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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-10-05 · Heft 41 (5.10.1846) · p. Seite 605

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 41 (5.10.1846)
Date
1846-10-05
Page
Seite 605 (sequence 13)
Language
German
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605 stören. Erbärmlicher Gouverneur, ich fürchte weder Deine Gewalt noch Deine Martern; der ewige Allvater, welcher meine Unschuld kennt, wird eines Tages Deine Grausamkeiten bestrafen." Während nun die Unglückliche voll einer wahrhaft heroischen Geistesstärke sich moralischen Betrachtungen hingab, bemühten sich ihre Eltern, welche ihre neue Einkerkerung bereits erfahren hatten, von Neuem Jemand aufzufinden, der das kieselharte Herz des Statthalters zu rühren vermöchte. Schon waren mehre Tage verstrichen, daß die schöne Sol in Ketten schmachtete, als die väterlichen Bitten Haim Hachnels die Theilnahme des derzeitigen spanischen Vizekonsuls Don Jose Rico für die arme Gefangene erweckte. Dieser tieffühlende Menschenfreund entschloß sich, durch tie Klagen des Jammers gerührt, ein Werk der Philantropie und der Menschlichkeit auszuführcn, und legte eine dringende Fürbitte bei dem Gouverneur ein, die Leiden der jungen Jüdin zu mildern, oder selbst, wenn möglich, von der Verfolgung derselben ganz abzulassen. Der Feuereifer und die eindringlichen Vorstellungen des Vize-Konsuls würden auch sicher ihren Eindruck auf Arbi Esido nicht verfehlt haben, wenn die Entscheidung über das Schicksal der armen Sol noch in seiner Gewalt gestanden l'ätte. Er erwiderte nämlich mit vieler Höflichkeit auf die Vorstellungen des Konsuls, daß es ihm leid thue, ihm in dieser Sache nicht willfährig sein zu können, indem er bereits über dieselbe Bericht an den Kaiser abgestattet habe, und alsbald die Befehle desselben erwarte. Dieser Umstand trübte natürlich die Hoffnungen der trauernden Eltern nur noch mehr, und schnitt ihnen fast jeden Weg zur Rettung derjenigen ab, welche mittlerweile unerschüttert allein im Tode Erlösung von ihren beiden sah. Binnen wenigen Tagen langte ein Kourier mit Briefschaften vom Kaiser in Tanger an, welcher den Befehl überbrachte, die gefangene Jüdin unverzüglich nach Fe; zu entsenden. Diese eben so unerwartete als unangenehme Nachricht betrübte alle diejenigen, welche am Schicksale der Gefangenen Theil nahmen, tief, aber der fatale Befehl war einmal gegeben, und erheischte unverzügliche Ausführung. Der Gouverneur ließ Haim Hachnel vor sich rufen, theilte ihm die Entscheidung des Kaisers mit, so wie auch, daß sein Tochter am nächsten Morgen nach Fez abgeführt werden würde, und befahl ihm, binnen zwei Stunden die Summe von 40 Duros zur Bestreitung der Reisekosten der Gefangenen herbeizubringen. Der betrübte Vater warf sich zitternd und aufs Tiefste ergriffen dem Tyrannen zu Füßen, und stellte ihm die Unmöglichkeit vor, binnen einer so kurzen Frist obige Summe zusammenzubringen, aber der unerbittliche Gouverneur wiederholte seinen Befehl, drang auf die pünktliche und genaue Ausführung desselben, und drohte Hachnel, sobald nur der bestimmte Termin um eine Minute verstrichen sein würde, mit fünfhundert Stockhieben auf die Fußsohlen. Der unglückliche Jude fügte sich in die eiserne Nochwendigkeit, und versprach, die verlangte Summe pünktlich zu entrichten, bat aber den Statthalter aufs Dringendste, ihm zu gestatten, feine Tochter nach Fez begleiten zu dürfen. „Sie begleiten," herrschte ihm der übermüthige Araber entgegen, „das verbiet' ich Dir bei Lebensstrafe; weder Du, noch Einer Deiner Familie, noch irgend ein andrer Jude möge es wagen, die gottlose Jüdin, sei es in der Nähe, sei es von ferne zu begleiten." Also sprach er in hochmüthigem Tone, und drehte dem unglückseligsten aller Väter stolz den Rücken zu. Weinend und wehklagend entfernte sich der Hebräer, und irrte, von der Last des Kummers niedergebeugt planlos durch die Gaffen, bis er fast wie durch Zufall seine Schritte zu dem Hause des spanischen Vizekonsuls lenkte. Als dieser den Juden in so tiefer Trauer und fast verzweifelnd vor sich erscheinen sah, erkundigte er sich theiluehmend nach der Ursache seines neuen Schmerzes. Haim theilte ihm das kürzlich Vorgefallene mit, sowie auch die Forderung des Gouverneurs, welcher in der bestimmten kurzen Frist zu genügen ihm durchaus unmöglich sei, vorzüglich aber wehklagte er darüber, daß es ihm nicht gestattet worden, seine Tochter auf ihrem Transporte zu begleiten. Der Konsul stand, nachdem er den Juden angehört, lange sinnend da, dann aber faßte er einen Entschluß, welcher Zeugniß von seinem hohen Edelmuthe ablegte, und sein Andenken für immer unvergeßlich machen wird. „Haim," sagte er, „wir dürfen die Zeit nicht mit eitlen Worten verlieren, hier hast Du die Summe, welche Dir die angedrehte Züchtigung ersparen wird, und die Du mir später wieder erstatten kannst; eile sie dem Gouverneur zu überbringen." Der Jude, vor Dankbarkeit außer sich, wollte sich vor dem Edelmüthigen niedersiürzen, um den Saum seines Kleides zu küssen, aber der Konsul duldete es nicht, und drang auf die eilige Ablieferung des Geldes. Haim gehorchte dem Andringen seines Wohlthäters, und kehrte, nachdem er die Summe überbracht, nach Hause zurück, worauf er Jemand aufzufinden sich bemühte,

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