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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-10-19 · Heft 43 (19.10.1846) · p. Seite 629

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 43 (19.10.1846)
Date
1846-10-19
Page
Seite 629 (sequence 5)
Language
German
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629 durchwindende Entwicklung sek, und begrüßen freudig dieses sich kundgebende neue Leben als ein Zeichen inniger Theilnahme an dem was die Zeit trägt und bewegt. — In zwei Städten ist es besonders, wo die religiösen Zustände der Gemeinde in gedeihlichen Fortschritten sich zu gestalten versprechen, Oppeln und Gleiwitz. Wenn eine Gemeinde einmal zu der Erkenntniß gekommen ist, daß es ihr an wahrhaft gebildeten Männern Noth thut, dann ist auch die Hoffnung vorhanden, daß sie mit Ernst an die Einführung des Bessern und Edlern denken, daß sie den Schutt, der Jahrhunderte lang, so viel des Kostbaren und Vortrefflichen vergraben, wegräumen werde. In Gleiwitz sollte Herr Neuda, ein Rabbiner aus Mähren, ausgenommen werden, er konnte aber, als Ausländer, die Genehmigung der Regierung nicht erlangen. Wir glauben, ohne Herrn Neuda zu nahe treten zu wollen, daß im Jnlande ebenfalls gediegene Männer anzutreffen sein werden, und daß eine öffentliche Ausschreibung in Zeitungen gewiß manchen tüchtigen Rabbiner hinführen wird. Die Gemeinde zu Oppeln, die an die Anstellung eines Rabbinatskandidaten noch die Bedingung knüpft, daß derselbe auf einer preußischen Universität rite promovirt haben müsse, scheint mir zu enge Grenzen für die Aspiranten gezogen zu haben. Wenn der Kandidat einmal rite promovirt hat, so wissen wir wahrlich nicht, worin der Unterschied liegen soll, ob dies auf der Universität zu Heidelberg z. B. geschehen ist oder auf der zu Halle. — Uebrigens ist beiden Gemeinden zu wünschen, daß ihre Wahl keine voreilige sein möge, daß eine genaue Prüfung und reifliche Ueberlegung derselben erst vorausgehn, daß wenn sie sich einmal entscheiden wollen, Niemand wieder die Gemüther erhitze und die gute Sache verschiebe. Breslau, 9. Oktober. (Privatmitth.) Die Beschlüsse der dritten Rabbinerversammlung fangen nun an in unsrer Gemeinde ihre Verwirklichung zu finden, und was vor kurzer Zeit noch als bescheidnen Wunsch auszusprechen man kaum gewagt haben würde, hat nun in der Gesammtheit seinen Ausdruck, seine Erledigung sich zu erringen gewußt. Wie lange ist es her, daß man hier noch mit einer bestimmten Hartnäckigkeit manches aus unserm religiösen Bewußtsein gänzlich geschwundene Gebetstück in der Synagoge zu erhalten suchte, daß man um jedes unserm Leben der Gegenwart noch so sehr entfremdete Element ängstlich markte und feilschte; wie lange, daß man mit einer durch Nichts erschütternden Zähigkeit den lieben Götzen der Gewohnheit umklammerte, und mit gläubigem oder ungläubigem Herzen ihm den Weihrauch brachte? Und siehe ein kurzer Raum ist dazwischen getreten, und Alles hat sich anders gestaltet, hat nach anderen Gesetzen sich umgebildet. Aber eben daran erkennt man den mächtig herrschenden Geist der Zeit, daß der von ihm erzeugte Fortschritt, wenn er sich auch zuweilen von dem bleiernen Gewichte der Gewohnheit oder des Vorurtheils hemmen und aufhalten laßt, mit verjüngter Kraft dann wieder sich beschwingt, und mit doppelter Anstrengung den Damm durchbricht, der in seinem Lauf ihn gestört. Der zweite Feiertag, der sogenannte tf', ist nun auch hier in unserer Gemeinde de jure et de facto von der Kanzel herab aufgehoben worden. Am ersten Feiertage hat Geiger in der beredten Weise, die ihm eigen ist, die Gründe noch einmal auseinander gesetzt, die die Rabbinerversammlung bei der Aufhebung des zweiten Feiertages geleitet hatten, und bestimmte dann, daß dieser Feiertag fernerhin nicht mehr als ein Hemmniß des werktägigen Verkehrs zu betrachten sei, sondern daß jegliches Geschäft und jegliche Arbeit an ihm vorgenommen werden könne; daß aber, weil vielleicht noch Manche ihre Skrupulosität nicht beseitigen möchten, der Gottesdienst, in einiger Abänderung jedoch, stattsinden solle. Diese Abänderung war folgender Art: das Kidusch wurde am zweiten Abend ausgelassen, ebenso das Duchan am Tage, wie überhaupt der Gottesdienst mehr einen wochentäglichcn Charakter an sich trug als einen feiertäglichen, indem der Choralgesang bedeutend'sich verkürzte. — Auch verkündete Herr Dr. Geiger» daß nun der dreijährige Zyklus der Toraverlesung eingeführt werden wird, und daß die Hagiogcaphen bei der Haphtora ebenfalls eine Berücksichtigung finden sollen. Daß an den hohen Feiertagen Rosch-Haschana und Jom-kippur auch deutsche Gebete, einen Theil unsrer Andacht ausfüllten, braucht wol erst keiner Erwähnung. So gehen wir denn immer mehr der Aussicht entgegen, daß eine Versöhnung zwischen das Leben und die Religion eintreten werde, daß alle die Verpuppungen, die den echten, einzigen Kern unseres Glaubens umgeben, einst fallen, und der Jude seinen Antheil an dem Leben und

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