Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 43 (19.10.1846)
- Date
- 1846-10-19
- Page
- Seite 628 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3225443-3225487--08091-3238889- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
628 Geht, und erinnert euch, daß Aegypten ein Land sein wird, wo alle Kulte mit völliger Freiheit geübt werden können." Italien. Rom, im September. Auch die italienischen Juden feiern den neuen Papst mit Enthusiasmus. Dr. Mose Leone Fiozi hat ein „poetisches Bild Pius' IX." erscheinen lassen, worin es heißt: Dolce in >>unir, in perdonar im dio, questa e Ia vera iramagine di Pio. (Sanft im Bestrafen, ein Gott im Verzeihen, dies ist das wahre Bild von Pius.) L. V. Levi und Arnolds Veniziani haben schöne Sonnette an den Papst gerichtet. (Aich. isr. de Fr.) —. Heinrich Avigdor zu London hat einen Ausruf erscheinen lassen, zu Bildung von Konnte's, um die in Piemont schrecklich gedrückten Israeliten zur Auswandrung nach Algier zu unterstützen. Er selbst hat sofort 50V Frs. (133Thlr.) gezeichnet. (Id.) Türkei. Konstantinopel. (Voiee of Jacob.) Man geht hier damit um, ein Korps Pompiers (Feuerlöschmänner) aus Israeliten und Armeniern zu bilden, da die türkische Lehre vom Fatalismus keine großen Dienste von Seiten der Türken erwarten läßt. Holland. Amsterdam, im August. (Arch. isr. de Fr.) Am 5. Juli feierte der Rabbiner der hiesigen portugiesischen Gemeinde, I. de E. Fcrrares, seine goldne Hochzeit. Eine Rede hielt dabei der Sohn des Jubelpaares, Großrabbiner im Haag. Zu Ende heftete er an die Brust des Vaters die Insignien des niederländischen Löwenordcns, welche ihm der König vor seiner Abreise aus dem Haag für seinen Vater zugesandt hatte. Nächst dem verstorbenen Herzveld zu Zwolle ist es der erste Rabbiner, der diesen Orden wieder erhalten hat. Preußen. Aus Oberschlesien, 2. Oktober. (Privatmitth.) Die Schmutzartikel gegen die Rabbinerversammlung, die in gewissen jüdischen Blattern bis zum Ekel wiedergekäuet werden; die Protestationen und Verwahrungen der Ultra-Reformer in Frankfurt am Main vermögen nicht den Eindruck zu verwischen, welchen die diesjährige Versammlung auf die Gemeinden unsrer Provinz hervorgebracht hat. Die Entschiedenheit, mit der sie jeder hohlen, vagen, auf nichts sich basirenden Reform entgegentrat; der Ernst und die Würde, die die Versammlung bei ihren Berathungen auszcichnete, haben ihr reiche und tiefe Sympathien unter dem Volke verschafft. Das Volk, das mit seinem schlichten, einfachen Verstände sehr oft ein richtigeres Urtheil und einen klarern Einblick in die Dinge hat, als mancher Phrasendrechsler alter und neuer Richtung, weiß die Wirksamkeit und die Bestrebungen der diesjährigen Rabbinerversammlung zu würdigen und wird ihre Beschlüsse, sobald erst die Gemeinde unsrer Hauptstadt dieselben effektuirt haben wird, sich gewiß zu eigen machen. Denn das Bedürfniß nach einer zeitgemäßen Umgestaltung der jüdischen Zeremonien spricht sich überall aus; in jedem Städtchen, wo man ein jüdisches Gemeindeleben antrifft, da will auch sein krankhafter Zustand gesunden, das Blut schneller kreisen, und der Geist in lichteren Räumen sich bewegen. Ja selbst in B. und S...., wo die Herren Rabbiner (von welchen übrigens noch vor Ablauf künftigen Jahres ein Büchlein des Titels erscheinen wird: Würdigung der dritten Rabbinerversammlung zu Breslau, auch zu gebrauchen für die vierte in N. N.) jeden freien Luftzug abzuschneiden sich bemühen, strömt die gewaltige Fluth der ideenreichen Gegenwart dennoch ein, und wird auch dort, wenn auch später, manches wegspülen und ebnen, was von den Trümmern einer untergegangenen Zeit übriggeblieben ist. Ja in allen Theilen unsres Oberschlesiens fühlt man sich von dem frischen Frühlingshauch angeweht, der neue Schöpfungen hervortreibt und gedeihen läßt, und wenn auch Dr. L. in R. in seiner nun im Drucke erschienenen Predigt unsre Zeit mit dem nach einer schwülen Sommerhitze, die Alles niederbrannte und verzehrte, eingetretenen Herbste vergleicht, und die noch zu versammelnden Theologen des Herrn Dr. Frankel als die alleinigen Winzer in diesem verwelkten Weinberge anstellen will, so glauben wir dennoch, daß diese Regsamkeit, diese rüstige Thätigkeit vielmehr im Werden, eine zwischen Kämpfen und geistig-organischen Prozessen langsam sich