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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-10-05 · Heft 41 (5.10.1846) · p. Seite 594

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 41 (5.10.1846)
Date
1846-10-05
Page
Seite 594 (sequence 2)
Language
German
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594 Ob auch drunten Gezücht den kreischenden Angflruf erhebet, Nimmer gebessertes. Kreise des Lichtes umfangen den Segler, Und sein blitzendes Auge blickt weit in kommende Zeiten, Nahe und ferne; blickt in die künftigen Reihen der Menschen, Wie sie erscheinen und geh'n, zu Einem Ziele zu kommen. Sieh, dort schaut er Erhebung, und hier den Sturz der Lawinen, Dort der Völker Gestaltung, und hier die Verwesung der todten — — Schrecklich dröhnet der Kampf, die Schwerter rasseln, die Schilde, Pfeile zischen und Lanzen zerbrechen und Panzer zerschmettern, Sterbende röcheln, Verwundete kreischen und Kämpfende schreien — Aber inmitten des Kampfes die heilige Kraft des Jeschajah Steht unerschüttert; sie schwingt das Panier des einigen Gottes Ringsum: hebt es empor, im Lichte der Sonne zu leuchten. Da, inmitten des Kampfs, vernimmt sie das Säuseln des Friedens, Wie es nahet und säuselt und süß erklinget und flötet — ltnd die Schatten versinken, die Waffen entfallen den Streitern. lieber die Wüste fährt er dahin, der Fried', und sie blühet, lieber die Stepp', und cs rieseln befruchtende Quellen und Bache; Lenket nach Zion den Schritt — es erstehen die schweigenden Trümmer, Aufbaut herrlich die Burg sich des einigen Gottes, zum Tempel Aller Menschengeschlechter die weiten Hatten eröffnend. Friede wohnt auf der Erden — es ruhet der Wolf bei dem Lamme, Bärin sauget das Kalb, es spielt mit der Rätter das Kindlein, Und die Menschen verlernen, die schneidende Waffe zu schmieden; Recht umgürtet die Erd', und Erkenntniß strömt durch die Fluren, Juda ist aufgerichtct, gesammelt Israels Schaaren, Und die Menschheit wallt geeinigt zum Berge des Herren. Also schaut in der Höh' die heilige Kraft des Jeschajah; Und zum einsamen Horst, auf schwindelnder Wölbung des Felsens, Kehrt sie mächtigen Flugs, von hehrer Verheißung getröstet. 2* Zirmes ah. Sturm ist wach um die Mitternacht; um rauchende Trümmer Ras't er, und stürzet Gestürztes noch tiefer, Gebrochenes bricht er Einmal noch, daß die Stücke zerschmetterter Herrlichkeit rollen Abwärts den Abhang. Hoch am Saume zerrissnen Gewölkes Blinket der Mond herab, die silbernen Strahlen vergebens In das Dunkel versendend, das deutlicher wird, doch nicht heller. Auf dem Trümmerwerk sitzt ein Mann, gebeugt, nicht gebrochen, In der Linken das Haupt, die Rechte ruht auf den Kuieen. Ob es stürme, er merkt nichts, ob es poltert, er hört nichts; Wanket die Erde, so stemmt er den zuckenden Fuß nur noch fester, Und sein glühendes Aug' schaut nicht in die fahrenden Wolken. Ha! er richtet sich auf, er steigt auf den Gipfel der Trümmer, Und sein irrender Blick fährt schnell durch das nächtliche Dunkel, Niederfällt das Gewand vom emporgerichteten Haupte, Daß der wüthende Sturm die greisen Locken erfasset, Hoch aufhebt er die Rechte zum Himmel — der silberne Moudstrahl Fällt auf die leuchtende Stirn, und webet den Kranz um das Haupt ihm. „Wehe, mein Volk! du hast nicht gehört, du hattest verschlossen Vor der Wahrheit das Ohr — ich habe dir Wahrheit bezeuget! Eh' es gekommen, erschaut' ich's, und da es gekommen, erschaut' ich's, Run es vorüber, erschau' ich es noch vor dem glühenden Auge. Wehe, mein Volk, mein Volk! ich hatt' es verkündet: du schlugst mich; Sprach: du stießest mich zur Grube voll stinkenden Wassers; und da ich Dennoch das Wort meines Gottes dem Volk und den Fürsten bekannte, Zogst du herauf und züchtigtest mich bis zum Tode — ich schwieg nicht —

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