Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 41 (5.10.1846)
- Date
- 1846-10-05
- Page
- Seite 596 (sequence 4)
- Language
- German
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596 Es wurde, wie gesagt, die Sache hier vielfach besprochen, und die Namen bedeutender Männer, die sich dabei betheiligen könnten, aufgezählt. Als die Nachricht kam, daß sich in einigen bedeutenden Städten schon Komite's zu bilden begannen, war man des Anfangs bald gewiß, da man vom Deutschen die Ansicht hegt, daß er, der Besonnene, nicht eher Hand anlegt, als bis er einen Theil der Vollendung schon in der Hand hat. Man rüstete sich bereits, auch hier zusammenzutreten, um sofort den Europäern cntgegenzukommen. Die Aussicht auf Meetings, Reden rc. reizte schon, denn so Etwas läßt sich der Amerikaner nicht gern entgehen. Da hieß es, Sir Moses Montesiore geht nach St. Petersburg. Auch hier, wie in Europa, sah man ein, daß, wenn einmal eine so unmittelbare Mission vor sich ginge, man während derselben jede Demonstration unterlassen müsse, weil sonst das Mißlingen jener auf Schuld dieser geschoben werden würde. Alles schwieg voll Erwartung. Allerdings setzte man auch hier voraus, daß Sir Moses zur Grundlage seiner Unterhandlungen und Petitionen die Erlaubniß zur Auswandrung machen würde. Denn bei jeder innern Maßnahme konnte man ihm mit der Unkenntniß der Sachverhaltnisse antworten; bei jeder innern Maßnahme konnten Versprechungen gegeben werden, die sich im Laufe der Zeit eludirten. Aber bei der Bitte um Erlaubniß zur Auswanderung konnte selbst derjenige verharren, der jene Unkenntniß nicht abweisen konnte; und ein Versprechen der Art war bestimmt. Diese Erwartungen gingen im Warten verloren; man mußte so lange warten, bis die Erwartung verschwunden. Man schwieg so lange, bis bas Schweigen die Sache erdrückt, und das Interesse verzehrt hatte. Als Sir Moses zurückgekehrt, still und geräuschlos zurückgekehrt war; als er keinen Laut, keinen Bericht von sich gab; als er die Aussprache der Erfolglosigkeit ruhig vorübergehen ließ; als in Europa hiermit die Angelegenheit gänzlich begraben war — da hatte man sie in Amerika schon vergessen, und Niemand erinnert sich derselben noch. Schade, Schade! scheint es doch, als ob die Vorsehung jeder allgemeinen Kundgebung jüdischer Thatkrast feindlich wäre, als ob sie nur das Schaffen und Treiben der Einzelnen zulasse, wo und wie diese durchkönnen, aber ein gemeinsames Werk der Juden nicht begünstige. Man kann sich wol vorstellen, daß Sie viel dabei litten: und daß Sie dennoch schwiegen, und der Welt das Mißlingen in seinem ganzen Verlaufe, mit allem, woran bestimmte Personen Schuld sind, nicht aufdeckten, erkannte der Tieferblickende für edel und würdig. Aber am Meisten fühlten sich doch die in Amerika betroffen — und wenn es vorerst auch nur Wenige waren — welche ein regeres und tiefergehendes Interesse gehegt hatten. Jetzt freilich! ist die Sache verloren. Was entflammt war, aber abgekühlt worden, zündet nicht wieder. Es ist nicht bloß beim sinnlichen Rausche, daß der Erwachte nüchterner wird, als zuvor. Auch der Enthusiasmus für eine edle Sache hat denselben Verlauf. Trösten wir uns: „das Beste gewollt zu haben, ist auch befriedigend." Aegypten. Der Osservatore Triestino enthält aus Alexandrien vom 1. September Folgendes: „Briefe aus Kahira berichten, daß, nachdem kürzlich der Oberrabbiner der israelitischen Gemeinde gestorben, die Vorstände derselben sich an Abbas-Pascha mit der Bitte um Bewilligung einer Schutzwache zur ruhigen Haltung des Leichenbegängnisses gewendet hatten. Auf die hierauf erfolgte abschlägige Antwort wendeten sie sich dann an Ibrahim-Pascha selbst, der nicht nur befahl, daß eine hinreichende Anzahl von Soldaten die Zeremonie beschütze, sondern auch verfügte, daß eine militärische Musikbande den Leichenzug begleiten, ja sogar sein Leibwagen sich Letzterm anschließen sollte. Dieser Vorfall hat die israelitische Gemeinde nicht wenig erfreut, und aus diesem in den türkischen Annalen beispiellosen Akte schöpft man allgemein die schönsten Hoffnungen für die Zukunft." Preußen. Bergheim, 18. September. (Privatmitth. von den Lehrern Herrn I. Isaak in Elsdorf und V. Rosenberg in Bergheim.) Im Interesse der Lehrer sehen wir uns veranlaßt, folgende Erwiederung Sr. Exzellenz des Herrn Oberpräsidenten der Rheinprovinz auf eine an hochdenselben gerichtete Petition, betreffend „eine Verbesserung der Lage jüdischer Lehrer im Verhältnisse zu ihren Gemeinden" zur Kenntnißnahme zu bringen: