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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-10-12 · Heft 42 (12.10.1846) · p. Seite 614

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 42 (12.10.1846)
Date
1846-10-12
Page
Seite 614 (sequence 6)
Language
German
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614 Wiederbelebung ihres Geschäfts und ihrer gewohnten Lhätigkeit Unterstützung durch zinsfreie Geldvorschüffe zu gewähren, um dadurch dem gänzlichen Verarmen ohne Almosengabe entgegen zu arbeiten und die Zunahme der Armuth möglichst zu vermindern. Der Fonds hierzu bildet sich aus Schenkungen oder aus Darlehen, die dem Verein zinsenfrei in Summen nicht unter fünfzig Thaler und wenigstens auf zwei Jahre gegeben werden. Jedes Mitglied der israelitischen Gemeinde in Berlin, das seit wenigstens drei Jahren Hierselbst ansässig ist und eben so lange selbstständigen Handel oder Gewerbe betreibt, kann Vorschuß erhalten, wenn selbiges nicht durch eigne verbrecherische Schuld oder entehrende Gewerbe hülfsbedürstig geworden und die Aussicht vorhanden ist, daß es durch denselben wirklich in den Stand gesetzt ist, seinen Erwerbszweig zu beleben oder zu verbessern. Von jedem vorgeschossenen Thaler muß wöchentlich ein Silbcrgroschen zurückgezahlt werden, so daß 30 Wochen nach dem Lage des erhaltenen Vorschusses die gesammte Schuld getilgt ist; als Garantie für die Rückzahlung muß ein Jeder, der Vorschuß erhält, einen sichern Bürgen stellen. Die Verwaltung besorgt ein unbesoldeter Vorstand, der aus 9 Beamten besteht und aus der Zahl der Mitglieder gewählt wird. Der Verein zählt bis heute 40 Mitglieder, die sämmtlich durch Schenkungen zugetretcn sind, und besitzt bereits ein Kapital von 1100 Thalern; ausgcliehen sind an 28 Individuen 1015 Lhaler. Den Gründern hat vorzugsweise das seit 1816 in Hamburg bestehende jüdische Vorschuß-Institut als Vorbild gedient, welches nach seinem Berichte im Jahre 1841, bei Gelegenheit der Feier des 25jährigen Bestehens der Anstalt, durch Legate und Geschenke ein Grundvermögen von 6958 Bko. Mk. 5 ßl. und 5238 Konv. Mk. 14 ßl. 6 pf. besaß. Mit Hülfe der ihm zinsenfrci gegebenen Darlehen hatte dasselbe in den 25 Jahren seines Bestehens an 11,670 Individuen die beträchtliche Summe von Konv. Mk. 953,399 8 ßl. ausgeliehen und von diesem nur Konv. Mk. 263 9 ßl. auf Conto pro Dubiose bringen müssen. Dies Resultat ist der beste Beweis, wie sehr ein solches Institut, das wol Unterstützung, aber nicht Almosen giebt, den Bedrängten durch eigne Kraft wieder zu heben geeignet ist, da es den Unterstützten das peinliche Gefühl des Geschenktnehmens erspart und ihnen doch die Mittel an die Hand giebt, ihren Erwerb zu beleben und zu verbessern. Bedenkt man endlich noch, wie häufig arme Arbeiter, um in ihrer Thätigkeit nicht gehemmt zu werden, Wucherern in die Hände fallen, die anscheinend durch eine kleine Summe Geldes für den Augenblick helfen, durch hohe Zinsen den Bedrängten aber bald gänzlich zu Grunde richten, so wird der Nutzen solcher Institute noch in die Augen springender, und nicht nur können durch sie Viele vom Bettelstab gerettet werden, auch auf die sittliche Kräftigung der Menschen üben sie einen nicht zu berechnenden Einfluß aus. Möchte das hier gegründete Institut sich daher einer recht lebhaften Theilnahme zu erfreuen haben und auch in weiteren Kreisen Anklang und Nachahmung finden." Magdeburg, 2. Oktober. (Privatmitth.) Die in No. 36 von uns mitgetheilte verkürzte und verbesserte Liturgie, die beim Vorhandensein gcringster Kräfte und Mittel dem liturgischen Bedürsniß der Zeit genügen zu können scheint, hat, nach uns vorliegenden Zuschriften, einen weit verbreiteten Anklang gefunden, so daß wir bald eine ganze Reihe von Gemeinden werden aufführen können, welche dieselbe, zum Thcil schon mit r^'0882 nass, zur Verwirklichung bringen. Es sind nun hierbei viele Bitten um Mittheilung des Schema's zum dreijährigen Zyklus ergangen, so wie insondcrs auch die Frage wegen der hierbei anzuwcndenden Haphtorot« da ja nicht die bisherigen, welche einen Bezug auf die nunmehr parzellirten, ganzen Sidrot haben, Jahr für Jahr gelesen werden können, z. B. die Haphtora zu s^-irn, wenn man noch in »S'n, oder schon in rirull liest. Wir haben daher einen dreijährigen Zyklus von Haphtorot ausgcarbeitet, und zwar nach folgenden Grundsätzen: 1) So wie im dreijährigen Zyklus die N8in vollständig verlesen wird: so sollte auch in demselben Zeitraum ganz ‘p durchgenommen werden, jedoch, da Vollständigkeit hier nicht möglich, in der Auswahl nach einander folgender bedeutender Stücke. 2) Zur Anlehnung an den bisherigen Brauch, und zugleich um eine gewisse Abwechslung in die Verlesung der Haphtorot zu bringen — denn man darf den Gottesdienst, der das ganze Volk interessiren soll, nicht zu sehr in die Schnürbrust theoretischer Genauigkeit binden — werden die bisherigen Haphtorot an den Sabbaten, an welchen der An-

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