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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-10-19 · Heft 43 (19.10.1846) · p. Seite 631

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 43 (19.10.1846)
Date
1846-10-19
Page
Seite 631 (sequence 7)
Language
German
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631 Prag, 28. September. (Privatmitth.)*) Wertheimers trefflicher Aufsatz über die israelitische Erziehungsanstalt in Schwarzkostelletz hat Viele erst auf dieses neue Institut aufmerksam gemacht, und zur öffentlichen Prüfung am 23. und 24. September wären mit mir wol Viele hingefahren, wenn nicht der Eine von Geschäftssorgen und Mühen gänzlich absorbirt, der Andere zu indifferent wäre, um einen Tag zu opfern (?). Die Wenigen, welche aus Prag dabei waren, glauben mit Recht einen schönen Tag gewonnen zu haben, und werden im künftigen Jahre gewiß viele Nachahmer finden. An 120 Kinder waren zur Prüfung versammelt; fast Alle sind wohlaussehend, Mehre unter ihnen sehr schön zu nennen, Alle sind munter, aber doppelt froh, wenn Herr Martinoweß, der Gründer und Erhalter der Anstalt, den sie wie einen Vater lieben, ihnen naht. Eine öffentliche Prüfung scheint mir mehr bestimmt, der Schule einen Nimbus zu geben, die Eltern für die Schule zu gewinnen, den fleißigen Schülern ein Sporn und Lohn, der Gesammtheit ein Ehrentag zu sein, als von der Fähigkeit und den Kenntnissen sämmtlicher Zöglinge Zeugniß abzulegen; die prüfenden Herren, Se. Ehrwürden der Dechant und selbst die Lehrer schienen das nicht zu berücksichtigen; es wurde allzuviel und ohne Auswahl auch der unfähigste Theil der Zöglinge geprüft und so konnte es an Beschämung nicht fehlen. Das machte einen schmerzlichen Eindruck und zuletzt mußte man die armen holden Kinder, die durch 5 volle Stunden so anhaltend gequält wurden, nicht minder bemitleiden als bewundern. Doch war es andrerseits nicht zu verkennen, daß sehr Vieles und mit wahrem Eifer gelehrt wird, daß die Kinder überraschende Fortschritte machen und, was besonders zu rühmen ist, einen feinen Anstand und eine reine, schöne Aussprache sich aneignen. Im Religionsunterricht werden auch da, wie in den meisten Schulen, zu viel Worte gelehrt, das Gemüth zu wenig dabei angeregt; die Schüler antworten „ängstlich auswendig Gelerntes", aber nur wenn es dem Herzen entströmt, bleibt es dem Gedächtnisse für's Leben. Die Prüfung aus dem Hebräischen durch Herrn Frank, dem wackern Kreisrabbiner Kollins, war recht befriedigend, die *) Nicht von unserm gewöhnlichen Korrespondenten. Schüler übersetzten richtig und geläufig. Bei einer bessern Grammatik, die noch immer fehlt, müßten erstaunliche Resultate hier und überall erzielt werden und fleißige Knaben würden nicht bloß das mühsam erlernte Kapitel, sondern die ganze heilige Schrift leicht übersetzen und selbst hebräisch schreiben können. Die sehr zahlreichen weiblichen Handarbeiten und Schriftproben sprachen lobend für den Fleiß der Schüler wie der Lehrer und gewährten einen erfreulichen Anblick. Wahrhaft entzückend aber war es, den Jubel der Kinder nach der Prüfung, beim Wiedersehen ihrer aus den umliegenden Orten herbeigekommenen Eltern mit anzuschauen. Mit Rührung und Dankbarkeit nahmen sie von Herrn Martinoweß und den Lehrern Abschied und außer einigen Klagen über den Zustand der Garderobe der Kinder, drückte Alles die vollste Zufriedenheit aus. Die Wohlthat dieser Anstalt wird so allgemein empfunden, daß sich von allen, selbst den entfernteren Theilen Böhmens Pensionäre zur Aufnahme drängen, allein die Verhältnisse zwingen zu deren Zurückweisung insolange nicht für eine großartigere Lokalität und Mittel zur Deckung der die geringen Einnahmen übersteigenden Kosten gesorgt ist. Möge Herr Martinoweß zur Hebung dieser Schwierigkeiten die lebhafteste Unterstützung finden und es unterliegt dann keinem Zweifel, daß unsere Enkel erst recht den Segen dieser Anstalt würdigen und seinen Namen preisen werden. Prag, 10. Oktober. (Privatmitth.) Mit Freuden ergreife ich die Feder Ihnen die erfreuliche Mittheilung zu machen, daß am 24. v. Mts. die erste Versammlung eines zu gründenden „Vereins für Heranbildung israelitischer Handwerker" stattgefunden, der uns viel Verdienstliches bringen wird. Es sei mir aber eine kleine Unterbrechung gestattet und ich will zuvörderst kurz aber genau an den Umstand erinnern, der die Entstehung und Veranlassung hiezu gegeben. Es besteht nämlich seit zwei Jahren eine geschlossene Gesellschaft, gering an Personenzahl aber reich an Geisteskraft und Gesinnungstüchtigkeit, zum Zwecke habend, sich einander in den mannigfachsten Literaturerscheinungen belehrend zu unterhalten und die gemachten Fortschritte in den verschiedentlichsten Zweigen des wissenschaftlichen und industriellen Lebens — die Politik ist ganz ausgeschlossen — leb»

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