Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 41 (5.10.1846)
- Date
- 1846-10-05
- Page
- Seite 599 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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5S9 Oberraths für die israelitischen Sträflinge eine besondre Synagoge eingerichtet. — In den bereits dort bestehenden Strafanstalten wird seit 6 Jahren durch den Rabbinatsadjunkt Prager wöchentlich zweimal Religionsunterricht erthcilt, und Sabbate und Festtage Gottesdienst verbunden mit Predigt gehalten. Der günstige Erfolg des Unterrichts hat das Justizministerium veranlaßt (nachdem nämlich der Referent, Ministerialrat!) v. Jagemann, die Prüfung vorgenommen hatte), die Israeliten aus allen übrigen Strafanstalten in die dortigen zu senden. Durch Antrag und Verwendung des großherzvgl. Oberraths wurde vom Justizministerium dieses Jahr sogar eine bestimmte Besoldung für den Rabbinatsadjunkten im ordentlichen Budget ausgenommen (während derselbe bisher seinen Gehalt nur als Gratifikation bezogen hatte). Der Bericht der Budgetkommission über das ordentliche und nachträgliche Budget der Jahre 1846 und 1847, erstattet von dem Abgeordneten Hecker in der öffentlichen Sitzung vom 21. August 1846, stellt S. 299 den Antrag, für die Ertheilung des israelitischen Religionsunterrichtes eine jährliche Besoldung von 50 Fl. zu genehmigen, welche Position von der Kammer ohne Widerrede angenommen wurde. — In einem Lande nun, wo der Regent so huldvoll von seinen israelitischen Unterthanen denkt, und die Regierung jede Gelegenheit benutzt, die israelitische Religion und ihre Bekenner gesetzlich zu heben und dabei eine Volksvertretung, welche diese Richtung billigt und wünscht, in einem solchen Lande ist an der baldigen völligen Gleichstellung nicht zu zweifeln. Möge der Allweise es bestätigen und zum Heil und Segen für uns werden lassen! Oesterreich. Papa, 13. September. (Privatmitth.) Am 11. dieses ging die Einweihung unsrer unvergleichlichen Synagoge vor sich. Schon am 10. dieses kamen aus fernen Orten und Komitaten viele hundert Gäste, welche theils als Deputirte ihrer Gemeinden der Einweihung beizuwohnen erschienen. Die Zahl der Fremden wuchs bis am 11. auf 1500, und auch zahllose Equipagen vom hohen und höchsten Adel sah man herbeikommen. Der Oberrabbiner Löw hielt bei der Einweihung eine ungarische Predigt, die 2'/a Stunden dauerte. Am Sabbat darauf sprach er eine deutsche Predigt. Cperies, 16. September. (Privatmitth.) Nachdem vr. Schiller an dem hiesigen evangelischen Kollegium zwei Jahre hebräische Sprach- und Alterthumskunde, freilich gratis, gelehrt hat, bekam er am 8. 1>. vom löbl. Schulkonvcnte ein Instrument zugesandt, das ihn zum Professor publ. extraordinär, ernennt. Er ist somit seit Kurzem der 'zweite Jude in Oesterreich, — der erste Dr. W. Wessely in Prag — der diese Würde erhalten hat. Preßburg, 10. September. (Privatmitth.) Eben höre ich, es wäre aus Pcsth die Nachricht eingelaufen, daß die dortige königliche Statthalterei, unter Präsidium Sr. kaiserl. Hoheit des Erzherzog Palatins, die Nabbinerwahl und sämmtliche Unternehmungen zu Papa mit dem Bemerken gut geheißen, weil, nebstdem daß die dortige anordnende Behörde in ihrem hiezu besitzenden Rechte war — das dort Geschehene der erwünschten ungarischisraelitischen Erhöhung vollkommen entspräche. — Unsere gegen die papaer gute Sache mit aller Kraft und verschiedenen Mitteln agirenden Babelmänner fühlen sich wie aus den Wolken gefallen. Die Nemesis der hier einst geführten perfiden Kämpfe gegen die Realschule ist erwacht — und die Zeit sühnt das einst hier mißbrauchte gegen die jüdische Militärpflichtigkeit. Die hiesige, aus dem Pilpulschwindel so schwer aufzurüttelnde Partei sieht es zweitens ein, daß unsre allerhöchste Regierung nichts weniger als die Schmach und Unwissenheit Israels verewigt wissen will, sondern dasselbe einer verdienten Emanzipation entgegen zu führen — und vor Allem dasselbe zu zivilisiren. Ein seltner Muth kam heute mit der pesther Nachricht in die Herzen derjenigen, welche seit Jahren mit ihren besten Gesinnungen im Hintergründe zu verharren sich gezwungen sahen; — schon spricht man neuerdings von der Errichtung eines geregelten Gottesdienstes, und nennt den Namen eines hierher (vorläufig in's Tedesko'sche Institut) zu berufenden tüchtigen Predigers *). Und ihr Männer zu St. Nicolau, *) Bei dem verwahrlosten Zustande sämmtlicher israelitischer Gemeinden des preßburger KomitateS wäre eS