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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-10-12 · Heft 42 (12.10.1846) · p. Seite 617

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 42 (12.10.1846)
Date
1846-10-12
Page
Seite 617 (sequence 9)
Language
German
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617 Eben so finde ich es mit Ihnen angemessen, daß die Borlesung der im §. 330. Tit. 10. Th. I. der Allgemeinen Gerichtsordnung vorgeschriebenen, nur auf assertorische Eide passenden Vorhaltung unterbleibt, und statt dessen dem Rabbiner oder Assessor überlassen wird, den zu vereidenden Juden durch eine angemessne Ansprache auf die Wichtigkeit des Eides und auf die Strafen der Eidbrüchigkeit hinzuweisen; der Eid selbst aber nach der in der allerh. Kabinetsordre vom 5. November 1833 (Ges.-Sammlung S. 201) vorgeschriebenen Eidesformel mit der Veränderung abgeleistet wird, daß der Jude schwört: „ich N. N. schwöre bei Adonai, dem Gott Israels, daß je. — Mitwirken will", und am Schluffe noch die Worte: „Wenn ich falsch schwöre, so müssen mich diejenigen Strafen treffen, welche mir in der geschehenen Vermahnung angcdeutet worden sind. Amen." Ew. Hochw. überlasse ich, hiernach die königl. Regierungen der Provinz gefälligst mit Anweisung zu versehen. Berlin, den 19. Juli 1846. Für den Minister des Innern. Im Aufträge. v. Manteuffel. Oesterreich. Aus Kbcrungarn, 26. September. (Prioatmitth.) Man darf nur einen Blick in unsere Zeitungen werfen um sich zu überzeugen, in welchem schlechten und ungeregelten Zustande sich unser Schulwesen befindet. Gerade diejenigen Gemeinden, in welchen sich der Geist des Fortschritts regt, lieben zum großen Nachtheil der Schule den allzu häufigen Wechsel des Lehrerpersonals. So schreibt die Gemeinde Miskolz, welche vor 2 oder 3 Jahren eine neue Schule gründete, einen Konkurs für ihr gesammtes Lehrcrpersonal aus; eben so die Gemeinde Szegedin; Groß-Kanischa hat in einem halben Jahre zweimal Konkurs ausgeschrieben. Welche Liebe und welche Hingebung kann aber in dem tüchtigen Schulmanne erwachen und erstarken, wenn seine Stellung und Existenz an der Schule so prekär und schwankend ist! — Eben so liegt unser Rabbiner- und Predigerwesen in einem sehr verwirrten Zustande. Von den 4 bis 500 Gemeinden unsres Vaterlandes haben etwa 5 oder 6 Gemeinden junge wissenschaftliche Rabbiner, wovon Chakathürn, eine kleine Gemeinde an der steierschen Grenze, seinen Rabbiner fortgeschickl hat; Ketschkemet ist mit dem seinigen nach dem Grundsätze: swn nuee'w *u' ins verfahren; der Rabbiner von Szegedin wird vom Glücke zu sagen haben, wenn er gleichem Schicksale entgeht, nur L. Löw, früher Rabbiner in Kanischa, hat ungezwungenerweise das Rabbinat in Papa angenommen. Groß-Kanischa, 27. September. (Privatmitth.) Die Fama hat lÜZAst schon zu Gunsten der hiesigen Jsraelitengemeinde entschieden, daß dieselbe eine höhere Bildungsstufe erreicht, und so vielen und zahlreicheren Gemeinden des Vaterlandes auf der Bahn des zeitgemäßen Fortschritts den Vorrang abgewonncn habe. Der Wohlstand des hiesigen Orrs und dessen vorthcilhafte merkantilische Lage lockte schon längst von nah und fern die gcbildersten, kcnntnißreichsten Männer herbei, die hier leicht Unterkommen fanden; und diese übten durch Wort und Beispiel auf Sitten und Kultur, Religion und Leben den wohltätigsten Einfluß aus. Blinder Fanatismus, der nur nach dem Aeußcrlichcn richtet, nach dem Schein verdammt, verketzert, ist von hier verbannt worden. — Um die Heranwachsende Jugend mit nützlichen Kenntnissen zu bereichern, den Samen der Gottesfurcht und der Erkenntniß des Wahren und Guten in ihr Herz zu streuen, ward schon längst eine vortreffliche Lehr- und Bildungsanstalt hier begründet, welche die heilsamsten Folgen hat. Es beurkundet auch den Wohlthätigkeitssinn der Gemeinde, daß die sämmtliche arme Jugend die Wohlkhat des Unterrichts mitgenießen kann. Zur Belebung und Erweckung der Andacht und der Feierlichkeit des Gottesdienstes ist hier auch weislich gesorgt, Ordnung, Ruhe und Stille wird streng gehandhabt und aufrecht erhalten. Auch fehlt es hier nicht an einem wohlgeübten Sängerchor, und einem mit Kraft, Aumuth und Wohlklang der Stimme herrlich begabten Vorsänger. Der hiesige Tempel, ein neues, schönes, großartiges Gebäude, ward bereits auch mit einer Orgel bereichert und verziert. Nur ein Einzelner, 42*

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