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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-10-12 · Heft 42 (12.10.1846) · p. Seite 621

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 42 (12.10.1846)
Date
1846-10-12
Page
Seite 621 (sequence 13)
Language
German
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621 fand noch weit mehr Gefallen an Dir, als ich Dich im Hause meines Sohnes sprechen hörte. Ich stand hinter Dir verborgen, als Du sprachst, und freute mich im Namen des Propheten, Dich Ln meiner Gewalt zu haben. Als Du diesen Morgen über die verschiedenen Religionsbekenner so schön Dich aussprachst, befand ich mich im Garten, und ein Polva (Gesetzeskundiger), welcher mir zur Seite stand, sagte mir: diese Jüdin muß die Gattin eines edeln und mächtigen Mauren werden. In diesem Augenblicke faßte ich den Plan, Deine Schönheit zu belohnen und Dich mit einem meiner Reffen, einem schönen, reichen und ritterlichen Manne, zu vermählen; und ich habe einen Diamanten für Dich bestimmt, dessen Werth alle Reichthümer der Fürsten anderer Länder übertrifft. Du stehst, schöne Sol, Geschenke der Art sind wol Deiner Aufmerksamkeit würdig, und gewiß, Du wirst sie nicht von Dir weisen." — „Mächtiger Gebieter und Herr," entgegnete die Jüdin, „ich gestehe Dir, daß in meiner jetzigen Lage Nichts meine Aufmerksamkeit rege macht, Nichts mich entzückt, denn die Erinnerung an meine geliebten Eltern und an meinen Bruder lastet schwer auf meinem Herzen." — ,,Nun wohl, Tu sollst Deine Eltern und Deinen Bruder Wiedersehen, allein nicht eher, als bis Du Maurin geworden bist." — „Dann sage lieber, o Herr, bis Du gestorben fein wirst, denn ich werde niemals Maurin werden." — „Eigensinniges Mädchen," rief der Kaiser aus, „wer hat Dich diese Verwegenheit gelehrt, wer hat Deinen Verstand so verwirrt, daß Du meine glänzenden Anerbietungen auszuschlagen wagst? Denke einen Augenblick nach, und wähle zwischen einem glanzvollen Leben und dem Tode der Verbrecher; entschließe Dich schnell, oder wünschest Du längere Bedenkzeit, so ziehe Dich in Dein Gemach zurück und fasse Deinen Entschluß." „Herr," erwiderte die Jüdin, „mit tiefem Danke erkenne ich es an, daß Du mir eine Auszeichnung zugedacht hast, die ich nicht verdiene; die Anerbietungen, die Du mir machst, sind eines so erhabenen und großen Fürsten würdig — aber eine arme Jüdin, welche fest entschlossen ist, ihren Glauben nicht zu ändern, kann diese Anerbietungen nicht annchmen. Wenn ich für meinen Entschluß den Tod verdiene, so will ich ihn in demüthiger Ergebenheit gern erdulden, aber in mir spricht laut eine Stimme, daß der Gott der Gerechtigkeit, welcher meine Unschuld kennt, mich rächen wird." — „Unglückliches Mädchen, so hast Du denn selbst den Stab über Dir gebrechen, ich gebe Dich von nun an auf und überantworte Dich der Strenge des Gesetzes, ich kann nichts mehr für Dich thun." Mit diesen Worten erhob sich der Kaiser von seinem Sitze, warf noch einen Blick des Mitleids auf das unglückliche Mädchen, und entfernte sich aus dem Gemache. Die arme Sol blieb tief erschüttert zurück und brach in einen Strom von Thränen aus; nach wenigen Augenblicken trat der Kaidmia herein und gebot ihr, ihm zu folgen. Der Kaiser hatte befohlen, daß der Kadi die Sache entscheiden solle, jedoch nicht eher, als bis auch er alle Mittel der Ueberredung und der Milde erschöpft haben würde. Der Kaidmia führte daher Sol in das Haus des Richters, welcher sie freundlich aufnahm uud ihr ein Zimmer in seinem eigenen Hause anwies. Sol aber betrachtete ave diese Auszeichnung nur als ein neues Märtyrthum, und sehnte sich fast mit Heftigkeit nach dem Ende ihrer Leiden, welches sie nun nur noch im Tode suchte. Jener Jude, welcher im Aufträge der Eltern Sol's dieselbe auf ihrer Reise nach Fez begleitet, hatte jenen bereits Alles, was seit ihrer Ankunft vorgefallen war, mitgetheilt. Zu Fe; selbst, wo gleichfalls Alles bekannt worden war, bemühten sich die daselbst wohnenden Juden so viel als in ihren Kräften stand, die Freilassung der Gefangenen zu bewirken, allein vergebens, denn die Mauren hatten den unwandelbaren Entschluß gefaßt, die Jüdin zu bekehren, und wollten dieselbe um keinen Preis mehr aus ihren Händen lassen. Der Kadi wachte sich, treu den Geboten des Kaisers mit Eifer und Ausdruck an sein Bekehrungswerk, und brachte täglich 6 Stunden bei Sol zu, um sie auf jede Weise für seinen Glauben zu gewinn nen. Allein alle seine Bemühungen blieben vergebens, Sol beharrte unerschütterlich auf ihrem Entschlüsse uud wies hartnäckig und fest alle Ermahnungen und Anerbietungen des Kadi's von sich. Da dieser endlich erkannte, daß er nicht im Stande sein würde, den Willen der Jüdin zu beugen, und dennoch ihr seine Theilnahme nicht versagen konnte: so versuchte er noch einen Kunstgriff, durch welchen er sie zu fangen hoffte. Er trat eines Morgens sehr früh in Sol's Zimmer ein und sagte zu ihr: „Meine Tochter, ich freue mich Dir heute eine tröstliche Nachricht bringen zu können. Von tiefer Theilnahme für Dein Schicksal ergriffen, und von Liebe zu Dir erfüllt, als wenn Du meine eigne Tochter wärest, suchte ich die Chachamim (Gelehrten) Deines Volkes auf und besprach mich mit ihnen über Deine gegenwärtige Lage. Sie haben mich versichert, daß wenn Du nur aus Furcht die ewige Seligkeit zu verlieren Deinen Uebertritt verweigerst, Du in dieser Beziehung ganz beruhigt sein mögest, denn sie sichern Dir dieselbe auf ihr

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