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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-10-12 · Heft 42 (12.10.1846) · p. Seite 622

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 42 (12.10.1846)
Date
1846-10-12
Page
Seite 622 (sequence 14)
Language
German
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622 Gewissen zu, sobald Du nur Maurin wirst, um Dein Leben zu retten. Du siehst hieran, mein Kind, wie sehr ich Dich liebe, um so mehr, da ich diesen Schritt, ohne Erlaubniß des Kaisers gethan habe. Deine Chachamim werden zu Dir kommen, und Dir selbst das sagen, was Tu so eben aus meinem Munde vernommen hast, und wenn Du Dich von der Wahrheit meiner Worte überzeugt haben wirst, so werde ich mich glücklich schätzen, zu Deiner Rettung beigetragen zu haben. Aber, wie, meine Nachricht scheint Dir keine Freude zu machen, was ist Dir, liebe Sol, Du wirst bleich, bist Du unwohl?" — Sol sah mit tiefernstem Ausdrucke einige Minuten lang den Kadi an, und ihre Gesichtszüge verriethen den Kampf, den seine Worte in ihrem Innern hervorgerufen hatten; nachdem sie sich etwas beruhigt hatte, erklärte sie sich bereit, am folgenden Tage mit den Chachamim sich zu besprechen, und von dem Resultate dieser Unterhaltung ihren letzten Entschluß abhängig zu machen. Obwol der Kadi vorgegeben hatte, der Kaiser wisse Nichts von seiner Besprechung mit den jüdischen Gelehrten, so war dieses doch eigentlich ein zwischen ihnen abgekarteter Plan, indem der Kaiser die Cachamim hatte vor sich rufen lassen uod ihnen erklärt hatte, daß wenn sie die gefangene Jüdin nicht zum Uebertritte bewegen würden, er dieselbe enthaupten und sie selbst die ganze Last seines Zornes fühlen lassen würde. Diese Drohung brachte die gewünschte Wirkung hervor, und schüchterte die Gelehrten so sehr ein, daß sie Alles aufzubieten versprachen, mn dem Wunsche des Kaisers zu genügen. Am folgenden Tage kamen die Chachamim in das Haus des Kadi's, und nachdem sie Sol freundlichst begrüßt hatten, sagten sie ihr, daß sie gekommen seien, um sie in ihren Leiden zu trösten und baten sie, ihnen die Gründe mitzuthcileu, weshalb sie in die Vorschläge des Kaisers nicht einginge. Die schöne Jüdin hörte sie ruhig und mit Aufmerksamkeit an, und nachdem sie ihr kuunuerbelastetes Herz durch riefe Seufzer etwas erleichtert hatte, antwortete sie ihnen also: „Der Gott, welcher von dichtem Nebelgew'ölk umhüllt auf dem Berge Sinai Moses die Tafeln des Gesetzes übergab, hat in mein Jnnres den Entschluß gelegt, treu den Vorschriften zu bleiben, welche er dem Volke Israels gegeben hat. Wiederholt habe ich in der heiligen Schrift von den schrecklichen Strafen gelesen, welche den Israeliten augedroht worden, sobald sie vom Wege des wahren Glaubens abweichen würden, ich kenne die Prophezeiungen unserer Patriarchen, und ich sehe dieselben zum Theil bereits erfüllt und die anderen ihrer Erfüllung nahe. Mahomed war ein betrügerischer Maurer, ein Abtrünniger von dem ursprünglichen Gesetze, und ich vermag weder an sein Paradies noch an seine Seligkeit zu glauben. Treu den Vorschriften meiner Religion habe ich dieselbe in das Innerste meines Herzens eingegraben; treu meinem Gotte, dem Gotte, welcher Abraham in frommer Ergebenheit seinen eigenen Sohn zu opfern bereit war, bin auch ich entschlossen, ihm mein Leben zum Opfer darzubringen, die er mir befohlen, seinem Gesetze nicht untreu zu werden. Also hoffe ich seinen erhabenen Willen und meine Pflichten als gute Jüdin zu erfüllen. Welche Macht auf Erden vermöchte wol das umzustoßen, was die Hand des Ewigen vorgeschriebe« hat." (Schluß folgt.) Anzeiger. In demselben werden Annoncen aller Art gegen 1V4 Ngr. (1 gGr.) Gebühren für die gespaltene Zeile ans Petit-Schrift oder deren Raum sowie literarische, merkantile tt. a. Beilagen ausgenommen. Die Verlagshandlung. Vakanzen. Einige Vorsänger- und Religionslehrerstellen sind zu besetzen. Auf portofreie Anfragen ertheilt die Unterzeichnete Stelle nähere Auskunft. Meisen heim. Das landgwfl. Rabbinat. Flehinger. , Mit dem 1. Marz 1847 wird die hiesige Lehrer¬ und Kantorstelle mit einem jährlichen Gehalte von 150 bis 180 Thlr. vakant. Diejenigen, welche diese Stelle zu besitzen wünschen, haben sich unter srankirten Briefen baldigst zu melden. Bochum, den 20. September 1846. Der Synagogen-Vorstand. Lehrlingsgesuch. In meiner dahier etablirten Schönfärberei und Druckerei findet ein Sohn rechtlicher Eltern unter annehmbaren Bedingungen sofort ein Unterkommen als Lehrling. Lemförde, den 20. September 1846. Julius Oppenheimer.

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