Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 41 (5.10.1846)
- Date
- 1846-10-05
- Page
- Seite 602 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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602 die Juden von den ältesten Zeiten an hier ansässig sind und sich nie gegen die Nation gebrauchen ließen, — daß eben diese eingewanderten Deutschen sich am Hartnäckigsten gegen die Betheiligung der Juden als Fremde (?!) am Bürgerrechte, stemmen!!... Und auf diesen Judenhaß spekulirte die Pesther, das Organ des vierten (Bürger-) Standes, wie sie sich so gern nennt; und spekulirte gut, so lange sie sich andererseits in achtunggebietender Stellung zu halten wußte. Seitdem sie sich aber in den letzten Monaten — den anderen deutschen Journalen ihre Abonnenten beneidend — in ihrer wahren Gestalt und Tendenz gezeigt und um den Pöbelhaufen zu locken sich auf Stadtklatschereien und -Krämereien geworfen und lange Spalten mit unaufhörlichen Katzbalgereien füllt, hat sie die Achtung und Liebe auch ihrer eifrigsten Anhänger verscherzt und haben dadurch auch ihre Angriffe alle ihre Furchtbarkeit verloren.... De mortuis nil nisi bene. Die Pesther ist moralisch todt, und wollen wir ihre Ruhe nicht stören und sie nicht ferner angreifen, wenn sie auch von dem löblichen Grundsätze: „ealnnmiare sudaeter, semper »liquid haeret“ ausgehend, ihre Angriffe und Verleumdungen — so wenig Geltung und Einfluß sie auch nun haben — noch immer nicht einstellen mag.... Gegen die judenfcindliche Gesinnung müssen wir stets ankämpsen und sie durch Vernunft- und Rechtsgründe zu bekehren suchen; wo aber der Judenhaß bloß ein Produkt völliger Gesinnungslosigkeit ist, da ist schweigende Verachtung die beste und gebührendste Entgegnung. *) J. Ehn. Literarische Nachrichten. Hpesth, 10. September. Bel der außerordentlichen Dürre, die i» unserm literarischen Leben (si licet verhuiu!) *) Wir können uns das Vergnügen nicht versagen, bei dieser Gelegenheit die früher zu wiederholten Malen in der ,,Pesther" selbst erschienenen Entgegnungen eines „Ungarischen Israeliten" lobend zu erwähnen, die — wol von der Redaktion mit „pikanten" Noten versehen, die noch gehässiger waren als die Artikel selbst, welche jene Entgegnungen hervorgerufen diese doch zu manchen Zu- und Eingestäu'dniffen, zur Berichtigung mancher Wahrheitsentstellung zwangen.... Dieser „ungarische Israelit" herrscht, muß man jedes kleine Wölkchen, um so mehr aber, wenn dies wirklich wohlthätig befruchtenden Regen verheißt, freudig begrüßen. Es ist wirklich sonderbar, daß trotz der allgemeinen Regsamkeit, die sich bei den ungarischen Juden offenbart, sie sich doch auf literarischem Felde so wenig zeigen, und einige deutsche Journale abgereAnet, * fast keinen Laut von sich geben, besonders aber das Feld der jüdischen Literatur ganz unbebaut lassen. Unfern immer rüstigen Low ausgenommen, der doch alljährlich Etwas schreibt, fleißig die Emanzipationsangelegenheit bespricht, besonders aber in seiner im Busch'schen Jahrbuche sukzessive erscheinenden „Geschichte der Israeliten Ungarns" eine interessante Arbeit liefert, giebt keiner unserer gelehrten Rabbiner und Laien (und wir haben jener wie dieser doch eine nicht geringe Anzahl!) auch nur ein Lebenszeichen von sich. Doch von der Gesammtheit ein andres Mal; heute nur von einem Einzelnen! So eben erhalten wir: Erinnerung für die in's Leben hinaustretende Jugend an den in der Schule erhaltenen Religionsunterricht. Von L. Schwab, Oberrabbiner. Ofen, 1846. Ungarisch und deutsch. Unser Herr Rabb. läßt selten Etwas von seinen Geistesprodukten veröffentlichen und um so willkommner heißen wir jede, wenn auch kleine — ihm von äußeren Umständen hie und da quasi abgedrungene — seiner Feder entflossene Novität. Auch gegenwärtrge Kleinigkeit verdankt ihr Entstehen der von den Vertretern der ungar. Judenheit bei Gelegenheit ihrer im März l. I. hier stattgehabten Versammlung au Se. Ehrw. erlassnen Aufforderung: eine Schrift zu veröffentlichen, die den in's Leben hinaustretenden Jünglingen als religiöser Leitfaden und moralische Richtschnur, als Kompendium des in der Schule ihnen ertheilten religiös-moralischen Unterrichts dienen möge. Und wurde dieser allerdings nicht so leichten Aufgabe auf's Glänzendste entsprochen. In wenigen Kapiteln werden uns hier in prägnanter Kurze und logischkonsequenter Anordnung die Pflichten des Israeliten, des Menschen und Staatsbürgers, größtentheils auf bibl. Belegstellen gestützt, klar und deutlich auseinander gesetzt; besonders kräftig gegen so manche bei unseren ungebildeten Juden noch so häufige irist der hiesige allgemein hochgeachtete Großhändler Herr Jonas Kunewalder, Vertreter der hiesigen Jsraelitengemeinde, ein zeitgemäß gebildeter Mann, für alles Schöne, Edle und Zeitgemäße begeistert, für Juden und Judenthum eifrig glühend, und der sich besonders durch sein rastloses, erfolggekröntes Bestreben zur Abolirung der Toleranztaxe ein bleibendes Verdienst um die ungarische Judenheit erworben hat. E.