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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-10-12 · Heft 42 (12.10.1846) · p. Seite 612

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 42 (12.10.1846)
Date
1846-10-12
Page
Seite 612 (sequence 4)
Language
German
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612 ribo ist, obwol den hochdeutschen Juden zugchürend, doch in demselben Style, aber viel großartiger erbaut, so wie auch die Gebete und Aussprache des Hebräischen den portugiesischen Israeliten gefolgt ist. Die Ursache hievon liegt sowol in der Achtung, welche die ersten hier angekommenen holländischen Juden den Portugiesen zollten, als auch in dem Umstande, daß die Vorsänger und einigermaßen unterrichteten Personen meistens Portugiesen sind. Wie die eben genannte Synagoge ist auch diese von einem immergrünenden, schattenreichen Garten umgeben, dessen hohe Palmen in dem Tempel einen angenehmen Luftstrom bewirken, und ihn vor den brennenden Sonnenstrahlen schützen. Ein auf vier Säulen ruhendes Portal umschließt drei den Haupteingang bildende Thüren. Auf dem Portale steht mit goldenen Lettern die Inschrift: 'nb« TiVsn hrx-b n:ob nbv In dem geräumigen Hause glaubt man durch die an drei Seiten angebrachten weit geöffneten Thüren und die zahlreichen hohen Fenster, welche das breite Laub der Bäume einzudringen gestatten, sich im Freien zu befinden, und das höchste Wesen in seinem schönsten Tempel, der Natur, zu verehren; aber die zierliche hohe Decke, die prachtvolle Bundeslade, und die schlanken weißen Säulen, die rechts und links die Fraucngallerie tragen, erinnern, daß das Werk von Menschenhänden sich innig an die Schönheit und Majestät der Natur anzuschmiegen wußte Eine zweite Inschrift auf der Bundeslade giebt noch einmal die Jahreszahl der Erbauung der Synagoge an, welches mir um so überflüssiger und unpassender vorkommt, da noch eine dritte holländische Inschrift uns hierüber Ausschluß gewährt. Rückwärts nämlich gegenüber der Bundeslade sind folgende Worte in eine Marmorplatte eingegraben: „Am 6. Tamus des Jahres 5595, übereinstimmend mit dem 3. Juli 1833, ist diese Synagoge errichtet, und der erste Stein gelegt durchSeine Königliche Hoheit den Prinzen Wilhelm Friedrich Heinrich, dritten Sohn von Wilhelm I., König derNiederlande." Dieser Prinz nämlich, noch gegenwärtig Kolonel bei der Marine, bereiste in jenem Jahre als Ofsizicr eines Kriegsschiffes die westindischen Besitzungen von Niedcrland, und noch jetzt wird mit Rührung davon gesprochen, wie diese erlauchte Person an allen Verhältnissen der dortigen Bewohner die innigste Theilnahme zeigte, wie sein.freundliches Benehmen einem Jeden Zutrauen und Liebe einflößte, und so das Band der Anhängigkeit und Treue noch fester knüpfte, welches den Niederländer längst unzertrennlich mit dem Hause Oranien verbindet. Zwei ziemlich große jüdische Begräbnißplätze sind bei Paramaribo gelegen. Die Grabsteine bestehen meistens aus einer horizontal liegenden Marmor¬ oder Sandsteinplatte mit hebräischen und holländischen oder portugiesischen Inschriften. Was die oben erwähnte jüdische Kolonie, die Savanna, betrifft, so datirt sich ihr Ursprung vom Anfänge des siebzehnten Jahrhunderts. Am Ufer des Surinamstromes, ungefähr 2V Meilen von seiner Mündung entfernt, da wo das Klima wegen Erhebung des Landes über die Meeresfläche gemäßigter zu werden beginnt, hat sich in jener Zeit eine Anzahl portugiesischer Juden niedergelassen. Anfangs beschäftigten sie sich ausschließlich mit Landbau und Viehzucht. Ihre Besitzungen vermehrten sich im Verhältnisse ihres Fleißes, sie singen an wohlhabend zu werden, und breiteten sich in einem Umkreise von mehreren Meilen aus. Es wurde ein prächtiger Tempel in der Mitte ihrer Besitzungen erbaut, wohin an hohen Festtagen, wie nach einem kleinen Jerusalem, alle Bewohner der umliegenden Ländereien wallfahrteten, und die Feiertage dort zubrachtcn. Noch herrscht unter den israelitischen Bewohnern Paramaribo's die Sage von jenen glücklichen Zeiten, die aber zum Theil durch die Schuld der Betheiligten selbst nicht lange währten. Viele der Plantagenbesitzer, durch Handel und Industrie reich geworden, begnügten sich nicht mehr mit diesem patriarchalischen Leben, sie verließen die Wiege ihres Glückes, um in Paramaribo von dem eroberten Vermögen in Genüssen des städtischen Lebens zu wohnen. Ihr Beispiel fand mehr und mehr Nachahmung auch unter den weniger bemittelten Familien, die in der Hauptstadt wol mehr Aufwand machten, aber nicht glücklicher lebten. Bald schwand der frühere Wohlstand, die in der Kolonie zurückgebliebenen Handwerksleute verfielen in Armulh, die Plantagen wurden durch fremde Pächter vernachlässigt, so daß gegenwärtig keine Spur des frühern Reichthums vorhanden ist. Es wohnen jedoch noch mehrere Familien in der Savanna, so wie auch der Tempel vorzüglich durch die jüdischen Einwohner

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