Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 41 (5.10.1846)
- Date
- 1846-10-05
- Page
- Seite 595 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3225443-3225485--08056-3238852- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
595 Bis aus dem Kerker mich zog, der dich in den Kerker gestoßen. O, sie wollten die Lüge, bis Wahrheit gepanzert gekommen Mit dem Schwerte des Mörders, den Pfeilen der Pest und des Hungers Würgendem Strick, bis der Berg zu tiefen Gruben sich senkte, Und die Trümmer empor zu riesigen Bergen sich hoben. £>, wie hast du die Liebe mit frevelem Hasse vergolten! Wie die Palme des Friedens zu stachligen Dornen gewandelt! Auf die lispelnde Lippe den Donner des Schreckens geleget! Zn die zärtliche Hand das Schwert der Zerstörung gepflanzet — Bis die Beste gefallen, entweiht die Halle des Heiligen, Bis die Stadt zertrümmert, und du in Verbannung gewandert! Sag', wo klinget die Zyther, die Harfe nun bei Gelagen, Fröhliche Stimme der Lust, und fröhliche Stimme der Wonne, Fröhliche Stimme der Braut, und fröhliche Stimme des Bräutigams? Ha, wie verödet, wie schmachtet die Tochter Zion's in Banden, Sack um die Hüfte gegürtet, und Asche gestreut auf das Haupthaar! — — Aber rase nur, Sturm! du rasest hin nach Aegypten, Stürzest Pharao's Thron, des hämischen Bundesgenossen, Der mit Rossen zu kommen versprach: nun hinken die Rosse, Seine Krieger erbleichen, und seine Starken ermatten, Und der Nilstrom verlechzt, und Pharao sinket erschlagen! Aber, rase nur, Sturm! du rasest, hinüber nach Babel, Stürzest den Thron des Chaldäers, des Wüthrichs, der Zion geschlagen, Daß die Splitter zerstieben im Fluge der rasenden Winde! Ha, wie es fällt, das stolze, das üppige Babel, Daß durch die leeren Paläste um Mitternacht heulen Schakale, Eulen nisten in seinen Ruinen und selten die Heerde Treibet der staunende Hirt zu den moosigen Trümmern der Vorzeit! Dann, wenn die Thore des Feindes gebrochen, dann ziehest du jubelnd Zu den Thoren, mein Volk, des erneueren Zion's, und jubelnd Schaaren sich Völker dir zu, zum Dienste des einigen Gottes!" Also spricht Jirmejah auf den mondbeschienenen Trümmern, Und es schweiget der Sturm vor dem Klang der geheiligten Lippe. Zeitungsnachrichten. Nordamerika. Netv-Nork, 15.August. (Privatmitth. Vierter Artikel.) Da ich in meinem letzten Briefe von der jüdisch - europäischen Einwanderung geschrieben habe, so gestatten Sie mir wol, einige Bemerkungen über die Angelegenheit der russischen Juden hinzuzufügen. Wie lebhaft wurde diese gegen Ende des vorigen, gegen Anfang des laufenden Jahres besprochen — und nun kein Wort mehr! Die Artikel, die Sie mit Sachkenntniß, Herz und Energie geschrieben, und die uns vor dem Original schon in englischen und französischen Auszügen zukamen, interessirten hier sehr, und regten Mancherlei weiter an, zu dem der Herr Dr. Lilienthal den Anstoß gegeben, und womit er sich hier introduzirt hatte. Man sah hier Ihre Vorschläge mit ganz anderen Augen an, wie in Europa, namentlich in Deutschland. Während dort die Meisten wol — denn ich bin noch zu sehr Deutscher, um mich in diese Lage nicht versehen zu können — eine Transplantation der russischen Juden, oder wenigstens eines Thciles derselben, über das Meer für eine Chimäre halten mußten, für die Meinung eines entzündeten Herzens, einer aufwallenden Phantasie: konnte man hier, wo man täglich Tausende von Einwandrern landen sieht, wohin allein Deutschland ganz bequem, ohne die anderen europäischen Gebiete, jährlich ein Kontingent von 40,000 Seelen liefert, sich leicht einen Begriff machen, daß ein solcher Plan seine Verwirklichung haben könnte. Es werden ja nicht lauter Aermste sein, daß nicht Viele die Kosten der Ueberfarth, oder doch zum Theil tragen könnten; die Unterstützungen der Juden aller Zonen würden ja mit der Zeit Bedeutendes bewerkstelligen lassen; leere Gebiete giebt es in Nord- und Südamerika noch genug; und die Welt hat größere Völkerwandrungen gesehen. Ueberhaupt gilt in Amerika eine Schwierigkeit nur für einen — Anfang. Fang' an, sagt man hier, und das Ende ist nicht weit.