Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 42 (12.10.1846)
- Date
- 1846-10-12
- Page
- Seite 618 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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618 edler Beförderer des Guterf ist deren Gründer und Stifter. Die Kanzel ist nun zwar seit Kurzem verwaiset. Herr Leopold Löw folgte einem Rufe nach Papa, seine Lage dort in pekuniärer Hinsicht zu verbessern. „Allein besser ein Gericht Kraut in Frieden, als ein feistesRind in Unfrieden." Hier lebte er friedlich, allgemein geehrt und geschätzt, während er nun dort vom größten Thcile verkannt, ja gehaßt und verfolgt wird. Hier ward sein Rednertalent in vollem Maße gewürdigt, während er dort tauben Ohren predigt. Hier fand er eine wolilorganisirte Schule vor, welche dort erst in's Leben zu rufen ihm kaum möglich sein wird. Hier findet der würdige Rabbiner den fruchtbarsten Boden, um die herrlichste Pflanzung zum Gedeihen zu bringen. Möchte sich daher recht bald der geeignete, würdige Mann finden, der den gegenwärtigen Flor der Gemeinde noch mehr zu heben vermöchte, und möchten sich hierum recht viele wackere Männer bewerben^ eh. Die Schweiz. Bern, 26. September. (Bern. Zeit.) Der Regierungsrath hatdie Judenverordnung von 1819 aufgehoben und die Juden unter das allgemeine Fremdengesetz von 1816 gestellt. Die Abweichungen, welche die Judenverordnung von dem Fremdengesetze enthielt, betrafen vorzüglich: 1) Die Lösung von Handelsscheinen; die Juden mußten solche lösen unter Strafe der Ungültigkeit aller Verhandlungen, die sie mit Privaten pflogen. Diese Bestimmung war seit 1839 nie mehr angcwcndet worden. 2) Die Darlehen aus Faustpfänder; die Juden waren darin einer sehr strengen Kontrole unterworfen, um den Wucher zu verhindern, welcher ihnen so streng nachgeredet wird. Bei dem Bestehen der Kantonaldank und anderer ähnlicher Institute darf diese Ausnahmsbestimmung in Zukunft ganz gut Wegfällen; übrigens wäre mit gleichem Grund den christlichen Wucherern entgegenzutreten. 3) Daß die Juden ihre Handelsbücher nicht in hebräischer Sprache führen. Auszüge. Die hel-eiimüthige Jüdin, oder: Das Märtyrthum der jungen Hachnel. Eine wahre Begebenheit. Frei nach dem Spanischen von (Fortsetzung.) Der Morgen brach an, die Nachtigall und die Lerche kündigten durch ihre Melodieen und Gesangesweisen das Erscheinen des Gestirnes des Tages an; die Blumen, von den durchsichtigen Strahlen des Morgens berührt, öffneten ihre zarten Kelche und hauchten die zartesten Wohlgerüche aus, welche der zarte Zephyr, der den Ort, wo die Göttin der Tugend nun weilte, mild umsäuselre, auf seinen Schwingen davontrug. Am Schlosse befand sich eine kleine, von krystallhellem Glase bedeckte Gallerie, welche von großen und dichtbelaubten Lorbeerbäumen, Zypressen und Myrrhen umgeben war, zwischen welchen sich blätterreiche Limonien erhoben und der pittoreske Zimmtbaum zwischen dem dauernden Grün seiner Blätter seine dunkelfarbigen Zweige hervorschimmern ließ. In den kleinen Zwischenräumen streckten der Jasmin, die Malve und der Rosenbaum ihre zarten Stämmchen in die Höhe, auf deren Gipfel sich weiße, gewürzreiche Blümchen schaukelten. Die Levkoye und die Lilie schienen fast neidisch darob zu sein, sich nicht den Reizen der anderen Sträu, cher anschließen zu können, aber sie erhoben sich siolz über das bescheidne Veilchen, den Nardus und die Balsamine, welche einen buntfarbigen Teppich auf dem grünen Rasen bildeten, der den übrigen Theil des Gartens bedeckte. Inmitten dieses herrlichen Aufenthaltes nun, welchen die Liebe selbst zu ihrer Feier geschaffen zu haben schien, befand sich jene Gallerie, auf welche die liebliche Sol aus dem erquickenden Schlummer neugesiärkt und heiter erwacht in der Frühe des Morgens hinaustrat, und entzückt ihre Blicke über die Blüteukinder der Natur schweifen ließ. Sie sah mit feuchtem Auge den muntern Chor der leichtbeschwingten Vögel auf den Zweigen und Aesien sich schaukeln und beneidete sie um ihre glückliche Freiheit. „O, wer mit euch tauschen könnte," rief sie aus, „sei es auch mit all den Gefahren eures Daseins — doch ich täusche mich, diese kleinen Vögel sind nicht frei. So wie dieser Garten mit den köstlichen Blumen und den schönsten Bäumen nur zum Vergnügen eines Machthabers geschmückt ist, so sind auch diese Vögel Ge-