Grade für das Gotteshaus unanständige Operngeklingcl oder die Anwendung von Melodien weltlicher Lieder verdrängt zu haben; und vor der heiligen Lade ertönte damals mehr als einmal das Wort Gottes in reiner deutscher Sprache, und alle die Herzen, welche warm für die Einführung eines zweckmäßigen, erbauenden, Gemüth und Geist und Herz erhebenden Gottesdienstes schlagen, erfreuten sich damit. Aber auch nicht minder erfreuten sie sich mit der damals in Aussicht gestellten Errichtung einer Elementarwenigstens einer Religionsschule. Die Herzen der gebildeten Bewohner Nachods schlagen noch immer warm für die gute Sache, aber die gute Sache selbst — das Choräle verschwand eben so schnell, ja schneller als es entstanden und hat der alten Sangweise wieder Platz gemacht, was bei dem Talente und den Anlagen des neuen Borbeters vielleicht nicht sein müßte; seit Monaten hört man schon keine deutsche Predigt, und es scheint weder an der Kraft noch an dem Willen des Rabbinatskandidaten Herrn I. E. Wiesner zu fehlen, der bis dahin von Zeit zu Zeit durch erbauliche Borträge erfreute; und die Verhandlungen über die Schule — an deren Stelle trat vor etwa anderthalb Jahren ein hohen Orts genehmigtes Privatlehrinstitut des wackern Lehrers des Herrn Moses Goldmann in's Leben, das unter der Oberaufsicht des hochwürdigen bischöflichen Bikariates steht, und das sich den Religionsunterricht zum schönsten Ziele seines schönen Strebens gesetzt hat. Am 7. September hielt nun vorgenannter Herr M. Goldmann mit seinen Schülern eine öffentliche Prüfung, welcher der hochwürdige Dechant und Vikar Herr Josef Regner, der erste Stadtkaplan Herr?. Funk, der Herr Bürgermeister Krauser, der Stadtphysikus Herr Dr. Gellinek, der städtische Anwalt Herr Hubka, mehrere Honoratioren aus der Stadt, dann der alte ehrwürdige Lvkalrabbiner Herr Rvsenfeld, der Rabbinatskandidat Herr WieSner, welcher aus der biblischen Geschichte prüfte, und mehrere ehrenwerthe Gemeindeglieder beiwohnten. Diese Prüfung war mehr als befriedigend für die Neugierde, sie war wodllhuend und staunencrregend, und man wußte wirklich nicht, sollte man die Methode des Unterrichts von Seite des Lehrers, oder die geistreiche Auffassung, und nicht nur die Beantwortung, sondern auch den Vortrag der Antworten von Seite der Zöglinge, vorzüglich der weiblichen, zuerst beloben, und wie schon früher bemerkt, war es vorzüglich die israelitische Religion, in welcher sich beide, Lehrer und Schüler, in gleichem Grade auszeichneten, und welche Auszeichnung von den anwesenden Gästen gehörig gewürdigt wurde. Posegtt (Slavonien), im Oktober. (Privatmitth.) Es wird Ihnen nicht unangenehm sein, in die Spalten Ihrer jeden Pulsschlag des judcnthümlichen Lebens belauschenden, jede Regung und Bewegung besprechenden, jedes hervorragende Ereigniß zur allgemeinen Kenntniß bringenden und zur Würdigung und Nachahmung aufmunternden Zeitung, ein Dokument aufzunehmen, das von den Bestrebungen und Leistungen der pesther Jsraelitengemeinde, so wie von dem echt patriotischen Sinne ihres wackern Vorstandes, das schönste und vollgültigste Zeugniß ablegt. Dieses Dokument ist ein ungarisches Schreiben Sr. kaiserl. Hoheit des Erzherzog Palatin an den löblichen Magistrat der königl. Freistadt Pesth, in Angelegenheit — es ist aber überflüssig, in diesen einleitenden Worten ein Mehres darüber zu sagen, da das Schreiben klar und deutlich Alles sagt, was dem geneigten Lesern zu wissen nöthig. Das Schreiben lautet in treuer Uebersetzung, wie folgt: „Löblicher Stadtmagistrat! „Die pesther israelitische Gemeinde hat zum Andenken des herannahenden funzigjährigen Jubiläums meiner Palatinalverwaltung ein Kapital von 4000 Gulden K. M. als eine auf sich genommene Schuld zu dem Zwecke gestiftet, daß von dessen jährlichen fünfprozentigen Interessen pro 200 Gulden K. M. zwei Zöglinge der jüngst errichteten Industrieschule, ohne allen Glaubensunterschied, die den dreijährigen Lehrkurs absolvirt haben werden, und zwar, Einer aus der gewerblichen und der Andre aus der landwirthschaftlichen Abtheilung — jetzt durch meine Auswahl, in der Zukunft aber durch die des Chefs meiner Familie — ein Jeder derselben als Stipendium zu seinem Eintritte in's praktische Leben — 100 Gulden K. M. erhalte. Außerdem beabsichtigt diese Gemeinde, eben bei dieser Gelegenheit, die von ihr angekaufte Lutzenbacher'sche numismatische Sammlung der ungarischen Akademie als Geschenk zu überreichen; daher 44-°

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