Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 42 (12.10.1846)
- Date
- 1846-10-12
- Page
- Seite 613 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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613 Paramaribos unterhalten wird. Da es gerade Regenzeit war, wo das Reisen in jenen Ländern wegen der täglich fallenden heftigen Regengüsse mühsam ist, und die Kolonie zwei Tagereisen von Paramaribo entfernt liegt, so war es mir nicht gegönnt, diese mir in vieler Hinsicht merkwürdigen Plätze selbst zu sehen, und mußte ich mich daher mit den hierüber erhaltenen mündlichen Mittheilungen begnügen. Es bleibt mir noch übrig, Ihnen Einiges über die jüdische Bevölkerung von Cürayao zu melden. Dieses Eiland erhebt sich plötzlich aus dem Ozean zu bedeutender Höhe, indem es seinen Ursprung vulkanischen Eruptionen verdankt. Obwvl unter 12° nördlicher Breite liegend, genießt man doch wegen der beständig das Eiland durchstreichcndcn Passatwinde beinahe eines gemäßigten Klimas. Der von der Natur selbst durch Theilung eines Felsens gebildete herrlich gelegene Hafen gewährt den Schiffen einen sichern und bequemen Ruheplatz, und giebt dem Eilande von selbst die Bestimmung eines Handelsplatzes, welche es auch seit einigen Jahrhunderten rühmlich erfüllte. Auch hier wohnt eine zahlreiche Gemeinde meistens portugiesischer Juden, die, im Jahre 1659 aus den spanischen Besitzungen vertrieben, hier eine günstige Aufnahme fanden. Die meisten Häuser der Israeliten befinden sich in einem Labyrinthe schmutziger Gäßchen, und würde der beständig von Südost kommende Luftstrom die schädlichen Ausdünstungen nicht hinwegführen, so würde bald eine außergewöhnliche Mortalität die Folge solcher ungünstig angelegter Wohnplätze sein, deren Ursache wahrscheinlich in den früher bestandenen Fortisikationen liegt, die nicht Raum genug zur Anlegung breiter Straßen in sich schlossen. Mitten unter den nicht sehr reinlichen Häusern aber erhebt sich ein ansehnliches hübsches Gebäude, die Synagoge, die an Größe und Schönheit die zu Paramaribo befindlichen noch übertrifft, und überhaupt die schönste portugiesische Synagoge ist, die ich je gesehen. Nur die Lage derselben unter dem Hauserlabyrinthe bildet einen minder günstigen Kontrast mit den in ewig blühenden Gärten erbauten Kirchen Paramaribo's. Der jüdische Begräbnißplatz befindet sich auf einer Anhöhe unweit der Stadt. Naivität mit mittelmäßigem künstlerischem Werthc ist im Allgemeinen der Charakter der zahlreichen hier befindlichen Monumente. Unter den verschiedenen marmornen Statuen, die meistens Situationen vorstellen, welche auf die Beschäftigungen und den Stand des Verstorbenen Bezug haben, fiel mir eine besonders auf, eine im Bette liegende Frau verstellend, deren Blicke auf ein neben ihr liegendes Kind gerichtet sind. Das Ganze will sagen, daß die dort ruhende Person an den Folgen einer schweren Geburt gestorben ist. Die Inschriften der Monumente theils in hebräischer, theils in holländischer oder portugiesischer Sprache verfaßt, enthalten außer den Namen und dem dazu Gehörigen bisweilen noch einige Verse, an welchen man aber den Schweiß des Verfassers bei der mühsamen Komposition noch zu sehen glaubt. Ein mit einer besondern Umzäunung versehener Platz mitten im allgemeinen Begräbnißorte zog meine besondre Aufmerksamkeit auf sich. Auf meine Frage, warum diese Gräber von den übrigen abgeschlossen seien, antwortete man mir, daß hier die Leichname jener Personen liegen, die wegen eines Religions¬ oder Gemeindezwistes nicht bei ihren Brüdern begraben sein wollten. Als nämlich einst der Vorsänger beim Lesen der Tora einen Fehler im Lesen machte, so wollte ein Theil der Gemcindcglieder ihn deshalb seines Amtes entsetzen. Da aber dieser Antrag bei den Meisten Widerspruch fand, so sonderten sich die Orthodoxen von den Liberalen in solchem Grade ab, daß sie selbst nach dem Tode nicht mehr in der Nähe ihrer Gegner liegen wollten. Uebcrall doch halten die Menschen Verschiedenheit der Meinung für Verbrechen! So viel ich indeß vernahm, ist dieser Zwist schon längst geschlichtet, und ich wünsche der jüdischen Gemeinde zu Cüra,'ao, so wie allen übrigen ferner Einigkeit und Wohlergehen! I)r. Fried mann, Marinearzt. Preußen. Berlin, im September. Ueber den in Berlin entstandenen, in No. 40. d. Bl. von einem Korrespondenten besprochenen israelitischen Vorschußverein enthält die „Zcitungshalle" folgendes Ausführlichere: „Es hat sich in diesem Jahre hier in Berlin ein Verein gebildet, der die Beachtung unserer Mitbürger im vollen Maße verdient. Der Zweck desselben ist, hülfsbedürftigen Mitgliedern der hiesigen israelitischen Gemeinde, denen noch geholfen werden kann, durch