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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-10-12 · Heft 42 (12.10.1846) · p. Seite 611

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 42 (12.10.1846)
Date
1846-10-12
Page
Seite 611 (sequence 3)
Language
German
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611 Zeitungsnachrichten. Westindieii. Aus Westindien, im August. (Privatmitth.) Hoffend, daß Ihrem Lesepublikum einige Nachrichten über die Verhältnisse der Israeliten in den niederländisch-westindischen Besitzungen nicht unwillkommen sein werden, mache ich mir das Vergnügen, Ihnen dasjenige mitzutheilen, was ich während meines Aufenthaltes daselbst in dieser Beziehung erfahren. Niederländisch-Westindien bildet hierin einen direkten Gegensatz mit den ostindischen Besitzungen dieses Landes. Hier beschränkt sich das holländische Kolonisationsystem im Allgemeinen auf Unterwerfung der eingeborenen Völkerstämme, und Einverleibung derselben mit dem Mutterlande, ohne daß zahlreiche Niederlassungen von Europäern begünstigt werden. Da aber vor Ankunft der Holländer in dem ostindischen Archipel keine Israeliten sich befanden, und seit der Besitznahme nie mehrere Familien zugleich, sondern nur einzelne Personen sich hie und da niederließen, so war es unter solchen Umständen beinahe unmöglich, daß sich ordentliche jüdische Gemeinden in Niederländisch-Ostindien bildeten. Wol findet man mehrere Israeliten unter den dort wohnenden Kaufleuten und Beamten; aber meistens mit wenig Liebe für die Religion begabt, verlassen sie dieselbe. Andere, mit den Prinzipien ihres Glaubens unbekannt, glauben denselben schon verlassen zu haben, wenn sie eine Zeitlang verhindert waren, die hinsichtlich des Genusses der Speisen vorgcschriebenen Gesetze zu beobachten. Ihre Kinder werden gewöhnlich dem Namen nach in der christlichen, in der That aber in keiner Religion erzogen, und das dritte Geschlecht erinnert sich kaum mehr seiner Abkunft. Anders aber verhält es sich in den westindischen Ländern. Schon im Anfänge des siebzehnten Jahrhunderts findet man zahlreiche jüdische Familien sowol auf dem westindischen Archipel, als auch auf dem festen Lande. Bekannt ist, daß nach Vertreibung der Israeliten aus Brasilien (1659) die holländisch-westindische Kompagnie den Flüchtlingen erlaubte, sich auf Cüra^ao niederzulaffen, wo sie ihnen mehrere Privilegien einräumte. Suriname, gegenwärtig der Hauptsitz der Niederländer, war damals noch im Besitze der Engländer, und als der holländische Admiral Krynson im Jahre 1667 diese Kolonie von den Engländern eroberte, fand er allda mehrere portugiesische Juden, denen gleiche Rechte mit den Holländern eingeräumt wurden (0. Losch, Reizen in Suriname. Utrecht 1844). Aber in demselben Jahre kamen die Engländer wieder, eroberten und plünderten die Kolonie, so daß mehrere Einwohner, unter welchen viele portugiesische Juden, nach Jamaika flüchteten. Nichtsdestoweniger blieb sowol in der Hauptstadt Paramaribo, als in der ursprünglich von Juden bewohnten Kolonie, Savanna genannt, eine große Anzahl übrig, und sie bilden jetzt noch, wo das Land längst wieder in die Hände der Holländer gekommen ist, zu Paramaribo eine Gemeinde von ungefähr 1090 Seelen. Sie besitzen zwei Synagogen, deren Schönheit und gute Einrichtung, die man in diesen fernen Landen am Wenigsten erwartet, mit Recht Bewunderung erregt. Die ältere kleinere Synagoge ist ein einstöckiges, ein Parallelogram bildendes Gebäude, das, wie alle Kirchen der portugiesischen Juden in einer Vertiefung der Straße stehend, geschmackvoll umzäunt, von zahlreichen Palmen und anderen immerblühenden Trvpengewächsen umgeven ist. An der linken Seite der Umzäunung steht ein Haus für das Kirchenpersonal. Es war an einem Sabbat, als ich in Gesellschaft eines Bewohners von Paramaribo die Synagoge besuchte. Eine angenehme Kühle wehte durch die weit geöffneten, von den nahe stehenden Palmen beschatteten Fenster. Der sehr reinlich gehaltene Tempel ist mit zahlreichen goldblinkenden Leuchtern behängen, und aus der von Mahagonyholz zierlich verfertigten Bundeslade sieht man die Jahreszahl der Erbauung der Synagoge durch folgende Worte ausgedrückt: nninn nsn rom pV? 'Da 'Ds8 irosn Dis "vjdn, welches die Zahl 5511 (1751) giebt. Drei Seiten der Synagoge ziert eine auf Säulen ruhende Gallerie für die Frauen, wovon aber keine anwesend war. Ein Vorsänger und ein Rabbiner funktioniren während des Gottesdienstes, der vollkommen — eine größere Ordnung und Feierlichkeit etwa ausgenommen — dem Ritus der portugiesischen Kirchen in Holland gleicht. Ich verließ diesen Tempel mit der freudigen Ucberzeugung, daß das theure Band der Religion alle Zonen und Weltthcile lieblich umschlingt und vereinigt. Die zweite weit größere Synagoge zu Parama-

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