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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-10-05 · Heft 41 (5.10.1846) · p. Seite 598

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 41 (5.10.1846)
Date
1846-10-05
Page
Seite 598 (sequence 6)
Language
German
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598 schilderte, so haben doch in bedeutend überwiegender Mehrzahl würdige, tüchtige, hochstehende Männer unsere Rechte vertheidigt und jene Verdächtigungen gegen unS und unfern Glauben mit gebührender Verachtung zurückgewiesen. Männer, welche mit Juden viel in Berührung kommen und daher ihr Leben und ihre Verhältnisse genau kennen, Männer, die als Behörden unsere inneren Angelegenheiten, unsre innere Verfassung beobachten und durchschauen, wie der Abgeordnete Christ (Vorstand des großherzogl. Oberrathes und geh. Referendär des großherzogl. Ministeriums des Innern), Männer, die unmittelbar im bürgerlichen Leben stehen und von da aus die Juden kennen, wie der Abgeordnete Wassermann; Männer, die als Anwälte bei Rechtssachen tiefer in den Geschäftsverkehr der Juden einblickcn, wie der Berichterstatter Abg. Brentano und die Abgeordneten Hecker, v.Soiron rc., solche Männer haben unsere Rechtsansprüche in Schutz genommen und mit Kraft und Ueberzeugung unsre Gleichstellung mit den übrigen Glaubensgcsellschaften verlangt, und das ist, was uns besonders erfreut und zugleich heben muß in den Augen unserer Mitbürger, das ist der schönste Triumph, das untrüglichste, ehrenvollste Zeugniß für die Israeliten Badens! Hingegen erkennen sie auch den Werth und die Bedeutung des Kammerbcschlusses, und indem sie mit inniger Dankbarkeit rückwärts blicken, sehen sie zugleich mit gegründeter Hoffnung der völligen Gleichstellung entgegen; denn cs ist nicht zu bezweifeln, daß die Regierung gern und freudig dm Wunsch der Kammer erfüllen und bei dem nächsten Landtag schon ein Gesetz über unsre Gleichstellung mit den christlichen Mitbürgern vorlegcn wird. Die Richtung unsrer Regierung, wie namentlich die wahrhaft väterlichen Gesinnungen unsres Landesfürsten lassen mit bestimmter Zuversicht dieses erwarten.— Es sind das nicht Muthmaßungen, nicht geschmeichelte Hoffnungen nur, wir haben für das Eine, wie für das Andre untrügliche Beweise. Der großherzogl. Oberrath hat für die Feier des allerhöchsten Geburtsfestes Sr. königl. Hoheit des Großherzogs eine Gottesdienstordnung für alle Synagogen des Landes entworfen und dabei ein besondres, von dem hochverdienten Oberrath Epstein verfaßtes Lied, in Musik gesetzt mitgetheilt. Dieses Lied wurde Sr. königl. Hoheit überreicht und als wohlverdiente Anerkennung brachte die Karlsruher Zeitung von Sonntag den 13. d. M. folgendes Inserat: „Karlsruhe, den 11. September. Se. königl. Hoheit der Großherzog haben gnädigst geruht, an den Oberrath Epstein auf die von ihm allerhöchstdcmselben geschehene Ueberreichung des von dem großherzogl. israelitischen Oberrathe für den Gottesdienst an allerhöchstihrem Geburtsfeste angeordneten Synagogenliedes, folgendes allerhöchstes Handschreiben zu erlassen: „Mein lieber Oberrath Epstein! Empfangen Sie Meinen aufrichtigen Dank für die Uebersendung des Synagogenlicdcs, welches von dem israelitischen Oberrath für den Gottesdienst an Meinem Geburtsfcste angeordnet worden. Ich habe von diesem schönen Liede mit Wohlgefallen Einsicht genommen und in dessen Inhalt einen neuen Beweis Ihrer treu ergebenen Gesinnungen, wie der Ihrer Glaubensgenossen, für Mich und Mein Haus erkannt. Mit dieser Versicherung verbleibe Ich Ihr wohlgeneigter Leopold. Karlsruhe, den 10. September 1846." Ein Regent, der solche Worte schreibt, der mit so viel Huld und Wohlwollen von seinen israelitischen Unterthanen denkt und spricht, ist gewiß erfreut, nach gefaßtem Kammerbeschluß, auf verfassungsmäßigem Wege hier die Wünsche seiner jüdischen Unterthanen erfüllen zu können, ohne die christlichen dadurch zu verletzen. Seine Vaterarme öffnen sich und das Vaterherz freut sich, alle seine Kinder sich näher gestellt zu sehen. Dabei können wir es jedoch nicht unterlassen, auf die vielen Verdienste des Herrn Oberraths Epstein aufmerksam zu machen: er war der Erste, welcher für die Erkämpfung der bürgerlichen Rechte in Baden in Schranken trat; er wurde beinahe an jedem Landtage, sowol hinsichtlich seines Wirkungskreises, als in Rücksicht auf seine Kenntnisse, bei der Regierung wie bei den Volksvertretern als Autorität gewürdigt und anerkannt und als Führer der jüdischen Angelegenheiten angesehen; ihm zunächst haben wir die huldvollen Aeußerungen und die höchst erfreulichen Versicherungen des fürstlichen Wohlwollens zu verdanken. Als Beweis für die unseren Angelegenheiten günstige Stimmung unsrer Negierung möge Folgendes dienen. In Bruchsal wird eine Zentralstrafanstalt für das ganze Großherzogthum nach pensylvanischem System erbaut und durch die Vermittlung des großherzogl.

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