Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 41 (5.10.1846)
- Date
- 1846-10-05
- Page
- Seite 600 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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600 B. Gyarmat, Ofen rc. freuet Euch mit der (Überzeugung, daß unsre allerhöchste Negierung Israels innerer Verkümmerung «ntgegenarbeitet, daß sie uns Raum giebt, uns zu Männern von europäischer Gesittung und echt magyarischer Gesinnung heran zu bilden — und benützet diese Erfahrung! Pesth, 1v. September. (Privatmitth.) Wenn — wie wir letzthin (No. 35) gezeigt — von der fast ausschließlich in Händen der Juden befindlichen deutschungarischen Presse nichts Ersprießliches für unsre Sache geschieht, so müssen wir leider bemerken, daß auch die magyarische Presse uns eben so wenig oder doch nicht viel mehr Heil bringt als diese; eine Bemerkung, die um so mehr auffallen dürfte, da man allgemein so viel Schönes und Rühmliches von der freien ungarischen Zensur einer- und von der liberalen Humanität der ungarischen Stimm- und Federführer andrerseits sprechen hört. Doch ist diese Humanität — weil nicht kulturgercift und darum mark- und beindurchdringend — nur eine von außen angenommene und darum auch sehr einseitige. Dem Juden gegenüber wird sie geübt, weil die Opposition in seiner Bildungsfähigkeit und seinem lebhaften Eifer und stets regen Magyarisirungsstreben den besten Verbündeten zur Verbreitung der ungarischen und Unterdrückung der anderen Nationalitäten sieht, wie auch wirklich der Jude in den ausschließlich oder doch vorherrschend slavischen, deutschen oder wallachischen Orten fast den einzigen Träger des ungarischen Elements bildet. Und der Jude wird von den ungarischen wie von den mit diesen chorusmachenden deutschen Journalen stets gelobt und gehätschelt, wenn er diesen in ihn gesetzten Erwartungen entspricht und die propagandistischen Zwecke auf Kosten seines eignen geistigen Heils fördert; und dieses übertriebene und unvernünftig gespendete Lob ist tödtliches Gift für die keimende Kulturpflanze, für die in schwachen Anfängen bei uns sich zu entfalten beginnende Bildung und geistige Entwicklung. Der Jude wird dadurch äußerst erwünscht und zweckmäßig, wenn man diesem Prediger das Komitatsrabbinat zu verschaffen vermöchte. Diese Stelle — würde den, wenn auch uiiwijsenden, doch gutmüthigen preßburger Rabbiner wenig tnkommodiren — und für die Verbreitung guter Schule» in den israelitischen Gemeinden unsres Komilates von unberechenbarem Nutzen sein. Anmerk. des Korresp. verleitet, einerseits in Erlernung des Ungarischen allein, mit Vernachlässigung alles Andern, sein Heil zu suchen, andrerseits aber auch hierin Charlatanerie zu treiben und sich nicht um die wirkliche Aneignung und Verbreitung der Nationalsprache, als vielmehr darum zu kümmern, der ungarischen Journalistik glauben zu machen, daß er dies eifrigst erstrebe. Besonders aber leiden die Schulen sehr durch diese Magyarenmanie; bei der Lehrerwahl werden oft die Tüchtigsten vor den Unbefähigtsten zurückgesetzt, wenn nur Letztere Ungarisch wissen; natürlich kann man ein guter Ungar und doch der allerschlechteste Pädagog sein. Viele Unterrichtsgegenstände werden in ungarischer Sprache vorgetragen und müssen in dieser von den Schülern repetirt und aufgesagt werden, um bei der Prüfung schöne Schaustückchen machen und dann sagen zu können, daß man sich schon ganz magyarisirt und die Nationalsprache bereits als Unterrichtssprache eingeführt habe. Dem Schüler aber ist diese immer noch eine fremde (und muß darum auch stets eine deutsche Uebersetzung des Vorgetragenen gegeben werden!!) und mit dem Einbüffeln seiner Lektion in einer fremden Sprache tödtet er seine Zeit, tödtet er seinen Geist, wie dies in den katholischen Schulen der Fall ist. Ungarische Predigten werden gehalten vor einem Auditorium, von welchem wenigstens neun Zehntheile sie nicht verstehen, und stellt sich hier dem Beobachter die sonderbare Wahrnehmung heraus, daß die Predigten in jüdischen Tempeln und Synagogen nicht dem anwesenden jüdischen, sondern dem abwesenden (oder doch nur durch einige Honoratioreff vertretenen) christlichen Publikum gelten. Vereine werden gegründet „zur Verbreitung der ungarischen Sprache unter den Israeliten Ungarns", die sich in allzugroßer Bescheidenheit — auf den Namen beschränken und während eines mehrjährigen Vegetirens weder für die Nationalsprache noch für die Israeliten Ungarns Etwas geleistet. Wäre es nicht heilige Pflicht dieses mit bedeutenden Geldmitteln und noch bedeutenderen geistigen Kräften ausgerüsteten und in der Metropole befindlichen Vereins, den Vertreter der ungarischen Judenheit in der ungarischen Literatur, oder wenn dies zu viel, in der ungarischen Journalistik zu machen, hier zu und für den Juden zu sprechen?? Daß die Juden Ungarisch lernen, dazu braucht es wahrlich keines Vereins; das praktische Leben macht es heute Jedermann im Vaterlande