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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-10-05 · Heft 41 (5.10.1846) · p. Seite 603

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 41 (5.10.1846)
Date
1846-10-05
Page
Seite 603 (sequence 11)
Language
German
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603 rige, die Reinheit unsrer Religion befleckende Ansichten, wie die Auflösbarkeit der Schwüre, 'd'i'DV rvtfü u. dgl. zu Felde gezogen. Und wenn die Jugend diese Lehren beherzigt und befolgt, so werden aus ihr Israeliten, Menschen und Staatsbürger, wie kein Land deren bessere aufzuweisen hat. Und doch ging's uns auch bei dieser Broschüre wie bei jeder andern Schrift unsres sehr verehrten Herrn Rabbiners; wir legten sie mit einem von Vergnügen und Verdruß gemischten Gefühl aus der Hand. Vergnügen über den an der Lektüre derselben gehabten Genuß; Verdruß aber darüber, daß dieser — wie selten Einer — geistbegabte und wiffenausgestattete Mann sich so sehr dem dolce far nienle hingiebt und uns so selten mit seinem Wirken erfreut. Ueber die Verkehrtheit und Verschrobenheit unsrer Zeit klagen und dabei die Hände in die Schooß legen, sieht nur dem Schwachen, nicht aber dem geisteskraftbegabten Manne zu. Unser Rabbiner könnte bei seinem ungemeinen starken Wissen, seinem seltnen Geiste und Scharfsinne, bei der allgemeinen Achtung, die ihm zu Theil wird, für die gesammte ungarische Judenheit viel, sehr viel wirken und uns im Geiste der Gegenwart das werden, was der selige Sofer im Geiste seiner Zeit seinen Ungar. Zeit- und Glaubensgenossen war; und so felsig und unwirthbar auch der Boden noch sein mag, ist er doch nicht ganz unempfänglich und die mühevolle Bearbeitung dürfte vielleicht doch den Arbeiter reichlich lohnen!! J. Ehn. Auszüge. Die hkldenmüthige Jüdin, oder: Das Märtyrthum der jungen Hachnel. Eine wahre Begebenheit. Frei nach dem Spanischen von d’läffiai. (Fortsetzung.) Haim Hachnel bat am nächsten Tage mehre seiner Bekannten zum Gouverneur zu gehen, um seine Stimmung und seine Absichten zu erforschen, aber Alle fanden ihn ungemein aufgebracht, sobald sie der gefangenen Jüdin erwähnten, und vernahmen schreckliche Drohungen aus seinem Munde. Diese Nachricht versenkte das Gemüth des betrübten Vaters in einen liefern Kummer, und seine Einbildungskraft mühte sich vergebens ab, irgend welche Mittel zur Rettung seiner Tochter aufzufinden. „O, wie unglücklich sind doch die Menschen," rief er aus, „die das Schicksal dazu verurtheilt hat, in diesem unglückseligen Lande zu leben. Wir werden, bloß weil wir Juden sind, wie Sklaven behandelt, verspottet, verhöhnt und mit Schmach überhäuft, und nur hier trifft uns dieses jammernswerthe Loos. In Frankreich, Italien, England und in anderen Ländern, welche ich durchreist habe, genießen wir alle die Rechte, welcher die anderen Bürger des Staates sich erfreuen, während man hier in der Berberei uns verachtet, verhöhnt und wie Wesen ganz andrer und niedrer Art behandelt! — An wen soll ich nun mich wenden, um meine arme Tochter zu retten? O Moses, schaue auf dein auserwähltes Volk herab, wie es unter das Joch der Sklaverei gebeugt ist; sieh, wie die Abkömmlinge Jakobs von den Anhängern des falschen Propheten mißhandelt werden. Wahrlich, es ist hohe Zeit, daß sich die erhabenen Prophezeiungen unseres Glaubens erfüllen, und daß der Tag erscheine, wo der zersireute und umherirrende Stamm Israels von Neuem wieder aufathmen kann, der Stamm, der trotz der bittersten Leiden und der härtesten Verfolgungen Jahrhunderte hindurch seinem Gotte und seinem Glauben treu geblieben ist." Also jammerte der schmerzerfüllte Hachnel — aber der Tag verstrich, ohne daß sich ein Mittel zur Rettung ihm darbot, und da die Nacht schon eingebrochen war, so machte er sich mit seiner Fran und seinem Sohne von Neuem zu dem Kerker der armen Sol auf. Eine bange Ahnung umdüsterte sein Gemüth, und wiederholt sagte er seiner Gattin: „Ich besorge eine Fülle von Leiden, deren Größe und Schwere mein Geist kaum zu fassen vermag." Als er mit den Seinigen an der Kerkerzelle angelangt war, fanden sie bereits ihre Sol mit Sehnsucht ihrer harrend, und die liebevollsten Begrüßungen wechselten von beiden Seiten mit einander ab. „Meine Lieben," sagte schmeichelnd Sol, „bis jetzt ist kein Schlaf über meine Augen gekommen, meine Glieder beginnen zu ermüden, aber mein Geist ist rege und wach. Diese Rächt umschwebten meine Phantasie die angenehmsten Traumgebilde; ich glaubte Euch hochbejahrt um mich zu sehen, wie Ihr mich zärtlich in Eure Arme schlosset, und ich liebevoll Euch und Dir, meinem lieben Bruder, die weinigen entgegen streckte, dem Entzücken und der Freude fast erliegend. Aber, ach, ein einziger Augenblick zerstörte alle diese schönen Bilder, und von all Len Freuden, die Lm wachen Traume ich geschaut, ist mir Nichts zurückgeblieben. Doch der Traum war schön: ein leuchtendes Sternbild glänzte vom Firmamente herab, und kleinere Gestirne führten

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