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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-10-19 · Heft 43 (19.10.1846) · p. Seite 630

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 43 (19.10.1846)
Date
1846-10-19
Page
Seite 630 (sequence 6)
Language
German
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630 dessen Berechtigungen von keinen einschnürenden Formen sich mehr verkümmern lassen werde. Berlin, 6. Oktober. (Privatmitth.) Unter 900 Militärpflichtigen, welche Berlin in diesem Jahre liefert, sind 60 Juden, also I auf 15, was ein höchst günstiges Verhältniß ist, da der Bewohnerschaft nach kaum auf 40 Seelen 1 Jude kommt. —. Die Wahl der Reformgenoffenschaft für einen zweiten Prediger ist durch unvorhergesehene Ereignisse annullirt worden. Dieselbe hat mit ihren Wahlverhandlungen bis jetzt viel Ungunst erlitten. Oesterreich. Lemberg, 25. September. (Privatmitth.) Am 18. d. hat mit ergreifender Feierlichkeit die Einweihung des deutsch-israelitischen Bethauses stattgefunden. Es wurden dabei deutsche Psalmen gesungen, und das Ganze hinterließ den wohlthätigsten Eindruck, der sicherlich ein bleibender sein wird. Prag, 27. September. (Privatmitth.) Es war heute die erste Versammlung eines Vereins zur Heranbildung von Handwerkern unter den Juden Böhmens. Lange schon fühlten es unsere Besserdenkenden, daß ein solcher Verein hier mehr als irgend wo Roth thue. Der Kleinhandel ist wol nirgend tiefer gesunken und bedauernswerther als hier, während der fleißige Handwerker sich reichlich nährt. Aber nicht die Scheu vor dem Handwerksstande machen eine Nachhülfe und die Obsorge eines Vereins nöthig; im Gegentheile würden langst Viele aus Ekel vor dem weder nährenden noch ehrenden Schacher den Markt verlassen und in Werkstätte eingetretcn sein, wenn nicht in der Intoleranz christlicher Meister, in der rechtlichen oder vielmehr unrechtlichen bürgerlichen Stellung Hindernisse lägen, welche den Einzelnen ohne Nachhülfe eines Vereins abschrecken müssen. Mehre junge Leure, zum Theil Doktoren juri8 und der Medizin, machten den Anfang zu diesem löblichen Unternehmen, ließen einen Aufruf ergehn, entwarfen die Statuten nach Muster der besten bereits bestehenden ähnlichen Vereine, sammelten bei den angesehensten und reichsten Gemeindemitgliedern und beriefen nun diese Spender und andere angesehene Männer*) zur Verlesung der Statuten und Wahl des Ausschusses. Die Debatten über Erstere waren lebhaft, besonders über den Punkt, ob sich das Wirken des Vereins vorzugsweise auf zur prager Gemeinde gehörende Individuen oder auf das ganze Land (Böhmen) erstrecken soll. Letzteres verlangte Herr von Lämmel und begründete es mit treffender Rede, dennoch erhielt die ursprüngliche Fassung, welche die Aufnahme von Jünglingen aus den Landgemeinden vom pekuniären Beitritt der betreffenden Gemeinde abhängig macht, die Majorität. Wenn man bei dieser ersten Versammlung auch alle Ordnung vermißte, so ist dies wol damit zu entschuldigen, daß es noch an einem leitenden Ausschuß fehlte und verzeiht man es gerne um der lebhaften Theilnahme, die sich dabei kund gab, — aber kaum zu entschuldigen ist die Art, wie sich Herr Vorsteher M. I. Landau über den Sabbat äußerte, den er einen hindernden Artikel nannte. DieStatuten schwiegen absichtlich darüber. — Herr Landau fürchtete vermutlich, daß einige Mitglieder verlangen möchten, „es sollen die Statuten den Obsorger verpflichten, sich bei Unterbringung der Lehrlinge nach Möglichkeit dafür zu verwenden, daß selbe die Sabbate und Feste feiern dürfen." Doch solche Stimmen brachte die jedes religiöse Gemüth verletzende Ausdrucksweise nur für den Augenblick zum Schweigen, und hätte ohne den Umstand, daß kein Theologe, selbst der hochgeehrte Rabbiner Rapoport und der Tempelprediger Herr Kämpf nicht geladen waren, gewiß zu unerfreulichen Debatten geführt. Ueber 2200 Fl. K. M. sind bereits gezeichnet und mindestens eben so viel hat man vom Lande zu erwarten; die bereits zugesicherten Jahresbeiträge versprechen auch ein bedeutendes jährliches Einkommen, und der Zeitpunkt, da sich Alles der Aufhebung der Judensteuer freut, kömmt dem Unternehmen sehr zu Statten. Herr L. Edler von Portheim wurde zum Direktor erwählt, und wird sich gewiß auf's Wärmste dafür verwenden, die Wahl des Sekretärs in Herrn vr. Gitschin, so wie der übrigen Ausschußmänner war eine so taktvolle, daß ein schnelles Gedeihen und segenreiches Wirken dieses Vereins außer allem Zweifel steht. *) Ein Versehen war es jedenfalls, daß einige angesehene jüdische Handwerker Prags nicht geladen waren.

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